Ja zur zweiten Gotthardröhre

Am 28. Februar lege ich ein überzeugtes Ja für die zweite Gotthardröhre in die Urne. Das tue ich vornehmlich aus folgenden drei Gründen:

Das Tessin gehört zur Schweiz

Der alte Tunnel muss saniert werden. Während der Sanierungsarbeiten kann der Tunnel nicht befahren werden. Damit wäre das Tessin auf der Strasse nicht mehr erreichbar. Natürlich könnte man über den Pass ausweichen, doch das erhöht die Reisedauer massiv. Und mit dem Auto oder LKW die Passstrasse hochzuröcheln, stösst viel mehr Abgase in die Luft als eine zügige Fahrt durch einen Strassentunnel. Ausserdem ist der Pass über die Wintermonate geschlossen.

Auch ein Autoverlad ist keine wirkliche Alternative. Für die Verladeterminals müssten in den sowieso schon engen Tälern Landfläche in der Grösse von 22 Fussballfeldern verbaut werden. Ausserdem wären diese nur ein Provisorium, denn nach Wiedereröffnung des Tunnels würden sie überflüssig und müssten wieder zurückgebaut werden. Sinnlose Geldverschleuderung. Abgesehen davon kann der Bahnverlad die benötigten Kapazitäten gar nicht kompensieren. Es ist mit zusätzlichen Staustunden zu rechnen.

Das Tessin gehört zur Schweiz. Es ist nicht akzeptabel, einen Landesteil vom Rest der Schweiz abzuschneiden.

Eine zweite Röhre erhöht die Sicherheit im Tunnel

Heute fahren die Autos im Gegenverkehr durch den Berg. Es gibt keine Ausweichmöglichkeiten. Das ist ein Sicherheitsrisiko. Und wenn der Gotthard weiterhin so durchfahren wird, bleibt dieses Sicherheitsrisiko bestehen. Mit einer zweiten Röhre ergibt sich die Möglichkeit, die Fahrtrichtungen getrennt zu führen. Und es besteht Platz für Ausweichmanöver oder um ein Pannenfahrzeug abzustellen, ohne den fliessenden Verkehr zu stoppen.

Ja, den Berg zu durchbohren kostet Geld. Aber Sicherheit darf auch etwas kosten. Und wir können Staustunden eliminieren, wenn ein Loch wegen Unterhaltsarbeiten oder einem Unfall kurzzeitig geschlossen werden muss.

Bestehende Gesetze gelten nichts

Dem haben die Gegner der zweiten Röhre nicht viel entgegenzusetzen. Sie führen immer nur ein einziges Argument auf. Und das ist lächerlich. Das Hauptargument der Tunnelgegner beruht auf der Prämisse, dass bestehende Gesetze nicht eingehalten werden. Sie gehen davon aus, weil ein zweites Loch da sein wird, wird der in der Verfassung verbriefte Alpenschutzartikel aufgehoben. Mir absolut schleierhaft, wie die auf so eine Idee kommen.

Die Autofahrer werden schon schauen

Die Fussgänger kümmern sich nicht mehr um den Strassenverkehr. Warum auch? Schliesslich werden ihnen einerseits alle erdenklichen Freiheiten gewährt und auf der anderen Seite wird die gesamte Verantwortung für die Sicherheit einfach dem Autofahrer aufgebrummt. Der Automobilist muss aufpassen, dass nichts passiert. Vom Automobilisten wird erwartet, dass er seine Augen gleichzeitig nach vorne, hinten, rechts, links und oben richtet. Der Fussgänger muss sich um nichts mehr kümmern.

So geschieht es denn auch, dass Fussgänger, ohne den Verkehr zu wahrzunehmen, ohne nach rechts und links (vergessen dann hinten, vorne oben und unten) zu blicken, wo und wann es ihnen grad passt, über die Strasse latschen. Sie wiegen sich in der trügerischen Sicherheit, dass sich die Automobilisten ja schon kümmern, schauen und bremsen.

Und da man als Fussgänger nicht mehr schauen muss, kann man ja auch gleich das Hören weglassen. Kopfhörer auf die Löffel und geilen Sound geniessen. Und bei gleichzeitigem herumfingern auf dem Smartphone verabschiedet sich sogleich das gesamte Bewusstsein in eine andere Sphäre … Man legt sich und sein Leben getrost in die fürsorglichen Hände der Automobilisten.

Nun berichten Blick und 20Minuten, dass es zumindest den Berufschauffeuren reicht. Gefordert ist ein Verbot von Kopfhörern im öffentlichen Bereich. SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner will in einer Interpellation vom Bundesrat wissen, ob man sich darüber schon in irgend einer Form Gedanken gemacht hat.

Auch wenn das Ansinnen eines Kopfhörer-Verbotes wenig Chancen haben wird und kaum umsetzbar ist, muss das Thema auf den Tisch. Grundsätzlich ist jeder selber für seine Sicherheit verantwortlich. Das muss auch im Strassenverkehr wieder so sein. Es ist nicht mehr akzeptierbar, dass die Automobilisten alle Verantwortung tragen müssen und sich die Fussgänger gleichzeitig immer fahrlässiger aufführen.

