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Wenn Kleinigkeiten ins Auge gehen

Veröffentlicht in Allgemein von Alexander Limacher am 29. Mai. 2007

Kürzlich war gemeinsames Grillieren mit Freunden angesagt. Um nicht alkoholtrunken Justizias Schergen in die Arme zu laufen und weitreichende Konsequenzen zu riskieren, beschloss ich per Fahrrad anzureisen. Immerhin war es ein schöner Frühlingsabend mit sommerlichen Temperaturen – also geeignet für sportliche Aktivitäten. Natürlich stand dabei, wie einleitend bereits erwähnt, nicht die körperliche Ertüchtigung im Vordergrund. 

Kurz bei der Tanke vorbeigeradelt und den Rucksack mit einer Kiste Bier aufmunitioniert, führte mich mein Weg über eine dicht befahrene Hauptstrasse mit Baustelle, was zweifelsfrei kein Vergnügen für den Radfahrer darstellt. Die Möglichkeit, eine etwas später auf meinem Weg befindliche Kreuzung auf einem Schleichweg zu umfahren, blieb mir verwehrt, weil der Grundeigentümer Velofahrer auf seinem Feldweg offenbar nicht duldet – mir zwar unverständlich, aber bitte. Die angesprochene Kreuzung habe ich verkehrstechnisch völlig falsch passiert, weil ich mich aufgrund des Abkürzungsmanövers auf der falschen Strassenseite befand. Die derzeitige Verkehrssituation liess diese Fahrweise glücklicherweise zu. Nachdem ich mich anschliessend noch elegant durch ein sich zur Marschprobe aufstellendes Musikkorps geschlängelt habe, standen mir nur noch zwei Widrigkeiten bevor. Das war die die Traversierung einer Autobahn, welches mir durch eine Brücke ermöglicht wurde, jedoch mit dem unvermeidbaren Übel verbunden, bergauf zu radeln. Ich bin ein Flachlandradler und stehe dazu. Mein Ziel befand sich in der Nähe eines Sees, welcher durch eine Moräne begrenzt wird. Selbige hatte ich also auch noch zu überqueren, um dann endlich ohne weitere Mühen in der Ebene Richtung Grillplatz zu schnaufen. 

Während den letzten Metern meiner Reise – ohne unnatürliche Anstrengungen, wie ich hoffte, passierte es dann. Nicht nur Radfahrer wie meiner einer erfreuten sich ab dem hochsommerlichen Abendklima im Frühling, auch zahlreiche Mücken und anderes fliegendes Kleingetier nutzten die Gunst der Stunde zu einem erquickenden Ausflug. Ein etwas unbeholfenes Exemplar dieser Spezies wurde wohl von der Flugverkehrskontrolle zu spät oder gar nicht gewarnt und befand sich auf direktem Kollisionskurs mit meinem Auge. Weder ich noch der Insektenpilot konnten ausweichen und so endete sein Ausflug in meinem Sehorgan. Für das Insekt tödlich, empfand ich die Begegnung ebenfalls als äusserst unangenehm. Nicht etwa, weil durch meine Anwesenheit ein Geschöpf Gottes sein Leben lassen musste, sondern weil sich sein Grab genau in meinem Auge befand. An dieser Stelle ist nun noch wichtig zu erwähnen, dass ich Linsenträger bin. Das in einem solchen Fall übliche Ausmassieren durch Reibung des Auges Richtung Gesichtsmitte stand folglich nicht als Option zur Verfügung. Bei dieser Technik ist es nicht möglich, den eingefangenen Fremdkörper von der mit Absicht eingesetzten Linse zu unterscheiden. So wusste ich mir temporär nur durch ganz feinfühlige Bewegungen zu helfen und war für kurze Zeit sogar der Überzeugung, den Missetäter entfernt zu haben.  

