TV-Kritik: 50 Jahre Rundschau

Das Polit-Magazin «Rundschau» feiert sein 50jähriges Jubiläum. Nicht viele TV-Formate halten so lange durch. Ein Grund zum Feiern. Selbstverständlich. Und im Fernsehen tut man dies in der Regel mit einer Sondersendung.

Schwarz-Weiss

Früher wurde in der Sendung geraucht und getrunken. Früher wurden TV-Bilder auch in Schwarz-Weiss ausgestrahlt. Dass nun aber die gesamte Begleitmoderation der Sondersendung in ebendiesem Farbsetting ausgestrahlt werden musste, entbehrt jedem guten Geschmack. Ein Griff in die gestalterische Mottenkiste. Einfallslos, langweilig, eintönig und schlichtweg för d’Föchs! Wie gern hätte ich das alte Dekor mal in Farbe gesehen und den alten Geschichten von früher gelauscht. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich dieses Dekor in seiner Zeit gar nie gesehen habe.

Seltsame Themenwahl

Auch nicht gekannt habe ich einige der gezeigten Ausschnitte aus vergangenen Reportagen. Wie auch, bin ja noch keine 50. Aber merkwürdig fand ich die Auswahl der gezeigten Themen schon. Das kann doch unmöglich das interessanteste und brisanteste aus 50 Jahren gewesen sein. Da habe ich etwas mehr erwartet. Auch ein umfangreicherer Blick hinter die Kulissen, hinter die Geschichten hätte interessiert. Aber auch der witzige Zusammenschnitt am Schluss gab eigentlich gar nichts her. Alles wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Lachen oder Schmunzeln konnte ich nie. Zu scharfer Schnitt.

Schade. Vielleicht muss man aber einfach akzeptieren, dass die Macher der «Rundschau» mehr von Journalismus verstehen als von Jubiläumssendungen. Denn diese Jubiläumssendung war für die Tiefen des Fernseh-Archivs. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Produktion nicht so viel gekostet hat und, wie Sandro Brotz so süffisant bemerkte, dass beim SRF heute viel sorgfältiger mit dem Gebührengeld umgegangen wird.

TV-Kritik: Private Banking

Die Story hat ganz gut angefangen. Die Tochter eines im Sterben liegenden Privatbankiers setzt sich für dessen Lebenswerk, seine Privatbank ein. Dies, obwohl sie nichts mit Banken zu tun hat und eine alternative und drogenversiffte Vergangenheit hat.

Sie schmeisst ihren Halbbruder aus der Geschäftsleitung, will das Portfolio der Bank von unsauberem Geld befreien. Es gibt familiäre Verstrickungen. Am Schluss kommt heraus, dass ihr Vater eine riesengrosse Sauerei in Sachen Geldwäscherei angerichtet hat.

Aufgedeckt hat sie das zusammen mit einer Compliance-Mitarbeiterin der Bank, die durch eine fiese Masche während ihrer Arbeit rausgeworfen wurde. Sie vertraut der Tochter. Die Tochter vertraut ihr.

Dann dreht Caro durch. Sie wirft einem südamerikanischen Bank-Grosskunden alle seine unsauberen Machenschaften während seiner Geburtstagsparty an den Kopf. Ab jetzt beginnt die Story zu schwächeln. Caro dreht durch, spült Bargeld ie Toilette runter. Sie ist deprimiert und beginnt wieder, Drogen zu fressen. Die freigestellte Compliance-Mitarbeiterin aber glaubt noch immer an sie. Der Zuschauer auch. Man hofft auf einen grandiosen Showdown.

Ihr sterbenskranker Vater erwacht aus dem Koma. Er hat kaum genügend Kraft, um zu sprechen. Weil Caro aber so sauer ist, prügelt sie mehrmals mit den Fäusten auf seine Birne ein. Der Sterbenskranke steckt das ohne weiteres weg. Jetzt ist die Story unglaubwürdig. Komplett. Und am Schluss führt die Tochter die Bank als Arschloch weiter. Wieso, bleibt unerklärt.

