TV-Kritik: Sportsawards

Gerne mal wieder versucht man sich im Leutschenbach an der Realisation einer grossen Show. Tage, ja Wochen zuvor wird der Zuschauer mit dem entsprechenden Trailer penetriert. Und dann beginnt die Show auch vermeintlich fulminant. Sandra Studer singt und tanzt sich durch den Eingang bis ins Studio. Nur die A capella Band vermag nicht zu überzeugen. Und natürlich auch Rainer Salzgeber als Sänger nicht. Doch es war als Gag geplant. Von dem her kann man das so lassen. Schlimm jedoch war, dass die slapstikähnlichen Action-Szenen mit Sandras Studer tatsächlich besser umgesetzt waren als bei der Krimi-Serie «Wilder».

Kafischwache Musikdarbietungen

Bezüglich musikalischer Untermalung ist Sandra aber das einzige Highlight. Es folgen verschiedene musikalische Auftritte, eine schlechter als die andere. Der negative Höhepunkt aber bildete die ehemalige französische Präsidentengattin Carla Bruni. Noch nie habe ich jemanden in der Öffentlichkeit gehört, der die schönen ABBA-Melodien derart verhunzt hat, wie sie. Eine einzige Null-Nummer.

Gemeinsames Fernsehen

All die anwesenden Sportlerinnen und Sportler im Studio können einem nur leidtun, dass sie sich das alles anhören mussten. Noch dazu, dass sie sich für den Anlass alle in Edelzwirn geworfen haben. Aber wozu? Mehr als zwei Drittel der Show bestanden aus Einspielern. Nicht einmal mit den Nominierten wurden Gespräche geführt, obwohl zwei Moderatoren durch die Show führen. Mehr als kollektives Fernsehschauen der Anwesenden war das nicht.

Während das SRF bei seinen Sportsendungen ansonsten eine gute Figur macht, hat es bei den Sportsawards auf der ganzen Linie versagt.

TV-Kritik: Deville Late Night

Als SRF nach einer Nachfolge für «Giacobbo/Müller» suchte, war Dominic Deville mit seiner Show das einzige Format neben «Müslüm-TV» und den zwei kurzluntigen Versuchsraketen mit Michael Gammenthaler, welches Potential für eine Weiterführung hatte. Er war witzig, er war unterhaltsam und er hatte gute Ideen. Aber eben, er war. Inzwischen ist die Sendung zu einer flachwitzigen Trash-Comedy verkommen.

Zu einer Late Night Show gehört für mich auch ein kurzer Talk mit einem Gast. In den letzten Sendungen aber waren keine Gäste mehr da. Entweder will man keine mehr, oder es will keiner hin. Vermutlich ist Letzteres der Fall. Es gibt ja auch keinen Grund, dahin zu gehen.

Aber vielleicht will man ja gar keine Late Night Show sein, sondern eine Satiresendung. Doch dafür fehlt den Autoren die Satire, der Witz. Ab und zu ein halbwegs brauchbarer Gag genügt einfach nicht. Die eingespielten Sketche sind leider auch alles andere als lustig.

Nein, seit der zweiten Staffel ist «Deville Late Night» nur noch ein witzefreies, satirearmes, infantiles und dummes Kasperlitheater. Mitleid habe ich dabei nur noch mit Ágota Dimén, die sich Sendung für Sendung für nichts und wieder nichts zum Affen macht.

Schade drum. Deville hätte mehr drauf.

TV-Kritik: Arena vom 17.11.2017

Am 17. November 2017 thematisierte die Arena von SRF1 das Thema Steuervermeidung im internationalen Rohstoffhandel. Das Teilnehmer-Setup links gegen rechts hätte vielleicht eine lebhafte Debatte versprechen können. Leider kam es anders.

Zwar sorgten die teilweise wirren und irren Äusserungen von alt Nationalrat Jean Ziegler für viel Zündstoff. Wildes Durcheinanderreden war die Folge. Doch hier will ich gar nicht auf Ziegler eingehen. Es wurde viel geredet, aber niemand konnte seinen Standpunkt wirklich darlegen. Entweder wurde man von einem der Teilnehmer unterbrochen oder Jonas Projer fiel ins Wort. Eine Unsitte, die sich seit ein paar Arenen immer wieder und nach meinem Empfinden immer mehr zeigt.