Nachdem ich dann am verabredeten Grillplatz angekommen war, wurde mir bewusst, dass sich noch immer etwas in meinem Auge befand, was da nicht hingehörte. Ich versuchte also weiterhin, mir mit gefühlvollem Reiben Erlösung zu verschaffen – doch ich scheiterte. Ich hielt es dann für notwendig, meine Freunde über den Flugunfall in Kenntnis zu setzen und bat die neben mir sitzende ausgebildete Arztpraxis-Assistentin, einen Blick in mein Auge zu werfen und mich von meinem leblosen Begleiter zu befreien. Natürlich waren die Lichtverhältnisse zu diesem Zeitpunkt nicht mehr optimal und ich vermutete erschwerend, dass sich das Insekten-Wrack nicht im problemlos zu erspähenden Bereich des Auges befand. Die Medizinalassistentin wusste um gewisse Techniken, die versteckte Absturzstelle aufzuspüren, musste jedoch aufgrund fehlender Praxis und nicht vorhandener mikrochirurgischen Instrumenten ihre Mission abbrechen. Dazwischen habe ich mir sauberes Wasser und eine Serviette besorgt und die Linse entfernt. Somit konnten jetzt zwar die Standardtherapien wie die Massage-Technik oder Auswaschen mittels Zufuhr von Flüssigkeit ins Auge angewendet werden – leider führte nichts zum Erfolg. Da ich mich aber nicht gerne hilflos ausgeliefert fühle, beschloss ich, sämtliche Massnahmen abzubrechen, die Linse wieder einzuführen und das Beste aus der Situation zu machen. Irgendwann weiss sich die Natur selber zu helfen und wird mir Linderung bescheren. Tatsächlich waren die Beschwerden weg, nachdem sich das Auge von den Verschmutzungen, die durch das Einsetzen der Linse nun zusätzlich zu erweitertem Tränenfluss führten, erholt hatte. Ich durfte einen beschwerdefreien Abend in illustrer Gesellschaft verbringen. 

Frühmorgens zu Hause angekommen, standen die üblichen Prozeduren vor dem Schlafen gehen an – unter anderem auch die Entfernung der Linsen. Kaum hatte ich sie herausgefummelt, wusste ich, dass sich noch gar nichts verbessert hatte. Ich werde diese Nacht wohl mit einer Leiche im Auge verbringen. Zur eigenen Beruhigung berief ich mich wieder auf die Erkenntnis, dass sich die Natur schon zu helfen wisse. Wenige Stunden später erwachte ich jedoch wieder und die Störung war mehr denn je spürbar. Nicht schmerzhaft, sondern einfach furchtbar lästig. Die Massage wurde erneut aufgenommen – schliesslich war ich ja linsenfrei. Im Auge reibend und zwischenzeitlich auch schon mit einem Becher Wasser für eine Ausspühlung bewaffnet versuchte ich verzweifelt, dem Unwohlsein ein Ende zu setzen, bis ich nach einigen Stunden niedergeschlagen zur Erkenntnis kam: ich brauche professionelle Hilfe. Ein Arzt muss her! Wenig Vertrauen in die Allgemeinpraktiker setzend machte ich mich im Internet auf die Suche nach einer Notrufnummer für augenmedizinische Notfälle und wurde wieder Erwarten fündig. Nach drei Klingeltönen wurde ich aber herb enttäuscht: eine Tonbandstimme teilte mir mit, dass diese Nummer ungültig sei. Ich war am Boden zerstört, wobei ich immer nervöser in meinem Auge herumfingerte und war gezwungen, meine emotionale Mischung aus Unglauben, Trauer und Wut erst einmal mit einer Zigarette wieder auf ein für weitere Überlegungen taugliches Niveau senken.  

Im Nachbardorf befand sich eine Augentagesklinik, das wusste ich. Somit konnte ich Google wichtige zusätzliche Suchkriterien angeben, um schneller zu den gewünschten Resultaten zu kommen. Die Zigarette bewirkte Wunder und nach wenigen Sekunden tippte ich die nächste Telefonnummer in mein Handy ein. Doch wieder ein Schock: die Praxis ist geschlossen. Pfingsten. Natürlich. Auf dem Tonband wurde ich auf das kantonale Spital in Luzern verwiesen – 25 Kilometer weg von mir. In der Ergebnisliste von Google war noch eine weitere Adresse in meiner Umgebung aufgeführt. Voller Erwartung rief ich da an und wurde – wen wunderts – wieder von einem Tonband begrüsst. Die Farbe meines Augapfels hat sich inzwischen von gesundem Weiss in aggressives Rot verwandelt. Das konnte ich einerseits im Spiegel begutachten, anderseits war es auch heftig spürbar. Mit dem eiskalten Vorhaben, mich zu töten, wenn im Krankenhaus auch niemand zu sprechen war, rief ich selbiges an. Mein Flehen wurde erhört und mir wurde ein Termin zugesichert. Jedoch musste ich mich noch zwei Stunden gedulden. 

