Die Diskussion ist noch nicht vorbei

Die NoBillag-Initiative ist grandios abgeschifft. Das zeichnete sich zwar in den letzten Wochen ab, aber die Deutlichkeit überraschte. Natürlich könnte man jetzt von einem Achtungserfolg sprechen, aber das bringt nichts. Den wirklichen Erfolg erzielten die Initianten schon lange vor der heutigen Abstimmung. Denn nur durch ihre Initiative wurde diese längst fällige und von der Politik ständig verweigerte Diskussion geführt; und zwar von der Bevölkerung.

Ein Bekenntnis zum medialen Service public

Nach Abstimmungen versucht man jeweils schnell, das Resultat zu interpretieren. Normalerweise gebe ich nichts darauf. Diesmal aber komme ich nicht drum herum. Zieht man die von den Gegnern mantraartig wiederholte Argumentation zu Rate, war das heutige Volksverdikt ein Bekenntnis zum medialen Service public. Man will ein öffentlich finanziertes Radio und Fernsehen und man ist bereit, dafür Geld zu bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger. Es war kein Ja zur SRG, es war kein Ausdruck des Vertrauens in Medienministerin Leuthard und es war auch keine Zementierung des jetzigen Finanzierungssystems.

Die Politik ist jetzt am Ball

Nach der Debatte ist vor der Debatte. Nachdem die versprochene Diskussion nach dem knappen Ja zum RTVG im Jahre 2015 nicht stattfand, wird sie jetzt stattfinden. Das haben alle Parteien schon vor dem Abstimmungssonntag verkündet. Ich habe das gehört. Und auch die SRG hat sich wider Erwarten reformbereit gezeigt und heute einen ersten Abriss von Absichten bekanntgegeben. Gut.

Als erstes aber muss jetzt die Politik an die Arbeit. Als erstes ist der Gummibegriff «medialer Service public» unmissverständlich und klar auszuformulieren. Die SRG muss genau wissen, was sie tun muss und was nicht. Denn auch wenn das heutige Resultat kein Ja zur SRG war, wird es die SRG bleiben. Es gibt niemand anderes. Des Weiteren ist das Inkasso zu überdenken. Schon am Abstimmungssonntag sprach man nicht mehr von einer Gebühr, sondern von einer Steuer. Und um eine Steuer handelt es sich auch. Der Gebühreneinzug ist über die Bundessteuer abzuwickeln. Ausserdem ist das neue Mediengesetz, welches Frau Leuthard im Sommer zur Vernehmlassung vorlegen wird, ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Erst wenn diese Dinge geregelt sind, kann man über Beträge reden.

Auch das SRG-Management ist gefordert

Gleichzeitig aber muss die Teppichetage der SRG ihren heute angedeuteten Reformwillen beweisen. Nur mit dem Einsparen von 50 Millionen ist die Sache noch im Kasten. Insbesondere an ihrer Aussenwirkung, Stichwort: Arroganz und Überheblichkeit, muss das Haus am Leutschenbach arbeiten. Die Meinung der Zuschauer ist künftig ernst zu nehmen. Eine gute Datenbasis dürfte mit «Hallo SRF» inzwischen vorliegen. Zudem darf die Rolle der Ombudsstelle und die Art und Weise, wie der derzeitige Ombudsmann für die Deutschschweiz seinen Job auslegt, gründlich hinterfragt werden. Aber auch auf die weiteren Ideen bin ich gespannt, die losgelöst von der Politik in Angriff genommen werden können.

Es gibt viel, über das wir in den nächsten Monaten reden müssen. Ich freue mich auf die Weiterführung der Diskussion, die jetzt bitte wieder sachlich und respektvoll geführt werden wird.

TV-Kritik: Arena vom 2. Februar 2018

Bild: SRF (Podcast)

Ja, noch eine Kritik zur «NoBillag-Arena» vom 2. Februar 2018. Ja, noch eine Kritik an der Moderation von Jonas Projer. Aber es geht um etwas anderes.

Weil es sich um eine Abstimmungsarena handelt, wurde die Redezeit von Pro und Kontra gestoppt. Zusammengezählt hatten die beiden Seiten einen Anteil von gut 45 Minuten. 45 Minuten Redezeit von Befürwortern und Gegnern. Die ganze Sendung dauert 70 Minuten.

Zuviel Moderation

Demnach hat der Moderator selber 25 Minuten geredet. Also gut ein Drittel der gesamten Diskussionssendung wird von der Moderation vereinnahmt. Natürlich muss man noch ein paar Minuten für die Einspieler abziehen. Dennoch ist der Redeanteil des Moderators klar zu hoch.