Mit dem letzten Viertel des TV-Zweiteilers haben die Macher das ganze Ding versenkt.

TV-Kritik: Wilder

Nehmen wir das Fazit gleich vorweg: Die Krimiserie «Wilder» hat gefallen. Klar, das Tempo war ab und zu etwas zähflüssig. Aber wenn man sich «Fargo» als Inspiration ausgesucht hat, verwundert das nicht. Auch dort war man oft mit angezogener Handbremse unterwegs. Ein Grund, weshalb ich es dann doch nicht geschafft habe, die ganzen drei Staffeln auf Netflix durchzustehen.

Gute Story

Gefallen hat bei «Wilder» unter anderem die Story. Es wurden viele Handlungsstränge aufgezeigt, zu Beginn viele Fragen aufgeworfen. Bis zum Schluss wurde aber alles geklärt und die Auflösung des Mordes sowie die Sache mit den toten Kindern war am Schluss sogar überraschend und nicht vorhersehbar. Die Spannung blieb während allen sechs Folgen aufrecht und flaute nie wirklich ab.

Action überzeugte nicht

Zwar habe ich nie verstanden, weshalb Beatrice Räber immer wieder als Hippie-Gschpänschtli durch die Szenerie schlich. Die Figur war unnötig, tat der Dramaturgie aber keinen Schaden. Einzig bei den wenigen Action-Szenen, etwa beim Fluchtversuch von Bodyguard Rashad Rahmani, überzeugten die Macher nicht. Die Szenen waren nicht gut gedreht, die Schauspieler wirkten dabei unbeholfen. Da war sogar das Intro für die «SportsAwards» besser.

Herrvorragende Schauspieler

Dafür haben die Schauspieler ihre Arbeit ansonsten aber sehr gut gemacht. Die mir bislang unbekannte Sarah Spale war mir von Anfang an sympathisch. Und auch der bislang meist als Fiesling auftretende Andreas Matti lieferte hervorragende Arbeit ab. Besonders zu erwähnen gilt am Beispiel von Sarah Spale, wie sie die Sache mit dem berndeutschen Dialekt hingekriegt hat. So konnte ich lediglich in der finalen Folge einmal einen kurzen Ausrutscher hören. Ganz im Gegensatz zu László I. Kish. Seine mundartliche Darbietung war leider nix.

Fortsetzung? Ja, gerne

Alles in allem aber hat das Projekt wirklich gefallen. Fraglich ist vielleicht, ob es wirklich eine sechsteilige Serie hat sein müssen. Die Geschichte hätte ganz sicher auch in einem Zweiteiler in Spielfilmlänge erzählt werden können.

Nichts desto trotz würde ich gerne eine Fortsetzung sehen. Sie müsste nicht in Oberwies spielen und sie müsste auch nicht im Winter angesetzt werden. Mein Vorschlag wäre, Rosa Wilder während ihrer Ausbildung in den Staaten einen Fall mit Bezug zur Schweiz lösen zu lassen, damit auch Kägi wieder mitmischen kann.

TV-Kritik: Sportsawards

Gerne mal wieder versucht man sich im Leutschenbach an der Realisation einer grossen Show. Tage, ja Wochen zuvor wird der Zuschauer mit dem entsprechenden Trailer penetriert. Und dann beginnt die Show auch vermeintlich fulminant. Sandra Studer singt und tanzt sich durch den Eingang bis ins Studio. Nur die A capella Band vermag nicht zu überzeugen. Und natürlich auch Rainer Salzgeber als Sänger nicht. Doch es war als Gag geplant. Von dem her kann man das so lassen. Schlimm jedoch war, dass die slapstikähnlichen Action-Szenen mit Sandras Studer tatsächlich besser umgesetzt waren als bei der Krimi-Serie «Wilder».