Aus den zwei Stunden wurden aber dann alles in Allem fast fünf Stunden. Das Wartezimmer im Ambulatorium der Augenklinik des Kantonsspial Luzern war voller Menschen mit ähnlichen Problemen, wie ich aus den flüsternden Gesprächen Einzelner herauszuhören vermochte. Die 25 Kilometer lange Fahrt mit dem Auto übrigens ähnelte einem Spiessrutenlauf. An das Einsetzen der Linsen war nicht zu denken und meine Brille vermochte die Sehschwäche nur minder zu kompensieren. Tatsächlich befand sich hier der einzige diensttuende Augendoktor der gesamten Region Luzern. Die Schwester war bereits sichtlich genervt und als sich dann noch ein Wartender balkanischer Herkunft über die lange Wartezeit lautstark beschwerte, konnte sie ihrem Frust mit keck formulierten Belehrungen etwas Luft verschaffen. Nachdem es unser Freund aus fernen Landen vorzog, den Wartesaal zu ver- und seine beiden Frauen ihrem Schicksal zu überlassen, offenbarte sich eine ungewöhnliche Kommunikationsfreude bei einer anderen Patientin. Sie schien einen etwas schrulligen Eindruck zu hinterlassen und erklärte dem neben ihr wartenden Verletzten ihre Leidensgeschichte, während ihr Blindenhund gelangweilt auf dem Boden herumlag. Ihren Erzählungen zu Folge arbeitete sie in jungen Jahren selber in diesem Klinikum. Ihre ungebremste Redseligkeit beunruhigte mich dahingehend, dass sie den Arzt ebenfalls mit Belanglosigkeiten und Geschichten von damals zutexten könnte und so die Wartezeit für mich und die anderen künstlich verlängert. Erfreulicherweise handele es sich beim Arzt aber um eine äusserst attraktive, junge und zierliche Ärztin und die alte Dame verzichtete nach dem Verlassen des Untersuchungszimmers weitgehend auf unnötige Konversation. Ich war erleichtert und einige Minuten danach sogar richtig glücklich, als ich nach über 90 Minuten Aufenthalt im Wartebereich endlich auf den Patientenstuhl gebeten wurde. 

Nach kurzer Suche fand die junge Medizinerin die Ursache meines Leidens und konnte selbiges mit Hilfe geeigneter Instrumente und vorgängigem Betäuben der Augennerven souverän entfernen. Es war zwar für uns beide nicht zu erkennen, was für ein Teil des Unglücksinsektes sich jetzt unter meinem Oberlied verkrochen hatte, aber zu diesem Zeitpunkt interessierte mich das gleich viel, wie wenn in Ostchina ein Sack Reis umfallen würde. Mit einem völlig neuen Lebensgefühl verliess ich die Klinik und die Stadt und verbrachte den Rest des Abends geniessend zu Hause vor dem Flimmerkasten und wunderte mich, dass ein dummes Wesen wie ein Insekt – oder auch nur ein Teil eines solchen – einen Menschen und somit quasi den Primus der territorialen Lebewesen derart aus der Bahn zu werfen vermag.

Abk. – Aneinanderreihung (von) Buchstaben = Katastrophe

Veröffentlicht in Allgemein von Leonore Häfliger am 23. Mai. 2007

Ob „WHO“, „CVP“, „ADS“ oder klar und unmissverständlich „BAZL“ – in der heutigen Zeit leben wir von und mit so genannten Kürzeln. Es scheint nichts erfüllenderes zu geben, als Texte mit Abkürzungen voll zu stopfen, sodass auch ganz bestimmt niemand mehr weiss was gemeint ist und zum Schluss jedermann noch verwirrter ist als vor dem Lesen der scheinbar sinnlos aneinander gereihten Schriftzeichen.