Es sind die Diskussionsteilnehmer, die sich die Argumente um die Ohren hauen sollen. Es sind die Meinungen der Politiker, die ich hören will. Die Aufgabe des Moderators besteht darin, die Diskussion zu leiten und die Diskussion am Laufen zu halten. Der Moderator muss dafür sorgen, dass nur immer ein Diskussionsteilnehmer spricht. Es ist seine Aufgabe, für Ordnung zu sorgen, wenn sich die Diskutanten ständig ins Wort fallen. Der Moderator erteilt Wortfreigaben. Es ist aber nicht die Aufgabe des Moderators, aktiv an der Diskussion teilzunehmen.

Mehr Zurückhaltung

Es ist deshalb unbedingt wichtig, dass sich Jonas Projer künftig wieder mehr zurücknimmt. Er ist der Moderator der Sendung, aber nicht der Hauptdarsteller. Es ist nicht nötig, dass jedes gehörte Statement eines Teilnehmers durch den Moderator nochmals zusammengefasst wird. Es ist nicht nötig, dass er witzige Bemerkungen macht. Es ist nicht nötig, dass er Quasi-Interviews führt, indem er als Gegenpart fungierend einem Diskussionsteilnehmer Fragen stellt (damit ist nicht der nach wie vor unnötige «Prüfstand» gemeint). Für die Gegenpositionen sind die anderen Diskussionsteilnehmer da.

Es braucht also nicht viel, um es wieder besser zu machen. Es braucht einfach weniger.

Die SRG muss sich nicht erklären

Auf 20min.ch gibt es ein Interview mit Gilles Marchand, SRG-Generaldirektor, zu lesen. Dort wird unter anderem das Problem mit der Arroganz angesprochen. Marchand meint dabei, dass diese der SRG vorgeworfene Arroganz eine Legende sei. Das ist schade, denn diese Art Antwort zeigt nun eben genau, wie arrogant die SRG ist. Und er meint zudem, dass es sich dabei nur um ein Wahrnehmungsproblem handelt.

Es ist nicht gut, wenn uns die Bevölkerung als arrogant wahrnimmt. Das darf nicht sein. Deswegen werden wir uns den Zuschauerinnen und Zuschauern, den Zuhörerinnen und Zuhörern in Zukunft noch besser erklären müssen.

Doch auch hier liegt der Generaldirektor komplett falsch. Die SRG muss sich nicht erklären. Die SRG muss die Kritik ernst nehmen. Und vor allem muss die SRG mit konkreten Massnahmen etwas gegen diese Kritik tun. Und zwar so, dass die Kritiker merken, dass etwas geht.

Pünktlichkeit

So gehen beim SRF-Kundendienst immer wieder Beschwerden ein, weil Sendungen nicht pünktlich beginnen. Auch bei Hallo-SRF war dies bei beiden Live-Sendungen ein Thema. Geändert hat sich nichts. Stattdessen wurde erklärt, weshalb es «ab und zu» zu solchen Verspätungen kommt. An der Pünktlichkeit wurde jedoch nicht gearbeitet. Nach wie vor starten Sendungen auf SRF oft mehrere Minuten später als programmiert. Die SRG muss sich nicht erklären, sie muss handeln. Denn sonst wird das als Arroganz wahrgenommen. Und es ist Arroganz.

Programmhinweise

Dasselbe Spiel übrigens mit Programmhinweisen, sogenannten Trailern. Ebenfalls bei beiden Hallo-SRF-Sendungen wurde die Anzahl und die Penetranz dieser Trailer kritisiert. Auf meine persönliche Nachfrage hin im Studio erklärte Ruedi Matter, dass man die Trailer reduziert hätte. Gemerkt habe ich als Zuschauer aber davon nichts. Noch immer werden mir tagelang dieselben Programmhinweise zum Teil mehrmals während derselben Werbepause oder Programmwechsel um die Ohren gehauen.

Auf meine ebenfalls in der letzten Hallo-SRF-Sendung gestellten Frage, was man konkret für Massnahmen aus der Zuschauerumfrage abgeleitet hat, wich Matter aus und erzählte etwas von Workshops mit den Sportmoderatoren. Aber auch hier habe ich nichts bemerkt. Und was es für andere Massnahmen gab, wurde auch nicht erwähnt.

Die SRG muss sich nicht erklären. Die SRG muss handeln. Und zwar so, dass der Zuschauer sowie die Zuschauerin etwas davon merken. Merken sie nämlich nichts davon, fand die Massnahme nicht statt. Und Massnahmen auf Kritik, die nicht stattfinden, werden als Arroganz wahrgenommen. Weil es Arroganz ist.

TV-Kritik: 50 Jahre Rundschau

Das Polit-Magazin «Rundschau» feiert sein 50jähriges Jubiläum. Nicht viele TV-Formate halten so lange durch. Ein Grund zum Feiern. Selbstverständlich. Und im Fernsehen tut man dies in der Regel mit einer Sondersendung.

