Der Aff und die Journaille

Ueli Maurer marschierte in den Nationalratssaal zur Debatte über den Gripen. Ihm dicht auf den Versen ein Kameramann des Staatssenders SRF. Zu dicht, fand der Bundespräsident und knallte ihm ein genervt scharfes «Aff» vor den Latz. Diese unbedeutende Begegnung zweier Menschen war dem Nachrichtenmagazin 10 vor 10 wichtig genug, um dann am Abend in der Sendung genüsslich darauf rumzureiten.

Skandal gesucht – nicht gefunden

Entgegen meinen Erwartungen blieb die grosse Entrüstung darüber in den Medien allerdings aus. Nur dann und wann fragte sich wieder irgend ein Käseblatt, ob man als Politiker so was überhaupt sagen dürfe, ob sie allmählich die Beherrschung verlören oder, heute der Blick, ob sie immer primitiver werden. Der «Skandal» schleimt sich zähflüssig aber stetig den Medienkrater hinunter. Aber irgendwie hinterlässt er nicht die gewünschten Brandwunden. Und weil offenbar die Öffentlichkeit zu wenig Mitleid mit dem Kameramann oder der ganzen Medienmeute generell empfindet, holt man zum Gegenangriff aus.

Unfähig zur Selbstkritik

Kritik war schon immer die grosse Stärke unserer Qualitätsjournaille. Jedoch nur dann, wenn sie diejenige ist, die Kritik austeilt. Aber selber Kritik einstecken? Fehlanzeige. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Medienmeute aufheulte, als sich 2009 das VBS die Freiheit nahm, falsche Presseberichte im Internet richtig zu stellen.

Nicht nur fehlende Kritikfähigkeit zeichnet den Schweizer Qualitätsjournalismus aus. Sie nehmen sich auch ungeheuer wichtig. Kürzlich verschickte ich eine Medienmitteilung. Postwendend kam die forsch fordernd formulierte Bitte des lokalen Wochenblattes, ich solle doch künftig solche Mitteilungen mindestens drei Tage vor Redaktionsschluss zustellen, da sie Geschichte für sie nicht mehr interessant seien, wenn die Tageszeitungen rings herum schon darüber berichtet hätten. Ist es mein Problem, dass die Lokalzeitung nur einmal in der Woche erscheint?

Weniger jammern, dafür mehr Qualität

Der Schweizer Medienzirkus scheint sich dadurch zu definieren, Kritik auszuteilen, selber aber keine einzustecken und sich enorm wichtig zu nehmen, ohne es zu sein. Etwas mehr Selbstreflektion und Rückgrat wäre angebracht. Guter Journalismus besteht weder darin, aus irgendwelchen Posts auf Twitter oder Facebook eine Story zusammen zu schustern, noch im Abschreiben von Inhalten aus anderen Blättern oder Online-Inhalten. Über die Qualität der Berichterstattung sagt nicht die Geschwindigkeit der Newsverbreitung, aber der effektive Informationsgehalt etwas aus. Und wenn der Informationsgehalt stimmt, wird auch dafür bezahlt.

Ja zur Änderung des Arbeitsgesetzes

Dass wir, das Volk, am 22. September über eine Änderung im Arbeitsgesetz abstimmen müssen, was gerade mal 20 bis 30 Verkaufläden betrifft, ist eigentlich schon bizarr genug. Noch bizarrer aber ist die aktuelle Situation, welche mit der vorgeschlagenen Änderung korrigiert werden soll. Während man in einem Tankstellen-Shop mit 24-Stunden-Bewilligung zwischen 01:00 Uhr und 05:00 Uhr zwar Benzin und einen Kaugummi kaufen darf, ist der Erwerb einer Tiefkühlpizza oder einer Bratwurst verboten. Ganze Regale müssen während dieser Zeit abgedeckt werden, weil die Produkte darin in der Nacht nicht verkauft werden dürfen.

