Jetzt muss die SRG die Zahlen offenlegen

Nach der hauchdünnen Annahme der Revision des Radio- und TV-Gesetzes dürfen SRG sowie die privaten Sender aufatmen. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger erhalten ein kleines Zückerchen in Form einer reduzierten Gebühr.

Dass wir durch die Annahme der Revision nun faktisch eine Mediensteuer eingeführt haben, welche auf diesem Wege verfassungswidrig zustande kam, spielt aktuell keine Rolle mehr. Das Volk hat gesprochen. Aber da die SRG nun massgeblich durch Steuern finanziert wird, will ich wissen, was mit meinem Steuergeld geschieht. Die SRG muss nun ihre Zahlen detailliert offenlegen. Ich will wissen, was eigen produzierte Sendungen kosten, ich will wissen, wieviel Geld für Übertragungsrechte ausgegeben wird und ich will wissen, mit wie viel eingekaufte Filme und Serien zu Buche schlagen. Und ich will wissen, was Themenwochen wie aktuell «SRFbewegt» oder dieses unsägliche «Jeder Rappen zählt» kosten.

Das finanzielle Versteckspiel ist aus. Durch die Einführung der Mediensteuer durch die Hintertür hat die SRG keinerlei Legitimation mehr, die Zahlen unter Verschluss zu halten.

The Tages-Show must not go on

Weil Moderatorin Cornelia Bösch während der Hauptausgabe der Tagesschau auf SRF vom 25. Januar 2015 wegen Fieber kollabierte, wurde die Sendung kurzerhand abgebrochen. Zwar verkündete der ebenfalls im Studio anwesende Sascha Ruefer noch die Sportmeldungen des Tages – doch dann beendete er die Sendung auf Befehl des Produzenten mit der Mitteilung, dass Cornelia Bösch krank geworden sei und nicht mehr weitermachen könne. Stattdessen zeigte uns SRF während der restlichen Sendezeit der Tageschau Landschaftsbilder.

Mir stellte sich schnell die Frage, weshalb der anwesende Sascha Ruefer nicht kurzerhand einsprang und durch die restliche Sendung führte. Die Moderationstexte sind ja alle vorbereitet und können vom Teleprompter abgelesen werden. Urs Leuthard, Chef der Tagesschau, begründet dies so:

Die Crew musste innert kürzester Zeit entscheiden, wie es weitergeht. Man brach die Sendung ab, weil die Gesundheit von Cornelia Boesch Priorität hatte.

Dass man sich kümmert, darf wohl erwartet werden. Aber musste sich die ganze Crew kümmern? Und musste man sich nicht kümmern, als Sascha noch die Sportmeldungen präsentierte?

Ruefer übrigens hätte es sich zugetraut, in die Lücke zu springen, weiss Blick zu berichten:

Natürlich hätte ich die Sendung zu Ende bringen können. Womöglich auch noch fehlerlos gut.

Das denke ich auch. Das würde ich von einem Medien-Profi ehrlich gesagt auch erwarten. Es kam aber nicht dazu. Der Produzent wollte nicht, das sSascha Ruefer ein «Kapitelchen TV-Geschichte» schreibt und zog den Stecker. Der Sportmoderator kommentiert diese Entscheidung als korrekt:

Man hätte mir auf die Schulter geklopft und mich zum TV-Helden gemacht… Menschlich aber wär ich ’n Arsch gewesen.

Schulterklopfen hätte er sicher bekommen. Auch nicht unverdient, wenn er es nicht total vermasselt hätte. Die Sache mit dem Helden lassen wir mal. Auf jeden Fall aber wäre die Weiterführung der Sendung professionell gewesen. Und zwar die Art Professionalität, die man von einem nationalen Medienunternehmen wie der SRG erwartet. Mit «Arsch» hat das gar nichts zu tun.

Schawinski darf weiterhin Gäste beleidigen

Manchmal ist es wirklich äusserst schwierig, die Haltung vom Schweizer Fernsehen zu verstehen. Nachdem Roger Schawinski in seiner Talksendung den Satiriker Andreas Thiel während einer halben Stunde lang pausenlos beleidigt und ihn als dumm und unfähig beschimpft hatte, hat der streitbare Moderator von der SRF-Führung nichts zu befürchten. In den sozialen Medien wird nach dem Eklat mit Thiel auf breiter Front die Absetzung von Schawinski gefordert. Auf die Frage von 20min, ob Schawinski noch tragbar sei, antwortete SRF-Chefredaktor Tristan Brenn:

Selbstverständlich. Auch ich bedaure den Verlauf der Sendung, so wie Roger Schawinski dies auch tut. Daraus eine Grundsatzfrage zu machen, halte ich für nicht angebracht.