Nehmen wir uns als Beispiel doch mal die Abkürzung „BB“ vor: Diese beiden Buchstaben können sowohl für „Bundesbahn“, „Bébé“, „bis bald“, „bye bye“ und viele weitere Ausdrücke stehen. Im Falle einer Verwechslung des vom Autor gebrauchten Grundgedanken der Abkürzung „BB“ durch einen unwissenden Leser können verheerende Konsequenzen entstehen. Stellen Sie sich doch einmal ein Manuskript über die Abschaffung oder Vernichtung der Bundesbahn vor, welches von frisch gebacken Eltern aufgrund des nicht ganz klar definierten Codes „BB“ auf ihr neugeborenes Kind bezogen wird. Nicht nur trifft man bei den Eltern auf Unverständnis – nein – dieses Missverständnis kann auch finanzielle Nachwirkung durch Klagen zur Folge haben.

Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, kann sogar der Weltfrieden vom Nichtgebrauch von Kürzeln abhängen. So geht man beim Gebrauch von Abkürzungen immer wieder das Risiko ein, dass die gewählten Buchstaben in einer anderen Sprache für etwas völlig anderes stehen. Wer sagt uns zum Beispiel, dass unsere galant gemeinter Code „mfg“ in einer uns unbekannten afrikanischen Ursprache nicht eine Kriegerklärung bedeutet?

Aus diesen Gründen, aber vor allem auch aus Rücksicht auf unsere Mitmenschen sollte, wo immer möglich, auf diese nervigen Kürzel verzichtet werden. Natürlich ist mir bewusst, dass dadurch enorme Mehrarbeit für den Schreibenden entsteht und dass es einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet die Worte ausschreiben zu müssen. Doch malt euch einmal die Freude aus, die beim Lesen eines Textes ohne die schwachsinnigen und unverständlichen Buchstabenaneinanderreihungen aufkommen kann – einfach dbweidhZpk (das beste was einem in der heutigen Zeit passieren kann)!!!

Informatiker sind auch nur Menschen

Veröffentlicht in Allgemein von Alexander Limacher am 23. Mai. 2007

Immer wieder erlebe ich, dass mich irgend jemand aus meinem direkten oder weiterreichenden Kollegenkreis auf irgend ein nulpiges Computer-Problem anspricht. Es fängt jedesmal auf die selbe Art an: “Du bist doch ein Computer-Experte …” oder “Du kennst Dich doch mit PC’s aus …”. Schon wenn ich nur diese paar Worte an mich gerichtet höre, könnte ich schreien.

Ja, ich kenne mich mit Computern aus. Ich weiss, wo wie ich meine Kiste am Morgen in Gang bringe. Ich weiss auch, wo ich eine CD reinschieben muss und ich habe relativ viel Übung im Umgang mit meinem Mail-Programm. Das selbe übrigens kann jede einigermassen gut ausgebildete Sekretärin ebenfalls. Im Übrigen weiss ich auch, wie ich mein Auto am Morgen starte um überhaupt dahin zu kommen, wo mein PC sehnsüchtig auf mich wartet. Und ja, ich bin tatsächlich ein Informatiker.

Doch scheint es im allgemeinen Glauben zu sein, dass sich jeder sogenannte Informatiker mit sämtliche Facetten dieser digitalen Wundermaschine auskennt. Komplett! Natürlich weiss ich sofort nach drei kurzen erklärenden Sätzen, wo mein Gegenüber denn jetzt genau mit einem Problem zu kämpfen hat. Ich bin mir jederzeit voll besusst, mit welchem Programm er arbeitet und welche Schritte er zuvor unternommen hat, um sein Problem überhaupt kennen zu lernen. Informatiker kennen sich ja nicht nur mit Computern aus, sondern sie haben auch die Macht des “Hellsehens” in sich.