Kafischwache Musikdarbietungen

Bezüglich musikalischer Untermalung ist Sandra aber das einzige Highlight. Es folgen verschiedene musikalische Auftritte, eine schlechter als die andere. Der negative Höhepunkt aber bildete die ehemalige französische Präsidentengattin Carla Bruni. Noch nie habe ich jemanden in der Öffentlichkeit gehört, der die schönen ABBA-Melodien derart verhunzt hat, wie sie. Eine einzige Null-Nummer.

Gemeinsames Fernsehen

All die anwesenden Sportlerinnen und Sportler im Studio können einem nur leidtun, dass sie sich das alles anhören mussten. Noch dazu, dass sie sich für den Anlass alle in Edelzwirn geworfen haben. Aber wozu? Mehr als zwei Drittel der Show bestanden aus Einspielern. Nicht einmal mit den Nominierten wurden Gespräche geführt, obwohl zwei Moderatoren durch die Show führen. Mehr als kollektives Fernsehschauen der Anwesenden war das nicht.

Während das SRF bei seinen Sportsendungen ansonsten eine gute Figur macht, hat es bei den Sportsawards auf der ganzen Linie versagt.

TV-Kritik: Arena vom 17.11.2017

Am 17. November 2017 thematisierte die Arena von SRF1 das Thema Steuervermeidung im internationalen Rohstoffhandel. Das Teilnehmer-Setup links gegen rechts hätte vielleicht eine lebhafte Debatte versprechen können. Leider kam es anders.

Zwar sorgten die teilweise wirren und irren Äusserungen von alt Nationalrat Jean Ziegler für viel Zündstoff. Wildes Durcheinanderreden war die Folge. Doch hier will ich gar nicht auf Ziegler eingehen. Es wurde viel geredet, aber niemand konnte seinen Standpunkt wirklich darlegen. Entweder wurde man von einem der Teilnehmer unterbrochen oder Jonas Projer fiel ins Wort. Eine Unsitte, die sich seit ein paar Arenen immer wieder und nach meinem Empfinden immer mehr zeigt.

Wenn sich die Teilnehmer gegenseitig unterbrechen, kann das eine Zeit lang okay sein. Es kann sogar Teil einer Debattier-Kultur sein – wenn man damit umgehen kann. Überhand nehmen darf es jedoch nicht. Die Arena vom 17.11. jedoch war mal wieder so eine, in der sich die Diskutanten zu viel ins Wort fielen. Hier muss der Moderator eingreifen. Projer versucht das jeweils, doch leider schiebt er hier falschen Anstand vor Durchsetzungsvermögen. Denn mit dem steten Herunterbeten des Titels, des Namens und des Wohnkantons des angesprochenen Politikers erreicht der Moderator keine Stille, sondern noch mehr Konfusion beim Zuschauer. Eine klare Zuweisung des Wortes muss hier genügen. Anständig sicher, aber auch kurz und unmissverständlich.

Auf Twitter äusserte sich Ruedi Noser, selber mit von der Partie bei besagter Sendung, ebenfalls zum Thema:

Und Noser hat recht. Denn neben vier Personen in der Hauptrunde musste Jonas Projer noch zwei weitere Teilnehmer am Expertentischchen (die im übrigens nichts Sinnvolles beitrugen) sowie zwei Zuschauer einbinden. Viel zu viel. So kann keine Diskussion stattfinden. Neben Noser auf Twitter hat sich auch Thomas Matter in der Sendung selber über zu wenig Redezeit und zu viel Unterbruch beschwert. Auch Jacqueline Badran hämmerte mehrmals auf ihr Pult, weil man ihr zu oft ins Wort fiel oder selbiges entzog.

Weniger ist mehr, heisst das Motto. Bei diesem Setup hätte man getrost auf weitere Votanten verzichten können. Es war vorhersehbar, dass die eingeladenen Hauptakteure genügend Stoff für eine 70-minütige Sendung liefern würden.