TV-Kritik: Wilder

Nehmen wir das Fazit gleich vorweg: Die Krimiserie «Wilder» hat gefallen. Klar, das Tempo war ab und zu etwas zähflüssig. Aber wenn man sich «Fargo» als Inspiration ausgesucht hat, verwundert das nicht. Auch dort war man oft mit angezogener Handbremse unterwegs. Ein Grund, weshalb ich es dann doch nicht geschafft habe, die ganzen drei Staffeln auf Netflix durchzustehen.

Gute Story

Gefallen hat bei «Wilder» unter anderem die Story. Es wurden viele Handlungsstränge aufgezeigt, zu Beginn viele Fragen aufgeworfen. Bis zum Schluss wurde aber alles geklärt und die Auflösung des Mordes sowie die Sache mit den toten Kindern war am Schluss sogar überraschend und nicht vorhersehbar. Die Spannung blieb während allen sechs Folgen aufrecht und flaute nie wirklich ab.

Action überzeugte nicht

Zwar habe ich nie verstanden, weshalb Beatrice Räber immer wieder als Hippie-Gschpänschtli durch die Szenerie schlich. Die Figur war unnötig, tat der Dramaturgie aber keinen Schaden. Einzig bei den wenigen Action-Szenen, etwa beim Fluchtversuch von Bodyguard Rashad Rahmani, überzeugten die Macher nicht. Die Szenen waren nicht gut gedreht, die Schauspieler wirkten dabei unbeholfen. Da war sogar das Intro für die «SportsAwards» besser.

Herrvorragende Schauspieler

Dafür haben die Schauspieler ihre Arbeit ansonsten aber sehr gut gemacht. Die mir bislang unbekannte Sarah Spale war mir von Anfang an sympathisch. Und auch der bislang meist als Fiesling auftretende Andreas Matti lieferte hervorragende Arbeit ab. Besonders zu erwähnen gilt am Beispiel von Sarah Spale, wie sie die Sache mit dem berndeutschen Dialekt hingekriegt hat. So konnte ich lediglich in der finalen Folge einmal einen kurzen Ausrutscher hören. Ganz im Gegensatz zu László I. Kish. Seine mundartliche Darbietung war leider nix.

Fortsetzung? Ja, gerne

Alles in allem aber hat das Projekt wirklich gefallen. Fraglich ist vielleicht, ob es wirklich eine sechsteilige Serie hat sein müssen. Die Geschichte hätte ganz sicher auch in einem Zweiteiler in Spielfilmlänge erzählt werden können.

Nichts desto trotz würde ich gerne eine Fortsetzung sehen. Sie müsste nicht in Oberwies spielen und sie müsste auch nicht im Winter angesetzt werden. Mein Vorschlag wäre, Rosa Wilder während ihrer Ausbildung in den Staaten einen Fall mit Bezug zur Schweiz lösen zu lassen, damit auch Kägi wieder mitmischen kann.

TV-Kritik: Sportsawards

Gerne mal wieder versucht man sich im Leutschenbach an der Realisation einer grossen Show. Tage, ja Wochen zuvor wird der Zuschauer mit dem entsprechenden Trailer penetriert. Und dann beginnt die Show auch vermeintlich fulminant. Sandra Studer singt und tanzt sich durch den Eingang bis ins Studio. Nur die A capella Band vermag nicht zu überzeugen. Und natürlich auch Rainer Salzgeber als Sänger nicht. Doch es war als Gag geplant. Von dem her kann man das so lassen. Schlimm jedoch war, dass die slapstikähnlichen Action-Szenen mit Sandras Studer tatsächlich besser umgesetzt waren als bei der Krimi-Serie «Wilder».

Kafischwache Musikdarbietungen

Bezüglich musikalischer Untermalung ist Sandra aber das einzige Highlight. Es folgen verschiedene musikalische Auftritte, eine schlechter als die andere. Der negative Höhepunkt aber bildete die ehemalige französische Präsidentengattin Carla Bruni. Noch nie habe ich jemanden in der Öffentlichkeit gehört, der die schönen ABBA-Melodien derart verhunzt hat, wie sie. Eine einzige Null-Nummer.

Gemeinsames Fernsehen

All die anwesenden Sportlerinnen und Sportler im Studio können einem nur leidtun, dass sie sich das alles anhören mussten. Noch dazu, dass sie sich für den Anlass alle in Edelzwirn geworfen haben. Aber wozu? Mehr als zwei Drittel der Show bestanden aus Einspielern. Nicht einmal mit den Nominierten wurden Gespräche geführt, obwohl zwei Moderatoren durch die Show führen. Mehr als kollektives Fernsehschauen der Anwesenden war das nicht.

Während das SRF bei seinen Sportsendungen ansonsten eine gute Figur macht, hat es bei den Sportsawards auf der ganzen Linie versagt.

TV-Kritik: Deville Late Night

Als SRF nach einer Nachfolge für «Giacobbo/Müller» suchte, war Dominic Deville mit seiner Show das einzige Format neben «Müslüm-TV» und den zwei kurzluntigen Versuchsraketen mit Michael Gammenthaler, welches Potential für eine Weiterführung hatte. Er war witzig, er war unterhaltsam und er hatte gute Ideen. Aber eben, er war. Inzwischen ist die Sendung zu einer flachwitzigen Trash-Comedy verkommen.

Zu einer Late Night Show gehört für mich auch ein kurzer Talk mit einem Gast. In den letzten Sendungen aber waren keine Gäste mehr da. Entweder will man keine mehr, oder es will keiner hin. Vermutlich ist Letzteres der Fall. Es gibt ja auch keinen Grund, dahin zu gehen.

