Die SRG muss sich nicht erklären

Auf 20min.ch gibt es ein Interview mit Gilles Marchand, SRG-Generaldirektor, zu lesen. Dort wird unter anderem das Problem mit der Arroganz angesprochen. Marchand meint dabei, dass diese der SRG vorgeworfene Arroganz eine Legende sei. Das ist schade, denn diese Art Antwort zeigt nun eben genau, wie arrogant die SRG ist. Und er meint zudem, dass es sich dabei nur um ein Wahrnehmungsproblem handelt.

Es ist nicht gut, wenn uns die Bevölkerung als arrogant wahrnimmt. Das darf nicht sein. Deswegen werden wir uns den Zuschauerinnen und Zuschauern, den Zuhörerinnen und Zuhörern in Zukunft noch besser erklären müssen.

Doch auch hier liegt der Generaldirektor komplett falsch. Die SRG muss sich nicht erklären. Die SRG muss die Kritik ernst nehmen. Und vor allem muss die SRG mit konkreten Massnahmen etwas gegen diese Kritik tun. Und zwar so, dass die Kritiker merken, dass etwas geht.

Pünktlichkeit

So gehen beim SRF-Kundendienst immer wieder Beschwerden ein, weil Sendungen nicht pünktlich beginnen. Auch bei Hallo-SRF war dies bei beiden Live-Sendungen ein Thema. Geändert hat sich nichts. Stattdessen wurde erklärt, weshalb es «ab und zu» zu solchen Verspätungen kommt. An der Pünktlichkeit wurde jedoch nicht gearbeitet. Nach wie vor starten Sendungen auf SRF oft mehrere Minuten später als programmiert. Die SRG muss sich nicht erklären, sie muss handeln. Denn sonst wird das als Arroganz wahrgenommen. Und es ist Arroganz.

Programmhinweise

Dasselbe Spiel übrigens mit Programmhinweisen, sogenannten Trailern. Ebenfalls bei beiden Hallo-SRF-Sendungen wurde die Anzahl und die Penetranz dieser Trailer kritisiert. Auf meine persönliche Nachfrage hin im Studio erklärte Ruedi Matter, dass man die Trailer reduziert hätte. Gemerkt habe ich als Zuschauer aber davon nichts. Noch immer werden mir tagelang dieselben Programmhinweise zum Teil mehrmals während derselben Werbepause oder Programmwechsel um die Ohren gehauen.

Auf meine ebenfalls in der letzten Hallo-SRF-Sendung gestellten Frage, was man konkret für Massnahmen aus der Zuschauerumfrage abgeleitet hat, wich Matter aus und erzählte etwas von Workshops mit den Sportmoderatoren. Aber auch hier habe ich nichts bemerkt. Und was es für andere Massnahmen gab, wurde auch nicht erwähnt.

Die SRG muss sich nicht erklären. Die SRG muss handeln. Und zwar so, dass der Zuschauer sowie die Zuschauerin etwas davon merken. Merken sie nämlich nichts davon, fand die Massnahme nicht statt. Und Massnahmen auf Kritik, die nicht stattfinden, werden als Arroganz wahrgenommen. Weil es Arroganz ist.

TV-Kritik: 50 Jahre Rundschau

Das Polit-Magazin «Rundschau» feiert sein 50jähriges Jubiläum. Nicht viele TV-Formate halten so lange durch. Ein Grund zum Feiern. Selbstverständlich. Und im Fernsehen tut man dies in der Regel mit einer Sondersendung.

Schwarz-Weiss

Früher wurde in der Sendung geraucht und getrunken. Früher wurden TV-Bilder auch in Schwarz-Weiss ausgestrahlt. Dass nun aber die gesamte Begleitmoderation der Sondersendung in ebendiesem Farbsetting ausgestrahlt werden musste, entbehrt jedem guten Geschmack. Ein Griff in die gestalterische Mottenkiste. Einfallslos, langweilig, eintönig und schlichtweg för d’Föchs! Wie gern hätte ich das alte Dekor mal in Farbe gesehen und den alten Geschichten von früher gelauscht. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich dieses Dekor in seiner Zeit gar nie gesehen habe.

Seltsame Themenwahl

Auch nicht gekannt habe ich einige der gezeigten Ausschnitte aus vergangenen Reportagen. Wie auch, bin ja noch keine 50. Aber merkwürdig fand ich die Auswahl der gezeigten Themen schon. Das kann doch unmöglich das interessanteste und brisanteste aus 50 Jahren gewesen sein. Da habe ich etwas mehr erwartet. Auch ein umfangreicherer Blick hinter die Kulissen, hinter die Geschichten hätte interessiert. Aber auch der witzige Zusammenschnitt am Schluss gab eigentlich gar nichts her. Alles wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Lachen oder Schmunzeln konnte ich nie. Zu scharfer Schnitt.

Schade. Vielleicht muss man aber einfach akzeptieren, dass die Macher der «Rundschau» mehr von Journalismus verstehen als von Jubiläumssendungen. Denn diese Jubiläumssendung war für die Tiefen des Fernseh-Archivs. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Produktion nicht so viel gekostet hat und, wie Sandro Brotz so süffisant bemerkte, dass beim SRF heute viel sorgfältiger mit dem Gebührengeld umgegangen wird.