Mit der Lex Weltwoche gegen die journalistische Meinungsvielfalt

Christoph Mörgeli hat einmal gesagt, es gäbe in der Schweiz nur zwei Parteien: die SVP und die Anderen. Wie recht er damit hatte, zeigen die neussten politischen Verrenkungen rund um das Thema Hildebrand. Die Anderen (FDP, CVP, BDP, GLP, SP und Grüne) nämlich holen nun zum nächsten Schlag gegen die SVP aus. Diesmal veranstalten die „Vereingten Verzweifelten“ ein riesiges Theater rund um die Weltwoche von Roger Köppel und fordern die Offenlegung der Besitzverhältnisse des Wochenblattes. Warum? Weil sich der Journalist Urs Paul Engeler erfrechte, entgegen dem Dogma der restlichen Qualitätsjournaille, die Dollargeschäfte der us-amerikanischen Ehefrau des Nationalratspräsidenten Philipp Hildebrand kritisch zu hinterfragen.

Eines gleich vorweg: das geht die Anderen überhaupt nichts an. Es wird niemand gezwungen, die Weltwoche zu lesen. Es wird auch niemand gezwungen, sie zu kaufen oder zu abonnieren. Selbst davon abgesehen. Man muss nicht die Kontoauszüge und Bilanzen von Köppel untersuchen um herauszufinden, dass der Mann dem rechtsbürgerlichen Lager zugeordnet werden kann. Ich muss selbiges auch nicht tun, um zu erörten, welchen politischen Kreisen die ganz grosse Mehrheit der Journis beim Schweizer Fernsehens angehören, oder die des Tagesanzeigers, oder der BaZ, der WOZ oder … ach egal.

Was also soll der Unfug? Handelt es sich dabei um gemeinsame Frustbewältigung? Vielleicht. CVP-Chef Christoph Darbellay will in der Schweiz „keine Berlusconi-Verhältnisse unter der Obhut von Alt-Bundesrat Christoph Blocher“. Unter der Obhut von jemand anders aber wäre das wohl kein Problem für den plapprigen Walliser, nicht wahr?

Ich aber glaube, es handelt sich nicht um Frustbewältigung. Nein, es handelt sich um pure Angst. Man hat Angst, weil man vermutet, jeder SVP-Wähler habe die Weltwoche abonniert. Und weil das so viele sind, ist es gefährlich, wenn die Wähler der grössten Partei alle eine Zeitung lesen, die nicht den weichgekochten Einheitsbrei der anderen Zeitungen wiederkäut. Diese Situation sei „unhaltbar“, meint SP-Präsident Levrat. Ja, Meinungsvielfalt ist eine Gefahr für die FDP, die CVP, die BDP, die SP und für die Grünen und ihre Liberalen.

Wenn jemand Kraft der Worte einen SVP-Kandidaten aus dem Bundesratsrennen schmeisst, wird er zum „Journalisten des Jahres“ gewählt. Textet man aber gegen den medialen Mainstream, will man dem Chef an die Wäsche.