Abschaffung der Kirchensteuer für juristische Personen im Kanton Luzern

Anfang 2013 unterstellte das Pfarreiblatt Sursee der SVP hinterhältige Methoden in der Asylpolitik, weil die Partei aufgrund der Verzögerungspolitik der zuständigen Bundesrätin die Durchsetzungsinitiative lancieren und einreichen musste, um dafür zu sorgen, dass die angenommene Ausschaffungsinitiative endlich umgesetzt wird. Franz Grüter, Präsident der SVP des Kantons Luzern, reagierte sogleich mit einem Brief an die Redaktion. Auf die Publikation des Textes verzichteten die Macher des Pfarreiblattes jedoch, und dies, obwohl sie eigentlich an anderen Meinungen interessiert wären. So steht jedenfalls auf der Homepage der Pfarrei Sursee folgendes:

Mit viel Engagement schicken wir Ihnen 2mal im Monat unser Pfarreiblatt. Wie in der Predigt ist leider auch ein Pfarreiblatt eine Einbahnstrassen-Kommunikation. Das Internet bietet uns da andere Möglichkeiten. Daher freuen wir uns, wenn Sie uns hier im BLOG zurückmelden, wo Sie anderer Meinung sind, wo Sie selbst einen Gedanken weitergedacht haben und uns Ihre weiteren Erkenntnisse mitgeben wollen. Wir sind gespannt von Ihnen zu hören.

Davon Gebrauch gemacht hat bis zur Veröffentlichung dieses Artikels hier genau eine (1) Person.

Kritische Reaktionen werden vom dialogsuchenden Pfarreiblatt Sursee also unterschlagen. Dafür liess man es sich in der Folge nicht nehmen, mehrfach gegen die Verschärfung des Asylgesetzes zu monieren. Da jedoch auch die CVP für die Revision eintrat, wurde ein etwas sanfterer Ton angeschlagen und man konnte nicht einfach nur auf die SVP einprügeln.

Doch als die Junge SVP zusammen mit den Jungfreisinnigen des Kantons Nidwalden am 1. Mai 2013 die Lancierung ihrer kantonalen Volksinitiative «Schluss mit Kirchensteuern für Unternehmen» bekannt gab, war das Pfarreiblatt Sursee wieder zur Stelle und schrieb in der Ausgabe 11-2013:

Eine Firma kann keinen Glauben haben, also soll sie auch keine Kirchensteuern bezahlen müssen. So begründet das Komitee der Jungfreisinnigen und der Jungen SVP Nidwalden seine Volksinitiative. Dazu ist zu bemerken: Unternehmen, gerade im Kanton Nidwalden, profitieren von vorteilhaften Steuerregelungen. Ohne die Kirchensteuern der Firmen in der Höhe von rund 1,5  Millionen Franken pro Jahr könnten viele soziale und gesellschaftliche Aufgaben nicht bewältigt werden und vor allem die kleineren Kirchgemeinden würden darunter leiden.

Nun gut, man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen und sagen: Die Kirche wird mit so einer Initiative direkt angegriffen und soll sich entsprechend verteidigen dürfen. Dem würde ich auch zustimmen. Doch ich werde den fahlen Beigeschmack nicht los, dass die Redaktion des Pfarreiblatt Sursee in der SVP einfach einen Lieblingsfeind gefunden hat und jede Möglichkeit nutzt, um zu sticheln.

Generell bin ich der Meinung, dass sich die Kirche aus der Politik raus halten soll – oder zumindest auf solch tendenziöse Äusserungen, wie sie im Pfarreiblatt Sursee zu lesen sind, verzichtet. Die Politik ihrerseits schreibt den Pfarrern ja auch nicht vor, wie und was sie predigen.

Weiter bin ich der Ansicht, dass wir im Kanton Luzern ebenfalls die Lancierung einer Initiative zur Abschaffung der Kirchensteuern für juristische Personen prüfen sollten.

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