Wenn sich die Teilnehmer gegenseitig unterbrechen, kann das eine Zeit lang okay sein. Es kann sogar Teil einer Debattier-Kultur sein – wenn man damit umgehen kann. Überhand nehmen darf es jedoch nicht. Die Arena vom 17.11. jedoch war mal wieder so eine, in der sich die Diskutanten zu viel ins Wort fielen. Hier muss der Moderator eingreifen. Projer versucht das jeweils, doch leider schiebt er hier falschen Anstand vor Durchsetzungsvermögen. Denn mit dem steten Herunterbeten des Titels, des Namens und des Wohnkantons des angesprochenen Politikers erreicht der Moderator keine Stille, sondern noch mehr Konfusion beim Zuschauer. Eine klare Zuweisung des Wortes muss hier genügen. Anständig sicher, aber auch kurz und unmissverständlich.

Auf Twitter äusserte sich Ruedi Noser, selber mit von der Partie bei besagter Sendung, ebenfalls zum Thema:

Und Noser hat recht. Denn neben vier Personen in der Hauptrunde musste Jonas Projer noch zwei weitere Teilnehmer am Expertentischchen (die im übrigens nichts Sinnvolles beitrugen) sowie zwei Zuschauer einbinden. Viel zu viel. So kann keine Diskussion stattfinden. Neben Noser auf Twitter hat sich auch Thomas Matter in der Sendung selber über zu wenig Redezeit und zu viel Unterbruch beschwert. Auch Jacqueline Badran hämmerte mehrmals auf ihr Pult, weil man ihr zu oft ins Wort fiel oder selbiges entzog.

Weniger ist mehr, heisst das Motto. Bei diesem Setup hätte man getrost auf weitere Votanten verzichten können. Es war vorhersehbar, dass die eingeladenen Hauptakteure genügend Stoff für eine 70-minütige Sendung liefern würden.

 

Tendenziöser Dok entlarvt einmal mehr die politische Einstellung des Schweizer Fernsehens

Darf man die direkte Volksdemokratie der Schweiz in Frage stellen? Und erst noch als Schweizer Bürger? Klar darf man das. Man darf alles kritisch hinterfragen. Das ermöglicht Weiterentwicklung oder die Bestätigung des Bewährten.

Karin Bauer hat sich als Dokumentarfilmerin bei SRF an diese Frage nach der direkten Demokratie gewagt. Doch ihr Film «Die Macht des Volkes» geht nur scheinbar dieser Frage nach. In Tat und Wahrheit hinterfragt Bauer nicht die Volksdemokratie, sondern bloss die Positionen der SVP. Titel und Inhalt des Films decken sich nicht.

Unlautere Mittel

Die SVP zu kritisieren ist selbstverständlich erlaubt. Doch Karin Bauer bedient sich dabei unlauteren Mitteln. So werden Vertreter der SVP, allen voran der Zürcher Nationalrat Alfred Heer, mehrmals in unvorteilhaften Situationen gezeigt, während die Gegenseite nie mit kritischen Fragen konfrontiert wird.

Das alleine wäre schon skandalös genug. Doch im Film werden SVP-Initiativen mehrfach einseitig qualifiziert, ohne der SVP die Möglichkeit einzuräumen, diese Qualifikationen zu kommentieren. Bauer sagt, dass die Anti-Minarett-Initiative die Religionsfreiheit ritzt. Bauer stellt unkommentiert in den Raum, dass Ausschaffungsinitiative die Menschenrechte und die Masseneinwanderungsinitiative die Personenfreizügigkeit verletzen. Sie formuliert ihre persönlichen Ansichten, lässt diese von gewissen Protagonisten bestätigen und pfeift auf die Sicht der Initianten. Bei ihnen ist sie darauf konzentriert, sie möglichst negativ darzustellen. Bauer weiss ganz genau um die Macht der Bildsprache.

Grundsätzlich darf Bauer das. Als Privatperson. Getan hat sie es allerdings als Angestellte des Schweizer Fernsehens, finanziert durch Gebührengelder. Und offensichtlich steht in den publizistischen Leitlinien von SRF, dass es genehm ist, politisch Stellung zu beziehen und die persönliche Meinung einer Journalistin prominent zu verbreiten. Sehr fragwürdig, wie ich finde.

Jonas Projer, bitte bringen Sie mir die alte, fetzige Arena zurück

Jonas Projers Einstand als Arena-Moderator kam etwas holprig daher. Und er konnte dem Geschehen auch nicht ganz folgen. So vergass er mehrmals, weshalb sich jetzt einer unbedingt zu Wort gemeldet hatte. Dadurch, dass er es aber sofort zugab und nachfragte, hangelte er sich sympatisch aus der Angelegenheit. Und Projer hatte ja bis anhin keine Erfahrung als Moderator. Da ist eine Arena schon ein anderes Kaliber als eine von A bis Z durchgeplante Schickimicki-Aufzeichnung wie Glanz und Gloria.