Quelle

Wenn etwas nicht angebracht ist, dann ist es definitiv Roger Schawinski. Eine Talk-Sendung mit einem selbstverliebten Wackel-Dackel als Moderator, der zum einen seine Gäste permanent unterbricht, ihnen allerlei miserabel recherchierten Schlötterlig vorwirft und wenn sie versuchen, Stellung beziehen und die Sache aus ihrem Blickwinkel zu erklären, er sie aber wiederum nicht ausreden lässt, ist nicht tragbar. Die befremdliche und respektlose Art, wie Schawinski mit seinen Gästen umgeht, war schon vor dem Desaster mit Andreas Thiel unter aller Sau.

SRF mutet den Zuschauern also einen Moderator zu, der seine Gäste weder respektiert, noch auf sie eingeht und – was dem Format einer Talkshow ja komplett widerspricht – sie noch weniger ausreden lässt. Auf der anderen Seite hat man auf Wunsch (oder Betteln) der profillosen Mitteparteien die einst unterhaltsame und knackige Arena in eine langweilige Weichspühl-Brabbelei verwandelt.

Schawinski lässt man also weiterhin mit seiner unflätigen Abart auf die Öffentlichkeit los. Politiker lässt man aber in einer Debattiersendung nicht kontrovers und hart debattieren. Nicht nachvollziehbar. Die SRG hat ein ernstes Problem  in der journalistischen Führung.

Ein Gutes hat Schawinskis Demonstration seines wahren Ichs jedoch. Für die Billag-Abschaffung dürften dieser Tage sehr viele Unterschriften zusammenkommen.

Der Gap zwischen DeWeck und der Realität

In der Ankündigung für den Club vom 28. Oktober 2014 auf SRF1 zum Thema «Service public» wird Generaldirektor Roger DeWeck folgendermassen zitiert:

Kommerzielles Fernsehen ist fast immer Boulevard-Fernsehen. Denn Boulevard ist ein ökonomisches Prinzip: Wer mit minimalem Aufwand die maximale Zuschauerzahl erreichen will, der macht Boulevard. Ganz anders das «Service public-Prinzip»: «Der Service public» bringt nicht nur das Interessante, das beim breiten Publikum „zieht“, sondern auch das Relevante, das journalistisch attraktiv aufbereitet und dadurch interessant wird.

Kommerz-Fernsehen und Boulevard gleich zu setzen, mag stimmen. Auch seiner Beschreibung des «Service public-Prinzips» mag ich noch folgen. Mir stellt sich aber die Frage: Warum macht denn das SRF keinen «Service public» gemäss deweckscher Definition?

Die privaten Kommerzsender kritisieren, gleichzeitig aber kauft man dieselben abgelutschten TV-Konzepte wie für «The Voice», «Die grössten Schweizer Talente» oder «Mini Beiz – dini Beiz» ein. Und Relevantes, welches journalistisch attraktiv aufbereitet wird, kann ich auch nicht viel entdecken. Doch selbst wenn solches vorhanden wäre, muss man es ja auch noch über den Sender bringen. Technische Probleme wie kurze Tonausfälle, schlechtes Timing, fehlerhafte Einspieler, etc. sind bei SRF allerdings merklich häufiger als bei den kommerzgetriebenen Privatsendern aus dem grossen Kanton.

Zwischen den blumig formulierten Vorstellungen von Herrn DeWeck und der tatsächlichen Realität auf dem Sender klafft eine gewaltige Lücke.

Jonas Projer, bitte bringen Sie mir die alte, fetzige Arena zurück

Jonas Projers Einstand als Arena-Moderator kam etwas holprig daher. Und er konnte dem Geschehen auch nicht ganz folgen. So vergass er mehrmals, weshalb sich jetzt einer unbedingt zu Wort gemeldet hatte. Dadurch, dass er es aber sofort zugab und nachfragte, hangelte er sich sympatisch aus der Angelegenheit. Und Projer hatte ja bis anhin keine Erfahrung als Moderator. Da ist eine Arena schon ein anderes Kaliber als eine von A bis Z durchgeplante Schickimicki-Aufzeichnung wie Glanz und Gloria.