Natürlich ist das nicht so und versucht man das seinem Gesprächspartner zu erklären, blickt man entweder in ein unheimlich trauriges und enttäuschtes Gesicht oder man wird als inkompetent verhöhnt. Für den Laien scheint es nicht nachvollziehbar zu sein, dass man halt eben nicht alles wissen kann, wenn man über Computer Bescheid weiss.

In meinem Fall ist das so: ich arbeite den ganzen Tag mit diesen Geräten und es macht mir Spass. Ja wirklich. Nur weiss man ja aus seiner guten Erziehung, dass jeder Spass mal ein Ende hat. Bei mir trifft das oftmals dann zu, sobald ich das Büro verlasse. Dann hab ich Feierabend und will mich nicht noch weiter mit Computern beschäftigen, weil ich vielleicht einen wirklich schlechten Tag hinter mich gebracht habe und mich die Computer nur genervt haben. In so einem Moment habe ich dann doch ziemlich wenig Verständis für das Problem meines Kollegen mit seinem ADSL-Router. Will ich dann die Erklärung abgeben, dass ich mich mit der Installation von Breitband Internetanschlüssen nicht auskenne, schwappt mir eine Welle von Unverständnis entgegen, da ich doch das zu Können habe. Dass ich bei der Installation von meinem Internet-Zugang wie ein Dilletant in den Handbüchern blättern musste, vermeide ich in dieser Situation aus Selbstschutz jeweils zu erwähnen.

Noch brenzliger wird die Situation, wenn man einer Person tatsächlich mal bei einem Problem zur Hand ging. Die wird zur Klette! Bringst du nicht mehr los. Gestern war’s der Monitor, heute klappert die Tastatur und morgen soll ich ein neues CD-Laufwerk einbauen – ich mit meinen zwei linken Händen. Na das wird lustig. Manchmal können bei solchen Aktionen mehrere Stunden verstreichen. Zeit, die man sich danach in den Allerwertesten schieben kann. Denn schliesslich ist es ja ein Kollegialdienst – will heissen: umsonst! Müsste man einen der hundert PC-Doktoren aus den Gelben Seiten bemühen, wird das natürlich knapp für’s Budget.

Liebe Welt, Informatiker sind auch nur Menschen. Die wollen auch einmal von ihrem Beruf abschalten und an etwas anderes denken. Informatiker sind nur noch in den seltensten Fällen schneebleiche Kellerasseln mit zentimeterdicken Hornbrillen und abgelatschten Turnschuhen. Informatiker haben auch ein Leben neben dem Computer. Bitte denkt daran.

Studenten – eine faule und nichtstuende Spezies

Veröffentlicht in Allgemein von Leonore Häfliger am 22. Mai. 2007

Gibt es etwas nervigeres als nachts um 1 Uhr beim Verlassen einer Party auf Studenten zu treffen und zu wissen, dass diese Hochschüler noch bis in die frühen Morgenstunden weiterfeiern können? Natürlich würde man selbst liebend gern auch noch bleiben, doch die Gewissheit morgens wieder um 8 Uhr im Büro antraben zu müssen lockt einem ins Bett. Die Studis hingegen lassen ihre, im ungünstigsten Falle schon in aller Frühe beginnende, Vorlesung sausen – denn schliesslich findet diese auch ohne sie statt. Der verpasste Stoff braucht ja dann auch nicht nachgeholt zu werden, denn wen kümmert schon so ne armselige vierstündige Prüfung zum Ende des Semesters?

Doch nicht nur auf Partys blicken alle vernünftigen und artigen Menschen missgünstig und aufgebracht zu den Hochschülern herab – nein – auch in vielen anderen Situationen des täglichen Lebens kann man sich so richtig schön über die „Möchte-gern-Doktoren“ aufregen. Sei es nun beim Einkaufen oder beim Schwimmbadbesuch – nirgends hat man seine Ruhe vor den Studenten. Dank deren andauernder und niemals endender Freizeit (die nur höchst selten durch eine klitzekleine Vorlesung unterbrochen wird) ist man nirgendwo mehr sicher vor dieser hemmungslosen und nichtstuenden Spezies. Dass auch die Akademiker Termine haben und neben den unwichtigen Vorlesungen Semiararbeiten schreiben müssen ist schlicht und einfach nur ein ungeheuerliches Gerücht.