Überstrukturiert

Wobei … von A bis Z durchplanen wollte man auch die Arena. Man nennt das dann «strukturieren». Die Redaktion teilt das Thema in mehrere Unterthemen auf und will diese jeweils für sich geschlossen diskutieren lassen. Doch bis heute haben sie nicht begriffen, dass dies einfach nicht funktioniert. Man kann die Politiker im Ring nicht in ein derart starres Korsett zwängen. Tut man es trotzdem, wird die Sendung sofort langweilig. Der Moderator muss nach jedem zweiten Satz unterbrechen und darauf hinweisen, dass dieses Thema noch komme. Der Diskussionsfluss wird unterbrochen, noch bevor er beginnt.

Die Abstimmungsarena vom 29.08.2014 legte bezüglich Überstrukturierung aber noch einen drauf. Es genügte nicht, die Sendung in drei Unterbereiche aufzuteilen, was bereits nach den ersten paar Minuten zu Friktionen führte. Nein, das dritte Thema wurde nochmals in drei Bereiche unterteilt. Spätestens da war alles verloren. So kann es nicht funktionieren.

Eine politische Diskussion ist dynamisch. Natürlich, eine gewisse Struktur kann manchmal nötig sein. Daran aber um jeden Preis festzuhalten, tötet die Diskussion und damit die Sendung. Der Moderator muss erkennen können, wann die Verteidigung der theoretischen Struktur noch Sinn macht und wann er sich dieser Zwangsjacke entledigen sollte.

Mein Rat an Jonas Projer: Weniger Struktur!

Fokus auf den Ring

Positiv aufgefallen ist mir jedoch, dass Projer die zweite Reihe weniger integrierte als seine beiden Vorgänger Hasler und Wiedmer. Der Fokus der Arena muss zwingend im zentralen Ring liegen. Hasler und Wiedmer haben es mit ihrer zweiten Reihe jeweils mächtig übertrieben und so zusätzlich zur Zerstörung der Diskussion beigetragen.

Auch die Statements der Experten hat Projer aus meiner Optik gut quantifiziert. Obwohl Eichenberger viel zu wenig zu Wort kam … aber das ist bei ihm immer so.

Mein Rat an Jonas Projer: Noch weniger zweite Reihe, mehr innerer Ring.

Der Zuschauer weiss Bescheid

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Redaktion der Arena das Gefühl hat, die Zuschauer wissen gar nicht, um was es überhaupt geht. Deshalb werden am Beginn der Sendung erklärende Filmchen eingespielt und es wird jedes dritte Fremdwort erklärt. Die Arena-Redaktoren scheinen ihr Publikum tatsächlich nicht zu kennen. Ich gehe davon aus, dass die allermeisten Zuschauerinnen und Zuschauer der Arena das jeweilige Thema gut genug kennen, um der Diskussion folgen zu können. Zumindest aber dürften sich die meisten mit der Materie besser auskennen, als die Redaktoren.

Projer kam für mich als Moderator auch deshalb sympatisch rüber, weil er sich zurückgehalten hat. Von Interesse sind keine langen Monologe, Erklärungen und theatralische Überleitungen vom Moderator. Von Interesse sind die Fights, Argumente und Ansichten der Diskussionsteilnehmer. Der Moderator muss übrigens auch nicht witzig sein. Er hat eine einzige Aufgabe: Moderieren. Das machte Projer gar nicht mal so schlecht.

Mein Rat an Jonas Projer: Mehr Diskussion, weniger schulmeisterliche Erklärungen.

Unterhaltung

Und zum Schluss noch dies: Die Arena ist keine steife Sendung. Die Arena soll nicht nur informieren, sie soll auch unterhalten. So gehört es auch zur Unterhaltung, dass sich zwei Politiker verbal mal eins auf die Mütze geben. Lasst sie das tun. Ich habe als Teenie schon Arena geschaut, ohne mich wirklich mit den Themen auszukennen. Aber mir hat damals gefallen, was ich gesehen habe. Die Arena war massgeblich an meiner Politisierung beteiligt. Blocher gegen Bodenmann. Läck, das waren Duelle.

Mein Rat an Jonas Projer: Wenn zwei sich richtig streiten, freut sich der Zuschauer.

Die Institution Arena

In einem Interview las ich von Projer, dass er die Arena als Institution bezeichnete. Zumindest war sie das einmal. Doch spätestens seit den Moderatoren Wiedmer und Hasler ist sie das nicht mehr. Die beiden, zusammen mit den restlichen Redaktoren, haben die ursprüngliche, institutionelle und kultige Arena am Sack aufgehängt und ausbluten lassen. Was heute über den Sender geht, ist nur noch ein schlabbriger Hautfetzen der früheren Arena.

Mein Wunsch an Jonas Projer, dem künftigen Redaktionsleiter der Arena: Bringen Sie mir bitte die alte, fetzige, interessante und kultige Arena wieder zurück.