Überstrukturiert

Wobei … von A bis Z durchplanen wollte man auch die Arena. Man nennt das dann «strukturieren». Die Redaktion teilt das Thema in mehrere Unterthemen auf und will diese jeweils für sich geschlossen diskutieren lassen. Doch bis heute haben sie nicht begriffen, dass dies einfach nicht funktioniert. Man kann die Politiker im Ring nicht in ein derart starres Korsett zwängen. Tut man es trotzdem, wird die Sendung sofort langweilig. Der Moderator muss nach jedem zweiten Satz unterbrechen und darauf hinweisen, dass dieses Thema noch komme. Der Diskussionsfluss wird unterbrochen, noch bevor er beginnt.

Die Abstimmungsarena vom 29.08.2014 legte bezüglich Überstrukturierung aber noch einen drauf. Es genügte nicht, die Sendung in drei Unterbereiche aufzuteilen, was bereits nach den ersten paar Minuten zu Friktionen führte. Nein, das dritte Thema wurde nochmals in drei Bereiche unterteilt. Spätestens da war alles verloren. So kann es nicht funktionieren.

Eine politische Diskussion ist dynamisch. Natürlich, eine gewisse Struktur kann manchmal nötig sein. Daran aber um jeden Preis festzuhalten, tötet die Diskussion und damit die Sendung. Der Moderator muss erkennen können, wann die Verteidigung der theoretischen Struktur noch Sinn macht und wann er sich dieser Zwangsjacke entledigen sollte.

Mein Rat an Jonas Projer: Weniger Struktur!

Fokus auf den Ring

Positiv aufgefallen ist mir jedoch, dass Projer die zweite Reihe weniger integrierte als seine beiden Vorgänger Hasler und Wiedmer. Der Fokus der Arena muss zwingend im zentralen Ring liegen. Hasler und Wiedmer haben es mit ihrer zweiten Reihe jeweils mächtig übertrieben und so zusätzlich zur Zerstörung der Diskussion beigetragen.

Auch die Statements der Experten hat Projer aus meiner Optik gut quantifiziert. Obwohl Eichenberger viel zu wenig zu Wort kam … aber das ist bei ihm immer so.

Mein Rat an Jonas Projer: Noch weniger zweite Reihe, mehr innerer Ring.

Der Zuschauer weiss Bescheid

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Redaktion der Arena das Gefühl hat, die Zuschauer wissen gar nicht, um was es überhaupt geht. Deshalb werden am Beginn der Sendung erklärende Filmchen eingespielt und es wird jedes dritte Fremdwort erklärt. Die Arena-Redaktoren scheinen ihr Publikum tatsächlich nicht zu kennen. Ich gehe davon aus, dass die allermeisten Zuschauerinnen und Zuschauer der Arena das jeweilige Thema gut genug kennen, um der Diskussion folgen zu können. Zumindest aber dürften sich die meisten mit der Materie besser auskennen, als die Redaktoren.

Projer kam für mich als Moderator auch deshalb sympatisch rüber, weil er sich zurückgehalten hat. Von Interesse sind keine langen Monologe, Erklärungen und theatralische Überleitungen vom Moderator. Von Interesse sind die Fights, Argumente und Ansichten der Diskussionsteilnehmer. Der Moderator muss übrigens auch nicht witzig sein. Er hat eine einzige Aufgabe: Moderieren. Das machte Projer gar nicht mal so schlecht.

Mein Rat an Jonas Projer: Mehr Diskussion, weniger schulmeisterliche Erklärungen.

Unterhaltung

Und zum Schluss noch dies: Die Arena ist keine steife Sendung. Die Arena soll nicht nur informieren, sie soll auch unterhalten. So gehört es auch zur Unterhaltung, dass sich zwei Politiker verbal mal eins auf die Mütze geben. Lasst sie das tun. Ich habe als Teenie schon Arena geschaut, ohne mich wirklich mit den Themen auszukennen. Aber mir hat damals gefallen, was ich gesehen habe. Die Arena war massgeblich an meiner Politisierung beteiligt. Blocher gegen Bodenmann. Läck, das waren Duelle.

Mein Rat an Jonas Projer: Wenn zwei sich richtig streiten, freut sich der Zuschauer.

Die Institution Arena

In einem Interview las ich von Projer, dass er die Arena als Institution bezeichnete. Zumindest war sie das einmal. Doch spätestens seit den Moderatoren Wiedmer und Hasler ist sie das nicht mehr. Die beiden, zusammen mit den restlichen Redaktoren, haben die ursprüngliche, institutionelle und kultige Arena am Sack aufgehängt und ausbluten lassen. Was heute über den Sender geht, ist nur noch ein schlabbriger Hautfetzen der früheren Arena.

Mein Wunsch an Jonas Projer, dem künftigen Redaktionsleiter der Arena: Bringen Sie mir bitte die alte, fetzige, interessante und kultige Arena wieder zurück.