Tendenziöser Dok entlarvt einmal mehr die politische Einstellung des Schweizer Fernsehens

Darf man die direkte Volksdemokratie der Schweiz in Frage stellen? Und erst noch als Schweizer Bürger? Klar darf man das. Man darf alles kritisch hinterfragen. Das ermöglicht Weiterentwicklung oder die Bestätigung des Bewährten.

Karin Bauer hat sich als Dokumentarfilmerin bei SRF an diese Frage nach der direkten Demokratie gewagt. Doch ihr Film «Die Macht des Volkes» geht nur scheinbar dieser Frage nach. In Tat und Wahrheit hinterfragt Bauer nicht die Volksdemokratie, sondern bloss die Positionen der SVP. Titel und Inhalt des Films decken sich nicht.

Unlautere Mittel

Die SVP zu kritisieren ist selbstverständlich erlaubt. Doch Karin Bauer bedient sich dabei unlauteren Mitteln. So werden Vertreter der SVP, allen voran der Zürcher Nationalrat Alfred Heer, mehrmals in unvorteilhaften Situationen gezeigt, während die Gegenseite nie mit kritischen Fragen konfrontiert wird.

Das alleine wäre schon skandalös genug. Doch im Film werden SVP-Initiativen mehrfach einseitig qualifiziert, ohne der SVP die Möglichkeit einzuräumen, diese Qualifikationen zu kommentieren. Bauer sagt, dass die Anti-Minarett-Initiative die Religionsfreiheit ritzt. Bauer stellt unkommentiert in den Raum, dass Ausschaffungsinitiative die Menschenrechte und die Masseneinwanderungsinitiative die Personenfreizügigkeit verletzen. Sie formuliert ihre persönlichen Ansichten, lässt diese von gewissen Protagonisten bestätigen und pfeift auf die Sicht der Initianten. Bei ihnen ist sie darauf konzentriert, sie möglichst negativ darzustellen. Bauer weiss ganz genau um die Macht der Bildsprache.

Grundsätzlich darf Bauer das. Als Privatperson. Getan hat sie es allerdings als Angestellte des Schweizer Fernsehens, finanziert durch Gebührengelder. Und offensichtlich steht in den publizistischen Leitlinien von SRF, dass es genehm ist, politisch Stellung zu beziehen und die persönliche Meinung einer Journalistin prominent zu verbreiten. Sehr fragwürdig, wie ich finde.

SRF mit 50 Mann am Openair Frauenfeld

Die im Rahmen des RTVG-Referendums gestartete und von allen Parteien geforderte Diskussion rund um den Service Public beim SRF tut nun definitiv Not.

Zwischen dem 9. Und dem 11. Juli 2015 findet das Openair Frauenfeld statt. Für Radio und Fernsehen SRF ist das Grund genug, rund 50 Personen an die Partyzone zu schicken. Der gebührenfinanzierte Sender realisiert eine 23-stündige Livesendung auf Radio SRF3, eine 90-minütige Fernsehsendung sowie üppige Online-Inhalte und Livestreams.

23 Stunden Hip-Hop-Gestampfe auf dem Gebührensender, obwohl man via http://www.openair-frauenfeld.ch/ direkt auf einem Live-Stream landet. Ja, es gibt bereits einen Live-Stream. Aber SRF muss selber auch noch einen betreiben. Wozu?

Die paar Online-Beiträge unter dem Label «Festivalsommer» schmerzen nicht, denn dafür braucht es keine 50 Mitarbeiter. Hinterfragen darf man diese Online-Berichterstattung allerdings trotzdem. Schaut man sich an, was beispielsweise auf Twitter unter dem offiziellen Hashtag #srffestival so läuft, scheint das Interesse der Online-Community unterirdisch zu sein. #festivalsommer2015 sieht übrigens noch düsterer aus.

Und was ist mit der anderhalbstündigen Fernsehsendung? Naja, einen Konzertzusammenschnitt mit den Highlights – warum nicht? Aber auch dazu braucht es keine 50 Nasen!

Das Angebot, was SRF da produziert, scheint kaum auf Interesse zu stossen. Aber dennoch fährt ein Tross von 50 Leutschenbachern los. Gebührenverschwendung, wie sie besser nicht demonstriert werden könnte.

Remember: www.nobillag.ch sucht noch Unterzeichner.

Jetzt muss die SRG die Zahlen offenlegen

Nach der hauchdünnen Annahme der Revision des Radio- und TV-Gesetzes dürfen SRG sowie die privaten Sender aufatmen. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger erhalten ein kleines Zückerchen in Form einer reduzierten Gebühr.

Dass wir durch die Annahme der Revision nun faktisch eine Mediensteuer eingeführt haben, welche auf diesem Wege verfassungswidrig zustande kam, spielt aktuell keine Rolle mehr. Das Volk hat gesprochen. Aber da die SRG nun massgeblich durch Steuern finanziert wird, will ich wissen, was mit meinem Steuergeld geschieht. Die SRG muss nun ihre Zahlen detailliert offenlegen. Ich will wissen, was eigen produzierte Sendungen kosten, ich will wissen, wieviel Geld für Übertragungsrechte ausgegeben wird und ich will wissen, mit wie viel eingekaufte Filme und Serien zu Buche schlagen. Und ich will wissen, was Themenwochen wie aktuell «SRFbewegt» oder dieses unsägliche «Jeder Rappen zählt» kosten.

