Extrablatt Volksbefragung: Oberstufenlehrer mit ausserschulischer Berufserfahrung

Im Extrablatt (Februar 2013) der SVP kann der Leser an einer Volksbefragung zum Thema «Familie und Bildung» teilnehmen. Ich tue das. Öffentlich.

Jeder Oberstufenlehrer soll die Berufswelt ausserhalb des Bildungswesens aus persönlicher Erfahrung kennen.

Viele Lehrer haben nie ausserhalb ihrers Berufes gearbeitet. Dies wird durch den immer stärker akademisierten Ausbildungsweg über die pädagogische Hochschule verstärkt.

Lehrer ist ein vollwertiger eigener Beruf. Ein Automechaniker arbeitet auch nicht besser, wenn er während ein paar Jahren als Gipser gearbeitet hat. Die Aufgabe des Lehrers ist das Unterrichten, das vermitteln von Wissen. Erfahrungen in einem anderen Beruf sind sicherlich nicht hinderlich, aber gewiss nicht notwendig. Eine Lehrperson muss wissen, wie sie einem Schulkind das geforderte Wissen stufen- und altersgerecht beibringt, und nicht, wie man ein Auto repariert oder eine Holzschnitzelheizung installiert. Wir müssen damit aufhören, der Lehrerberuf schlechter zu stellen als irgend ein anderer Beruf. Im Gegenteil. Wir müssen den Lehrer-Beruf wieder aufwerten.

Dass die Lehrkräfte nun nicht mehr am «Semi» sondern in einer pädagogischen Hochschule ausgebildet werden, ändert an der Qualität der Lehrer nicht viel. Man kann über gewisse Methoden an den PH’s streiten oder über den Anteil praktischer Erfahrung im Schulzimmer während der Ausbildung. Man darf auch hinterfragen, weshalb man eine Matura benötigt, um Primarlehrer zu werden und ob es nötig ist, dass ein ausgebildeter Primarlehrer über einen Bachelor-Abschluss verfügen muss. Auch mit der alten Ausbildung am Lehrer-Seminar kamen die Junglehrer von der Schule direkt ins «Semi» und lernten nicht vorher einen anderen Beruf. Es waren nicht die schlechteren Lehrer.

Ich befürworte diese Massnahme nicht.

Ja zur Mundart im Kindergarten

Im Kanton Luzern werden wir vermutlich noch im Jahr 2013 darüber abstimmen, ob die Kidz im Kindergarten künftig wieder Mundart sprechen dürfen, oder nicht. Die entsprechende Volksinitiative der Jungen SVP des Kantons Luzern «Für Mundart im Kindergarten» wurde im Herbst 2011 eingereicht.

Natürlich wird auch heute nicht bloss Standardsprache im Kindergarten gesprochen. Doch die hochdeutsche Sprache überwiegt. Der «Unterricht» im Chindsgi soll nämlich seit dem Schuljahr 2006/07 per Direktive zu zwei Dritteln in Hochdeutsch gehalten werden. Zwar werden den Lehrpersonen «gewisse Freiheiten» eingeräumt, wie der Luzerner Regierungsrat in seiner ablehnenden Botschaft zur Initiative mitteilt. Aber deshalb wird trotzdem zu viel Hochdeutsch gesprochen.

Es braucht keine Anregung

Bildungsbürokraten nennen dies «Anregung und Förderung der Kinder zum Gebrauch der Standardsprache». Laut Hans-Rudolf Schärer, Rektor der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) Luzern, sagt im einem Interview auf Zentralplus, dass Kindergartenkinder sowieso, zum Beispiel in Rollenspielen, spontan auf Hochdeutsch wechseln. Wozu also dann noch zusätzliche Anregung? Die Kinder kommen bereits ohne Anregung und schon vor ihrem Eintritt in den Kindergarten in Kontakt mit Standardsprache. Es ist also überhaupt nicht nötig, dies zusätzlich «anzuregen».