Am bizarrsten aber ist die Argumentation derer, die sich gegen diese kleine Korrektur im Arbeitsgesetz wehren. Statt mit rationalen Argumenten aufzufahren, beschwören sie die Verschwörungstheorie der 24-Stunden-Shopping-Gesellschaft herauf und die wichtigste Frage aus ihrer Sicht ist: «Müssen wir wirklich zu jeder Zeit alles kaufen können?»

Nein. So zumindest lautet die Antwort auf die oben gestellte Frage. Zumindest im Kanton Luzern hat sich der Souverän in der Vergangenheit mehrmals gegen eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. Doch darum geht es nicht. Es geht lediglich darum, dass die Sortimentsbeschränkung aufgehoben wird, die heute das Ladenpersonal dazu zwingt, für die Sperrzeit ganze Regalreihen abzudecken und den Kunden zu erklären, dass gewisse Produkte zu gewissen Zeiten nicht verkauft werden dürfen. Das Theater, welches die sozialpolitischen Moralisten hier aufführen, hilft keinem einzigen Arbeitnehmer, welcher sich die Nacht in den Bauch stehen muss. Das Personal befindet sich so oder so im Laden.

Aber durch die Annahme der Gesetzesänderung könnte man denjenigen mindestens die Arbeit abnehmen, die Regale abzudecken und sie würden nicht mehr von Kunden angeschnauzt, welche diese wirklich idiotische Sortimentsbeschränkung nicht verstehen. Durch die Annahme der Änderung wird kein Mensch mehr während der Nacht arbeiten müssen. An der Bewilligungspraxis für die 24-Stunden-Öffnungszeiten wird sich nichts ändern.

Deshalb Ja zur Änderung des Arbeitsgesetzes am 22. September 2013.

NEIN zur Abschaffung der Wehrpflicht

In der Bundesverfassung steht in Artikel 58:

² Die Armee dient der Kriegsverhinderung und trägt bei zur Erhaltung des Friedens; sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung. Sie unterstützt die zivilen Behörden bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohungen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung anderer ausserordentlicher Lagen. Das Gesetz kann weitere Aufgaben vorsehen.

Wenn die Initiative der GSoA angenommen wird und die Wehrpflicht abgeschafft ist, wird sich in Zukunft eine Horde Freiwilliger darum kümmern, dass es keinen Krieg gibt. Freiwillige werden dafür sorgen, dass der Frieden erhalten bleibt – und falls es schief läuft, werden sich die selben Freiwilligen um die Verteidigung unseres Landes kümmern. Freiwillig.

Eine freiwillige Miliz-Armee funktioniert nicht

Was aber passiert, wenn sich für diese Aufgabe nicht genügend Freiwillige finden? Ganz nach dem Motto: «Stell Dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin»? In unserem Falle würde das bedeuten, dass der böse Feind kommt, sich ihm freiwillig aber niemand entgegenstellt. Die Sicherheit unseres Territoriums und unseres Volkes ist nicht gewährleistet.

Nehmen wir an, heute in einer Zeit des Friedens, würden wir annähernd genügend Freiwillige finden und könnten den Betrieb der Armee so «häbchläb» aufrecht erhalten. Auch ist es für die Männer und Frauen nicht problematisch, sich freiwillig zum Dienst zu melden. Immerhin ist aktuell keine Bedrohung in Sicht. Doch was, wenn sich die Sicherheitslage verschärft und mit einem «Ernstfall» zu rechnen ist? Wie sieht es dann mit der Freiwilligkeit aus? Dann, wenn eine Bedrohung real wird?

Das funktioniert so nicht.

Fast so teuer wie eine Berufsarmee

Die Initianten argumentieren auch damit, dass eine sogenannte freiwillige Miliz kostengünstiger sei. Dem ist aber nicht so. Damit sich überhaupt Freiwillige finden, müssen die finanziellen Anreize derart hoch sein, dass aus der freiwilligen Milizarmee quasi eine teure Berufsarmee wird. Es werden nie genügend Personen freiwillig Militärdienst leisten, ohne dafür entsprechend entschädigt zu werden. Heute ist das kein Problem, da grundsätzlich alle Dienst leisten müssen.

Deshalb Nein zur Volksinitiative «Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht»!