Das finanzielle Versteckspiel ist aus. Durch die Einführung der Mediensteuer durch die Hintertür hat die SRG keinerlei Legitimation mehr, die Zahlen unter Verschluss zu halten.

The Tages-Show must not go on

Weil Moderatorin Cornelia Bösch während der Hauptausgabe der Tagesschau auf SRF vom 25. Januar 2015 wegen Fieber kollabierte, wurde die Sendung kurzerhand abgebrochen. Zwar verkündete der ebenfalls im Studio anwesende Sascha Ruefer noch die Sportmeldungen des Tages – doch dann beendete er die Sendung auf Befehl des Produzenten mit der Mitteilung, dass Cornelia Bösch krank geworden sei und nicht mehr weitermachen könne. Stattdessen zeigte uns SRF während der restlichen Sendezeit der Tageschau Landschaftsbilder.

Mir stellte sich schnell die Frage, weshalb der anwesende Sascha Ruefer nicht kurzerhand einsprang und durch die restliche Sendung führte. Die Moderationstexte sind ja alle vorbereitet und können vom Teleprompter abgelesen werden. Urs Leuthard, Chef der Tagesschau, begründet dies so:

Die Crew musste innert kürzester Zeit entscheiden, wie es weitergeht. Man brach die Sendung ab, weil die Gesundheit von Cornelia Boesch Priorität hatte.

Dass man sich kümmert, darf wohl erwartet werden. Aber musste sich die ganze Crew kümmern? Und musste man sich nicht kümmern, als Sascha noch die Sportmeldungen präsentierte?

Ruefer übrigens hätte es sich zugetraut, in die Lücke zu springen, weiss Blick zu berichten:

Natürlich hätte ich die Sendung zu Ende bringen können. Womöglich auch noch fehlerlos gut.

Das denke ich auch. Das würde ich von einem Medien-Profi ehrlich gesagt auch erwarten. Es kam aber nicht dazu. Der Produzent wollte nicht, das sSascha Ruefer ein «Kapitelchen TV-Geschichte» schreibt und zog den Stecker. Der Sportmoderator kommentiert diese Entscheidung als korrekt:

Man hätte mir auf die Schulter geklopft und mich zum TV-Helden gemacht… Menschlich aber wär ich ’n Arsch gewesen.

Schulterklopfen hätte er sicher bekommen. Auch nicht unverdient, wenn er es nicht total vermasselt hätte. Die Sache mit dem Helden lassen wir mal. Auf jeden Fall aber wäre die Weiterführung der Sendung professionell gewesen. Und zwar die Art Professionalität, die man von einem nationalen Medienunternehmen wie der SRG erwartet. Mit «Arsch» hat das gar nichts zu tun.

Schawinski darf weiterhin Gäste beleidigen

Manchmal ist es wirklich äusserst schwierig, die Haltung vom Schweizer Fernsehen zu verstehen. Nachdem Roger Schawinski in seiner Talksendung den Satiriker Andreas Thiel während einer halben Stunde lang pausenlos beleidigt und ihn als dumm und unfähig beschimpft hatte, hat der streitbare Moderator von der SRF-Führung nichts zu befürchten. In den sozialen Medien wird nach dem Eklat mit Thiel auf breiter Front die Absetzung von Schawinski gefordert. Auf die Frage von 20min, ob Schawinski noch tragbar sei, antwortete SRF-Chefredaktor Tristan Brenn:

Selbstverständlich. Auch ich bedaure den Verlauf der Sendung, so wie Roger Schawinski dies auch tut. Daraus eine Grundsatzfrage zu machen, halte ich für nicht angebracht.

Quelle

Wenn etwas nicht angebracht ist, dann ist es definitiv Roger Schawinski. Eine Talk-Sendung mit einem selbstverliebten Wackel-Dackel als Moderator, der zum einen seine Gäste permanent unterbricht, ihnen allerlei miserabel recherchierten Schlötterlig vorwirft und wenn sie versuchen, Stellung beziehen und die Sache aus ihrem Blickwinkel zu erklären, er sie aber wiederum nicht ausreden lässt, ist nicht tragbar. Die befremdliche und respektlose Art, wie Schawinski mit seinen Gästen umgeht, war schon vor dem Desaster mit Andreas Thiel unter aller Sau.

SRF mutet den Zuschauern also einen Moderator zu, der seine Gäste weder respektiert, noch auf sie eingeht und – was dem Format einer Talkshow ja komplett widerspricht – sie noch weniger ausreden lässt. Auf der anderen Seite hat man auf Wunsch (oder Betteln) der profillosen Mitteparteien die einst unterhaltsame und knackige Arena in eine langweilige Weichspühl-Brabbelei verwandelt.

Schawinski lässt man also weiterhin mit seiner unflätigen Abart auf die Öffentlichkeit los. Politiker lässt man aber in einer Debattiersendung nicht kontrovers und hart debattieren. Nicht nachvollziehbar. Die SRG hat ein ernstes Problem  in der journalistischen Führung.

Ein Gutes hat Schawinskis Demonstration seines wahren Ichs jedoch. Für die Billag-Abschaffung dürften dieser Tage sehr viele Unterschriften zusammenkommen.