The Tages-Show must not go on

Weil Moderatorin Cornelia Bösch während der Hauptausgabe der Tagesschau auf SRF vom 25. Januar 2015 wegen Fieber kollabierte, wurde die Sendung kurzerhand abgebrochen. Zwar verkündete der ebenfalls im Studio anwesende Sascha Ruefer noch die Sportmeldungen des Tages – doch dann beendete er die Sendung auf Befehl des Produzenten mit der Mitteilung, dass Cornelia Bösch krank geworden sei und nicht mehr weitermachen könne. Stattdessen zeigte uns SRF während der restlichen Sendezeit der Tageschau Landschaftsbilder.

Mir stellte sich schnell die Frage, weshalb der anwesende Sascha Ruefer nicht kurzerhand einsprang und durch die restliche Sendung führte. Die Moderationstexte sind ja alle vorbereitet und können vom Teleprompter abgelesen werden. Urs Leuthard, Chef der Tagesschau, begründet dies so:

Die Crew musste innert kürzester Zeit entscheiden, wie es weitergeht. Man brach die Sendung ab, weil die Gesundheit von Cornelia Boesch Priorität hatte.

Dass man sich kümmert, darf wohl erwartet werden. Aber musste sich die ganze Crew kümmern? Und musste man sich nicht kümmern, als Sascha noch die Sportmeldungen präsentierte?

Ruefer übrigens hätte es sich zugetraut, in die Lücke zu springen, weiss Blick zu berichten:

Natürlich hätte ich die Sendung zu Ende bringen können. Womöglich auch noch fehlerlos gut.

Das denke ich auch. Das würde ich von einem Medien-Profi ehrlich gesagt auch erwarten. Es kam aber nicht dazu. Der Produzent wollte nicht, das sSascha Ruefer ein «Kapitelchen TV-Geschichte» schreibt und zog den Stecker. Der Sportmoderator kommentiert diese Entscheidung als korrekt:

Man hätte mir auf die Schulter geklopft und mich zum TV-Helden gemacht… Menschlich aber wär ich ’n Arsch gewesen.

Schulterklopfen hätte er sicher bekommen. Auch nicht unverdient, wenn er es nicht total vermasselt hätte. Die Sache mit dem Helden lassen wir mal. Auf jeden Fall aber wäre die Weiterführung der Sendung professionell gewesen. Und zwar die Art Professionalität, die man von einem nationalen Medienunternehmen wie der SRG erwartet. Mit «Arsch» hat das gar nichts zu tun.