Nutzen nicht nachgewiesen

Die Hauptaufgabe der Kindergarten-Stufe ist, die Kinder langsam und spielerisch auf die Schule vorzubereiten und nicht, mit allerlei linguistischem Firlefanz Verwirrung zu stiften. Im Kindergarten soll zu zwei Dritteln Standardsprache gesprochen werden, dann, in der Primarstufe, wird Hochdeutsch zur ausschliesslichen Unterrichtssprache und schliesslich quälen wir unsere Kinder auch noch mit Frühenglisch oder Frühfranzösisch. Und unter dem Strich wundern wir uns aber darüber, dass die Kidz über eine völlig ungenügende Sprachkompetenz in Französisch oder Englisch verfügen und später nicht einmal ein gescheites Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle auf Deutsch aufsetzen können. Ein wirklicher Nutzen von Hochdeutsch im Kindergarten ist nicht nachgewiesen. Statt dessen verleiten wir unseren Nachwuchs zu grässlichen Formulierungen wie «Ech go met em Fahrrad is Chrankehuus» oder «Mer send am Morge früeh go angle».

Andere Ziele im Vordergrund

Griffige Argumente, die für die Verwendung von Hochdeutsch im Kindergarten sprechen, gibt es nicht. Vielmehr stehen andere Motivationen im Vordergrund, wie Schärer selber zu verstehen gibt: «Es ist sicher so, dass es viele fremdsprachige Kinder gibt, die besser Hochdeutsch als Mundart verstehen.» Die Sprache ist für eine erfolgreiche Integration ein zentraler Punkt. Wenn wir also ausländische Kinder integrieren wollen, dann sollten wir das mit Mundart tun. Denn in der Hauptsache differenzieren wir uns mit der Sprache – mit der Umgangssprache. Und das ist in der Schweiz nun mal die Mundart.

Das gilt auch für die Lehrpersonen. Schärer: «Ein weiterer Aspekt ist, dass es doch relativ viel Lehrpersonal gibt, deren Muttersprache nicht Schweizerdeutsch ist. Was würde eine Annahme der Initiative für diese Personen bedeuten? Müssten sie einen schweizerdeutschen Sprachkurs absolvieren? Das macht einfach keinen Sinn.» Das ist eine bodenlose Frechheit! Unseren Kindern muten wir ein wahnwitziges Sprachwirrwar zu, aber dass sich Lehrpersonal mit der Umgangssprache in ihrem Arbeitgeberland auseinandersetzen, ist sinnlos. Diese Aussage lässt mich an der fachlichen sowie persönlichen Qualifikation von Hans-Rudolf Schärer als Rektor einer Pädagogischen Hochschule massiv zweifeln. Wer solche Sätze von sich gibt, verfügt nicht über die Kompetenz, eine Institution zu leiten, welche für die Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer verantwortlich ist.

Gegenvorschlag ist kein Gegenvorschlag

Obwohl es also keine schulischen Argumente für die Verwendung von Hochdeutsch im Kindergarten gibt, spricht sich die Luzerner Regierung gegen die Initiative aus und befürwortet statt dessen einen Gegenvorschlag. Der Regierungsrat schlägt vor, Mundart und Standardsprache zu gleichen Teilen «zu fördern». Das widerspricht dem Anliegen der Initianten allerdings komplett. Der Gegenvorschlag ist kein Gegenvorschlag, sondern nur ein unbefriedigender Versuch eines faulen Kompromisses.

Alle Primarlehrer sollen Heilpädagogen werden

Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) will, dass künftig alle Primarlehrer zu Heilpädagogen ausgebildet werden. Im Kanton Zürich werden seit einigen Jahren verhaltensauffällige Kinder in die Regelklassen integriert. Dies stört den ordentlichen Unterricht erheblich und deshalb wird der Lehrer von Speziallehrern und Therapeuten in den Klassen unterstützt.

Wir haben hier zwei Probleme. Das erste Problem ist zweifelsfrei der integrative Unterricht. Diese ideologische Reformidee darf definitiv als gescheitert betrachtet werden. Es verteuert die Bildung und es senkt die Unterrichtsqualität in den Regelklassen. Das zweite Problem ist Aepplis Idee als solche. So ein Schwachsinn kann nur von einer linken Politikerin kommen. Die SP ist zweifelsohne hauptverantwortlich für die Zerstörung unseres vormals erfolgreichen Bildungssystems. SP-Frau Aeppli hat nichts begriffen. Die SP hat nichts begriffen. Das Land braucht gut ausgebildete Klassenlehrer und keine «Gschpörsch-mi-Pädagogen». Wir müssen unsere Kinder ausbilden und auf das Leben vorbereiten – nicht therapieren!

