Mein Fazit zur WM-Berichterstattung vom SRF

Während der WM 2014 musste das Schweizer Fernsehen heftige Kritik bezüglich ihrer Berichterstattung vor, während und nach den Spielen einstecken. So würden sich viele Zuschauer die Spiele statt auf «dem Schweizer» bei der deutschen Konkurrenz anschauen. Grund seien die lahmen Kommentatoren und die banalen Experten im Studio. Ich teile diese Meinung nicht ganz.

Einziger Lichtblick im Studio: Carlo Bertolini

Die Leistung der Moderatoren im Studio vor und zwischen den Spielen ist tatsächlich jämmerlich. Mit Würgen und Stöhnen versuchen sie jeweils verzweifelt, mit ihren zwei Experten über das Spiel zu diskutieren. Der sachliche Gehalt bleibt dabei meist auf der Strecke. Schön ist die Idee, Spielzüge vom Experten grafisch aufbereiten, analysieren und danach kommentieren zu lassen. Mir unverständlich dabei aber, weshalb der Experte die Pause- und Play-Taste nicht selber drücken darf. Das dadurch Bild und Expertenkommentar nur selten übereinstimmen, macht die Analyse für den Zuschauer unerträglich.

Das selbe Problem stellt sich auch bei den Analysen von Chef-Schiri Carlo Bertolini. Doch Bertolini kompensiert dies jedoch durch absolute Kompetenz und der nötigen Portion Witz. Für mich ist er das absolute Highlight im WM-Studio von SRF. Mir bislang nicht erschlossen hat sich allerdings, ob die beiden Moderatoren mit Bertolini jetzt per Du oder per Sie sind. Da wurden zeitweise im selben Satz beide Varianten benutzt. Und ich wurde nie den Eindruck los, als ob Salzgeber und Hüppi den Mann nicht so recht ernst genommen haben. So ein gewisser Unterton schwingte da immer mit. Schade Aber es machte sich auch bei den Gesprächen zwischen den Experten in den bequemen Sesseln und dem Referee das «Arena-Syndrom» bemerkbar. Entstand tatsächlich eine Diskussion, wurde sie vom Moderator abgewürgt. Beim SRF handelt man offenbar geschlossen nach dem Schema: Moderator fragt – Experte A antwortet – Moderator stellt die gleiche Frage an Experte B – Experte B antwortet – Experte A widerspricht – Moderator unterbricht und formuliert den Widerspruch selber an Experte B – Experte B darf sich rechtfertigen – Moderator …

Loben muss ich jedoch Alain Sutter. Grundsätzlich langweilt mich der Mann mit seinen Aussagen, besonders zur Nati. Sie können noch so desolat und konzeptlos auf dem Platz herumstolpern, Sutter findet immer irgend etwas, was sie richtig gemacht haben und redet damit alles rosarot und wunderschön. Diesmal allerdings fiel ihm doch der eine oder andere witzige Spruch aus dem Mund. Ich finde das erwähnenswert.

Ruefer top

Schlechte Noten bekamen auch die Kommentatoren. Besonders über Sascha Ruefer regt man sich auf. Es mag wohl war sein, dass seine Kommentare nicht sonderlich vor Fussballwissen strotzen. Aber der Unterhaltungswert von Ruefer, und besonders bei den Spielen der Schweizer Nati seine Emotionen, finde ich super. Bei ihm geht einiges mehr ab als beispielsweise bei Dani (Lang)Wyler mit seinen ewig guten Spielverlagerungen bei jedem Pass auf die Seite, der länger als 20 Meter ist. Und irgend jemand sollte Wyler unbedingt erklären oder vorsingen, wie man das Wort «Pass» ausspricht.

Ruefer wird auch nachgesagt, er sei zu laut. Dann aber wirklich lieber einen lauten Kommentator als einen wie Patrick Schmied, der so monoton und tonlos ins Mikrophon nuschelt, dass man überhaupt nichts versteht. Über Beni National scheint man sich nicht mehr aufzuregen. Lohnt sich ja auch nicht, denn nach dem WM Final hört er auf. Und da war doch noch einer … ach ja, Dani Kern. Über ihn kann man nicht lästern. Er stört nicht.

Für mich ist Sascha Ruefer von allen Kommentatoren vom SRF der Beste, auch wenn er nicht an die Qualität der deutschen Quasselstrippen herankommt. Muss er auch nicht. Die «Tiiitsche» wissen nicht zwingend mehr, sie tönen nur professioneller.

Und die Nati?

Tja. Es ist dasselbe wie vor vier Jahren. Wer keine Tore schiesst, keine Tore schiessen will oder sich nicht getraut, welche zu schiessen, kassiert sie. Argentinien wäre an diesem Abend zu schlagen gewesen. Aber egal. Es beginnt jetzt eine neue Zeitrechnung.

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