Auch dass Gemunkel, dass es Studenten gibt, die in ihrer vorlesungsfreien Zeit zur Arbeit genötigt werden, kann man ohne weiteres entkräften. Der Staat oder besser gesagt die kantonalen Ämter stellen schliesslich jedes Jahr ausreichend Gelder für Stipendien zur Verfügung. Und wie allgemein bekannt ist, sind Studenten sowieso die Zöglinge reicher Vorfahren, die ihren Schützligen gerne ihr Geld zum Verprassen zur Verfügung stellen. Unsinniges Geschwätz über unzureichende Studienbeiträge der Behörden sollten vom gesitteten Bürger gar nicht erst toleriert werden – so weiss doch jeder, dass es sich nur um leichtsinniges und unwahres Geschwafel handelt.

In diesem Sinne – liebe Mitstreiter – kämpft weiter gegen das empörende Verhalten der Hochschüler an und lasst euch durch nichts von eurer objektiven Meinung über das faule Studentenpack abbringen!!!

Vom Sinn der Rock-Konzerte

Veröffentlicht in Allgemein von Leonore Häfliger am 22. Mai. 2007

Als erfahrener Konzertegänger weiss man, dass es von Vorteil ist, sich schon vor dem Konzert mit Bier vollzudröhnen, damit die Wahrnehmung verzerrt wird. Es wäre doch zu schade, wenn man die Klangwelten in nüchternem Zustand mitbekäme und sich auch noch im nach hinein an alle Einzelheiten erinnern könnte. Und auch das Pogen – bzw. das schmerzhafte Aneinandergeraten mit anderen Konzertbesuchern – wäre ohne Genussmittel nur halb so lustig, denn mit Alkohol hat man wenigstens eine gute Ausrede, warum man sich nicht mehr unter Kontrolle hat.

Das Gute an diesem Tanzstil, dem sogenannt Pogen oder Pogo, ist des Weiteren, dass man weder Takt- noch Musikgefühl braucht. Hauptsache man hopst auf und ab und versucht in der Zwischenzeit möglichst viele Umherstehende und –tanzende anzustossen und diese in ihren Bewegungen einzuschränken. Die Krönung des Ganzen besteht darin, ein schmerzverzehrtes Gesicht beim Gegenüber hervorzurufen oder die langweilig herumstehenden Leute im hinteren Bereich der Halle gegen ihren Willen in den Pogo-Tanz miteinzubeziehen.

Auch das tonnenweise Vernichten von Zigaretten, sprich Rauchen, darf an solchen Musikveranstaltungen nicht fehlen. Es ist nicht nur die Rettung vor der bevorstehenden Langeweile der Musikliebhaber während des Konzertes – nein – der Rauch sorgt auch für die Zerstörung der Stimme des Sängers. Es wäre unvorstellbar das Gejaule des Künstlers in seiner natürlichen Ausprägung ertragen zu müssen (dieser könnte ja die richtigen Töne treffen…), so sorgen die Leute lieber gleich beim Betreten der Halle für angepasste Luftverhältnisse.

Ein weiterer grandioser Nebeneffekt des Rauchs sind die eingeschränkten Sichtverhältnisse. So ist zum Glück schon im vornherein dafür gesorgt, dass die Band auf der Bühne durch die Vernebelungen in der Luft nicht mehr zu erkennen ist. Schliesslich will man sich während des Konzertes nicht mit solchen Nichtigkeiten wie den lärmproduzierenden Schöpfergeistern auf der Bühne abgeben.

Also Schluss mit dem Gerücht, dass viele zu Konzerten gehen, um sich von der Musik mitreissen zu lassen, ihre Götter einmal live auf der Bühne stehen zu sehen und die besondere Stimmung, die an solchen Anlässen herrscht, zu geniessen. Schliesslich geht es nicht darum die Musik, statt aus der Konserve, von der Band direkt zu hören, den Bass in allen Teilen des Körpers zu spüren und ein Teil der Musik zu werden, oder?!

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