Aepplis Idee würde übrigens auch bedeuten, dass ein Primarlehrer im Kanton Zürich nicht mehr nur mit dem Bachelor-Abschluss eine Primarklasse unterrichten dürfte. Für den Heilpädagogik-Nonsens wird ein Master benötigt, was drei Semester zusätzliche Ausbildung bedeutet. Stumpfsinn auf der ganzen Linie.

Äusserst bedenklich, ja gar alarmierend, ist insbesondere die Ansicht  von Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Schweizerischen Lehrerverbandes zur Idee von Regine Aeppli. Zemp befürwortet, dass Primarlehrer künftig einen Heilpädagogik-Master absolvieren müssten. Zemp ist massgeblich für die Verakademisierung des Lehrerberufes verantwortlich und gehört nur schon deshalb als Präsident des Lehrerverbandes abgesetzt. Dieser Mann ist eine Gefahr für das Schweizer Bildungswesen!

Ebenso bedenklich ist allerdings auch die politische Sicht auf das bildungspolitische Hirngespinst. Politiker aus der EVP, den Grünen und der CVP haben sich positiv dazu geäussert. Einzige die SVP hält nichts von Heilpädagogen-Primarlehrern und plädiert für die Wiedereinführung der Sonderklassen. Und damit beweist die Partei, dass mittlerweile auch die Bildung zu den Bereichen gehört, wo die SVP als einzige politische Kraft das nötige Realitätsbewusstein an den Tag legt.

Deshalb Augen auf, damit solcher Stumpfsinn nicht auch in anderen Kantonen Schule macht!

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Aeppli-will-alle-Zuercher-Primarlehrer-zu-Heilpaedagogen-machen/story/10953026

Kommentar zur Lehrer-Lehre

Anlässlich des Bildungsparteitages der SVP am 24. März 2012 in Ebnat-Kappel habe ich das folgende Statement abgegeben. Leider scheiterte ich an der 2-Minuten-Hürde für Votanten und musste deshalb on-the-fly massiv kürzen, was mich ziemlich aus dem Konzept warf. Hier nun der ganze Text, es gilt das geschriebene Wort:

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich möchte kurz auf die Lehrer-Lehre eingehen. Ich habe das Konzept mit verschiedenen Lehrpersonen diskutiert. Das Feedback zeigt, dass es einige gute Ansätze hat, jedoch in seiner Gesamtheit durchgefallen ist.

Lehrermangel ist keine Konsequenz aus der Ausbildung. Der heutige Lehrermangel ist nach Aussage von praktizierenden Lehrpersonen eine direkte Konsequenz aus den aktuellen schlechten Rahmenbedingungen, die da sind:

  • Tiefer Lohn, andere Berufsfelder bieten eine bessere Entschädigungen im Vergleich mit den gestellten Anforderungen an die Berufsperson
  • Der Lehrer-Job wirkt noch immer als Sackgasse, da nur beschränkte Aufstiegsmöglichkeiten gegeben sind.
  • Die Mentoren-Tätigkeit wäre zwar ein Karriere-Schritt, ist aber der einzige und stellt deshalb nicht wirklich eine Option dar

In Lehrerkreisen wird übrigens bestritten, dass die PH nur besucht wird, um billig einen akademischen Abschluss zu ergattern. Die Lehrer-spezifischen Aspekte überwiegen doch so stark, dass es einfacher ist, etwas anderes zu studieren. Zudem sei der Anteil Studierender, die auch wirklich Lehrer werden wollen, an den PH’s höher als noch im Semi.

Um dem Lehrermangel entgegenzutreten, muss der Beruf Lehrer wieder attraktiver gestaltet werden. Dabei können folgende Massnahmen helfen, sind das doch Hauptgründe, weshalb viele Lehrer nach nur wenigen Jahren dem Job den Rücken zudrehen:

  • „Unterrichten“ muss wieder den Hauptbestandteil des Berufes ausmachen
  • Das Mitspracherecht der Eltern muss massiv eingeschränkt werden, weniger Elterngespräche und Schluss mit dem Geschrei nach Elternräten. Der Lehrer ist die Fachperson und es nützt nichts, wenn die Eltern ihm ständig in seine Arbeit reinreden.
  • Dem Lehrer muss wieder zu einer Autorität werden
  • Die Schulleitungen müssen ihr Lehrerpersonal z.B. bei Friktionen mit Eltern wieder viel besser unterstützen, statt immer den Eltern nachzugeben
  • Das Ansehen des Lehrerberufes in der Gesellschaft muss gesteigert werden
  • Die Dauerbelastung der Lehrperson muss gesenkt werden. Man hat oft auch an Abenden und an Wochenende keine Ruhe mehr
  • Auch die Entlöhnung muss thematisiert werden. Im Kanton Luzern kann man für Primarlehrer von einem Stundenlohn von 25.- ausgegangen werden. Das ist tief!
  • Stopp von Schulentwicklungs-Projekten und ständigen ideologischen Reformen
  • Schluss mit dem Integrationsansatz von behinderten oder lernschwachen Schülern in Regelklassen. Das lähmt den Schulbetrieb und belastet die Lehrpersonen
  • Schluss mit aufwendigem Bürokratie-Aufwand für die Lehrer, wie von Bundesrat Ueli Maurer angedeutet
  • Schluss mit schlechten SCHILWE-Veranstaltungen (Bastelkurs)

Eine radikale Umstellung des Ausbildungssystems halte ich für nicht nötig. Stattdessen sollen punktuelle Massnahmen auch aus dem Lehrer-Lehre-Papier gefordert werden:

  • Pädagogik ist wichtiger als Fachwissen. Deshalb ist der pädagogischen und didaktischen Ausbildung an den PH’s viel mehr Zeit zu widmen.
  • Diese Lektionen sollen von erfolgreich praktizierenden Volksschullehrer erteilt werden. Wissenschaftliche Aspekte werden von PH-Dozenten ergänzend eingebracht
  • Die praktische Ausbildung an einer PH ist heute um Faktor 10 höher als beim Lehrerseminar. Eine weitere Erhöhung des Praktika-Anteils ist aber trotzdem wünschenswert. Entsprechend sind die Lektionen der „Meta-Theorie“ drastisch zu kürzen oder gegebenenfalls gänzlich zu streichen
  • Es ist die Rückkehr zum Klassenlehrer-Prinzip anzustreben, was für den Schüler die bessere Variante ist, da eine direkte Ansprechperson vorhanden ist und das Kind besser verstanden wird und so besser gefördert werden kann. Das bedingt aber einen höheren Bedarf an Vollzeitlehrern, womit wir dann wieder bei den vorhin erwähnten Rahmenbedingungen wären.

Ich schlage deshalb vor, das Konzept der Lehrer-Lehre zu verwerfen oder zu revidieren und statt dessen konkrete, zielführende, kleinere Massnahmen, in etwa wie ich sie eben zu formulieren versuch habe, zu postulieren.

Es ist gut, richtig und vor allem bitter nötig, dass sich die SVP dem Thema Bildung ernsthaft annimmt. Ich schlage deshalb weiter vor, dass die Partei viel stärker den Kontakt zu amtierenden Lehrpersonen sucht, sie anhört und ihnen das Gefühl vermittelt, dass ihre Probleme in der SVP einen verlässlichen Adressaten finden. Zahlreiche aktive Lehrer haben inzwischen nämlich resigniert, weil sie sich weder von ihrem Verband vertreten fühlen, noch versuchen sie aus eigenem Antrieb gegen das System anzukämpfen, weil sie zu oft verloren und von Schulleitungen und Verbänden im Stich gelassen wurden. Es gibt nämlich sehr viele Lehrer da draussen, die im Grossen und Ganzen unsere Ansichten zur Bildung teilen. Wenn wir all diese Lehrer für uns gewinnen können, haben wir gute Chancen, unsere Bildungs-Ideen durchzusetzen. Die vorgelegte Idee der „Lehrer-Lehre“ ist zu radikal und wird deshalb, auch bei uns positiv gesinnten Lehrpersonen, keine ernst zu nehmende Unterstützung finden. Das von Lehrerkreisen im Kanton Zürich gestellte Manifest zur Lehrerausbildung hingegen würde sofort akzeptiert, weil es nicht eine konkrete und schwierige Umsetzung zu beschreiben versucht, wie das Konzept der „Lehrer-Lehre“, sondern effektive Problemfelder von Lehrpersonen nennt. Deshalb ist der direkte Dialog mit der Lehrerschaft eminent wichtig. Nehmen wir deshalb den Lehrer in den Fokus und helfen ihm, endlich wieder Lehrer zu sein. Es nutzt uns allen.