Schwarz-Weiss

Früher wurde in der Sendung geraucht und getrunken. Früher wurden TV-Bilder auch in Schwarz-Weiss ausgestrahlt. Dass nun aber die gesamte Begleitmoderation der Sondersendung in ebendiesem Farbsetting ausgestrahlt werden musste, entbehrt jedem guten Geschmack. Ein Griff in die gestalterische Mottenkiste. Einfallslos, langweilig, eintönig und schlichtweg för d’Föchs! Wie gern hätte ich das alte Dekor mal in Farbe gesehen und den alten Geschichten von früher gelauscht. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich dieses Dekor in seiner Zeit gar nie gesehen habe.

Seltsame Themenwahl

Auch nicht gekannt habe ich einige der gezeigten Ausschnitte aus vergangenen Reportagen. Wie auch, bin ja noch keine 50. Aber merkwürdig fand ich die Auswahl der gezeigten Themen schon. Das kann doch unmöglich das interessanteste und brisanteste aus 50 Jahren gewesen sein. Da habe ich etwas mehr erwartet. Auch ein umfangreicherer Blick hinter die Kulissen, hinter die Geschichten hätte interessiert. Aber auch der witzige Zusammenschnitt am Schluss gab eigentlich gar nichts her. Alles wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Lachen oder Schmunzeln konnte ich nie. Zu scharfer Schnitt.

Schade. Vielleicht muss man aber einfach akzeptieren, dass die Macher der «Rundschau» mehr von Journalismus verstehen als von Jubiläumssendungen. Denn diese Jubiläumssendung war für die Tiefen des Fernseh-Archivs. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Produktion nicht so viel gekostet hat und, wie Sandro Brotz so süffisant bemerkte, dass beim SRF heute viel sorgfältiger mit dem Gebührengeld umgegangen wird.

«Dark» – Oder wie man eine schlechte Serie macht

Wenn man erfahren will, wie man Filmmusik und Soundeffekte nicht einsetzen soll, dann muss man sich «Dark» anschauen. Es wird die Geschichte eines kleinen Dorfes mit einem AKW erzählt. Kinder verschwinden. Die Eltern drehen durch. Dann kommen auch noch Zeitreisen hinzu.

Laienhafte Musikuntermalung

Permanent begleitet wird man während den 10 Folgen von schicksalsschwangerer Filmmusik und unheilbringenden Musikeffekten. Permanent. Man ist sich daran gewohnt, dass bei solchen Effekten etwas Wichtiges geschieht. Oder etwas Gefährliches. Aber nicht so bei «Dark». Anhand der Filmmusik ist nicht auszumachen, wann etwas Entscheidendes passiert. Der stümperhafte Einsatz dieser Soundeffekte nimmt der Geschichte jede Spannung.

Langweilige Erzählweise

Dabei wäre Spannung so dringend nötig. In den ersten vier oder fünf Folgen – ich weiss das nicht mehr so genau – torkeln die Schauspieler völlig orientierungs-, plan- und oftmals auch bewegungslos durch die Szenerie. Sie sitzen da und starren traurig, bestürzt oder nachdenklich Löcher in die Kulissen. Es passiert nichts. Und wenn doch mal was passiert, weiss man als Zuschauer nicht, warum. Wenn man eine Geschichte so langatmig erzählen will, dass die Zuschauer reihenweise wegnicken, dann sollte man es machen wie bei «Dark».

Als sich die Schleier in den letzten beiden Folgen langsam zu lichten begannen, konnte ich trotzdem nicht folgen. Ich war in den vorhergegangenen Folgen einfach nicht mehr aufmerksam genug. Ich konnte mir bis zu Letzt auch verschiedene Charaktere nicht merken. Dabei wäre das so wichtig, ja entscheidend gewesen. Weil es doch um Zeitreisen geht und irren Verstrickungen zwischen dem Heute und dem Gestern. Kinder von heute verschwinden im Gestern und tun da Dinge, die sie zu Erwachsenen im heute machen.

Zu komplexer Stoff

Aber Zeitreise-Storys sind nichts für Anfänger. Sie sind von der reinen Überlegung her schon sehr komplex, verwirrend und oft mit dem ersten Gedanken nicht fassbar. Und damit man diese Komplexität dem Zuschauer verständlich vermitteln kann, braucht es sehr viel mehr als das, was die Macher von «Dark» abgeliefert haben. Komplizierten Filmstoff kann man nicht mit dieser gähnend langweiligen Erzählweise an die Zuschauer bringen.

Fortsetzung folgt … leider

Ende Dezember wurde bekannt, dass eine zweite Staffel folgt. Weil in der ersten zu viele Fragen ungeklärt blieben. Da man damit rechnen muss, dass auch der zweite Versuch eine elend zähflüssige Angelegenheit werden wird, will ich die offenen Fragen gar nicht beantwortet haben. Abgesehen davon ist mein Bedarf an Serien, die im Düsteren und ausschliesslich bei Schlechtwetter spielen, gedeckt.