Aber vielleicht will man ja gar keine Late Night Show sein, sondern eine Satiresendung. Doch dafür fehlt den Autoren die Satire, der Witz. Ab und zu ein halbwegs brauchbarer Gag genügt einfach nicht. Die eingespielten Sketche sind leider auch alles andere als lustig.

Nein, seit der zweiten Staffel ist «Deville Late Night» nur noch ein witzefreies, satirearmes, infantiles und dummes Kasperlitheater. Mitleid habe ich dabei nur noch mit Ágota Dimén, die sich Sendung für Sendung für nichts und wieder nichts zum Affen macht.

Schade drum. Deville hätte mehr drauf.

Wie weiter mit dem FC Luzern?

Die erste Hälfte der Saison 2017/18 haben die Leuchten gründlich in den Sand gesetzt. Man sieht sich auf dem letzten Tabellenplatz. Und auch aus dem Cup musste man sich im Viertelfinale gegen Basel verabschieden. Wie soll das nun weiter gehen? Es gibt für mich zwei Möglichkeiten.

Trainer entlassen

Es gibt die Möglichkeit, das zu tun, was Fussballvereine in solchen Situationen immer tun: Man schmeisst den Trainer raus. Der Neue wird kommen und den FCL aus dem Abstiegskampf führen. In der nächsten Saison werden sie dann bessere Resultate erspielen, um dann spätestens in der folgenden Saison wieder in dieselbe Kriese abzugleiten. Wir haben diese Achterbahnfahrt in den letzten Jahren wiederholt beobachten können. Eine Trainerentlassung wird also nur für eine kurzfristige Besserung sorgen.

Neuaufbau mit jungen Talenten

Die zweite Möglichkeit aber wäre, den eingeschlagenen Weg, auf junge Talente zu setzen und eine Mannschaft über längere Zeit aufzubauen, konsequent weiterzugehen. Damit dies gelingt, müssen die Ziele aber entsprechend angepasst werden. Man muss sich damit begnügen, in der obersten Liga zu verbleiben und sich bestenfalls irgendwo im Mittelfeld zu klassieren. Aber ob die Investoren bei diesem Risikospiel mitmachen und die Fans die entsprechende Geduld mitbringen, ist fraglich.

Ich bin der Meinung, dass man dieses Experiment wagen sollte.

Die Lösung für die SRG: Eine Mediensteuer

Die NoBillag-Initiative verbietet in ihrem Verfassungstext die staatliche Subvention von Radio- und TV-Stationen sowie den eigenen Betrieb einer solchen Einrichtung. Des Weiteren wird die Eintreibung von Empfangsgebühren durch den Bund oder Dritte im Auftrage des Bundes verboten.

Eine Subvention ist, so lautet eine der möglichen Definitionen, eine staatliche Hilfe oder Unterstützung, ohne dafür einen marktgerechten Gegenwert zu erwarten. Exakt definiert ist der Begriff jedoch nicht. Dies lässt einen gewissen Spielraum in der Umsetzung der NoBillag-Initiative zu.

Einführung einer Mediensteuer

Die Lösung für die SRG, oder eine Nachfolgegesellschaft, ist eine Mediensteuer. Sie wird sinnvollerweise nicht von einer Inkassofirma eingetrieben, sondern direkt über die Bundessteuer abgerechnet. Möglicherweise ist eine geringfügige Erhöhung nötig, welche über eine weitere Volksabstimmung demokratisch legitimiert wird. Mit der SRG und allen anderen Empfängern werden glasklare Leistungsvereinbarungen vereinbart, damit sie von den Geldern profitieren können. Durch diese Leistungsvereinbarungen unterscheidet sich die öffentliche Finanzierung über Steuern von Subventionen, da neu ein entsprechender Gegenwert in Form von qualitativ hochstehendem Journalismus, kulturelle Bereicherung, Bildung und Information der Bevölkerung verlangt wird.

Mehrere Probleme gelöst

Damit lösen wir gleich mehrere Probleme auf einen Schlag. Als erstes wird der finanzpolitische Schlungg mit den Zwangsgebühren aus der Welt geschaffen. Durch die Abrechnung der Mediensteuer via Bundessteuer fällt zudem die Mitfinanzierung einer Inkassogesellschaft weg. Heute verschlingt die Billag gut 50 Millionen an Administrativkosten. Dem Bürger wiederum erspart sie eine zusätzliche unangenehme Rechnung im Briefkasten. Weiter können wir mit der Mediensteuer den Moloch SRG wieder gesundschrumpfen. Ein Downsizing ist nämlich nötig. Und wenn wir schon dabei sind, kann der Verteilschlüssel so optimiert werden, dass es auch privaten Stationen möglich wird, ein umfangreicheres Angebot zu produzieren und so attraktiver zu werden. Ausserdem wird durch die Leistungsvereinbarung die Politik endlich gezwungen, den Gummibegriff «Service public» klar und unmissverständlich zu definieren.

Umgestaltung einleiten

Zugegeben, auch so wird die SRG durchgeschüttelt. Durch die ungebremste Expansion der letzten Jahre ist dies aber nötig. Um eine Umgestaltung der Medienlandschaft in der Schweiz einzuleiten, muss man Ja zu NoBillag sagen. Durch die Einführung einer demokratisch legitimierten Mediensteuer können wir das von den Gegnern prognostizierte Desaster vermeiden. Und ja, es ist gleichzeitig eine Umgehung dessen, was die NoBillag-Initianten wollen.