Tempo 30: Generell gegen die Autofahrer

Da fahre ich innerhalb einer Tempo-30-Zone mit weniger als 30 Stundenkilometer auf eine Stelle zu, wo vorher noch ein Fussgängerstreifen auf die Strasse gepinselt war. Quasi gleichzeitig, wie ich den ehemaligen Zebrastreifen passiere, latscht ein Fussgänger heran. Weil es wirklich quasi gleichzeitig war, setzte ich meine Fahrt fort – immerhin habe ich als Automobilist in einer Tempo-30-Zone Vortritt. Der Fussgänger jedoch fühlt sich brüskiert und hämmert mir auf’s Autodach. Nach einem kurzen Wortgefecht erschloss sich mir die Tatsache, dass der Mann überhaupt keine Ahnung von den Vortrittsregeln in einer Tempo-30-Zone hat. Doch das rechtfertigt keine tätliche Attacke gegen mein Auto.

«Man muss sich halt informieren»

Tatsächlich ist mein Faustschwinger kein Einzelfall. Die Verwirrung sämtlicher Verkehrsteilehmer in Tempo-30-Zonen ist perfekt. Autos halten an, wo früher Fussgängerstreifen waren, die Fussgänger latschen ebendort ohne einen Blick nach rechts oder links über die Strasse und wundern sich nicht mal, wenn’s quietscht. Und auch wenn man im Bekanntenkreis nachfragt, wie das jetzt sei mit Tempo-30 weiss eigentlich niemand genau, was gilt.

Den Surseer Stadtrat auf die Informationspolitik bezüglich Verhalten in Tempo-30-Zonen angesprochen, wird man auf offenbar zahlreich vorhandenes Informationsmaterial verwiesen. «Man muss sich halt informieren», lautet der Tenor. Eine Holschuld also. Guckt man aber zum Beispiel auf www.tempo30.ch, gelangt man auf die Homepage vom VCS, der sich unter der Rubrik «Tempo 30» hauptsächlich darauf beschränkt, die Vorteile dieser Zonen zu beschreiben und wie man vorgeht, um solche Zonen zu realisieren. Auf der gänzlich unübersichtlichen Webseite sucht man vergeblich nach Material, um zu erfahren, was für Verkehrsregeln gelten.

Gererell gegen den Autofahrer

Über Twitter wurde ich dann von einer Broschüre des VCS in Kenntnis gesetzt, welche das Verhalten der verschiedenen Verkehrsteilnehmer in Tempo-30- und Begegungszonen beschreibt. Bei meiner Suche hab ich nämlich ein Dokument gefunden, welches sich um die Rechtslage kümmert. Ich fand dort aber keinen Hinweis darauf, dass Autofahrer Vortritt haben. Im Gegenzug steht aber überall dort, wo Fussgänger Vortritt haben, dass Fussgänger Vortritt haben. Im anderen Dokument (Tempo 30 Zonen und Begegnungszonen plus) ist tatsächlich die Vortrittsregel beschrieben. Im Abschnitt, wie man sich als Autofahrer innerhalb einer Tempo-30-Zone zu verhalten habe, steht dann aber: «Verzichten Sie auf Ihren Vortritt, wenn Fussgänger/-innen die Strasse überqueren wollen.» Wozu dann also überhaupt eine Vortrittsregel für Autofahrer, frage ich?

Aber nicht nur die Sichtweise derjenigen, die informieren, richtet sich ausschliesslich gegen die Autofahrer. Um den Strassencharakter Tempo-30-gerecht zu gestalten, werden allerhand Hindernisse und Schikanen, Verengungen und sonstiges in die Fahrbahn gebaut. Die Leidtragenden sind immer die Autofahrer. Dem sogenannten «Langsamverkehr» werden alle erdenklichen Freiheiten gewährt. Dass die Verkehrsregeln eingehalten und die Verkehrssicherheit gewahrt bleibt, wird dabei jedoch komplett in die Verantwortung der Autolenker gelegt. Links und rechts wuseln die Fussgänger herum, ein Auto manövriert sich in eine Parklücke, von hinten kommt ein Velofahrer angeschossen und vorne stellt sich mir ein Baum in den Weg. Für den Autofahrer ist das purer Stress. Und sollte etwas geschehen, wird er der Schuldige sein.

Alle gleich behandeln oder Schluss damit

Es gilt, dass den Bedürfnissen der Autolenker ebenfalls genügend Rechnung getragen wird. Regeln gelten auch für Fussgänger und Velofahrer und sie sind ebenfalls dazu verpflichtet, ihren Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten. Und diese Regeln sind in einer gross angelegten Medienkampagne zu kommunizieren. Fernsehen, TV, Radio, Internet – es gibt weiss Gott genügend Plattformen, um zu informieren. Sollte das nicht möglich sein, gilt es Tempo-30 wieder zu vergessen und zum alten aber bewährten Konzept «Generell 50» zurückzukehren, wo allen ihre Rechte und Pflichten bewusst waren.