Nicht nur die Truppe sieht den Sinn der Armee nicht

Die Armee führte im Jahr 2012 eine Meinungsumfrage durch, um die Stimmung in der Truppe zu erfassen. Nun liegen die Ergebnisse vor und die NZZ berichtet, dass ein Grossteil der Armeeangehörigen den Sinn der Armee nicht sieht.

Nur knappe 40 % der Befragten sind der Ansicht, dass sie mit ihrer Dienstleistung direkt oder indirekt einen Beitrag zur Sicherheit der Schweiz leisten. Das sei ein ernüchterndes Resultat, denn «hier geht um die Raison d’être der Armee», lässt sich der Informations-Chef der Armee, Christoph Brunner, in der NZZ zitieren.

Blattmann lässt die falschen briefen

Armee-Chef André Blattmann bläst nun zur grossen Aufklärungs-Offensive und verknurrt seine Brigadiers und Divisionäre zu persönlichen Vorträgen vor jeder einzelnen Einheit, wo sie über den Sinn der Armee referieren sollen. Diesen Aufwand allerdings könnte sich der Chef der Armee sparen. Denn in erster Linie muss nicht die Truppe aufgeklärt werden, sondern die Politik. Im Bundeshaus streitet man sich nämlich lieber darüber, über wieviele Soldaten die Armee zur verfügen habe, wieviel die Armee kosten dürfe, ob man Kampfflugzeuge kaufen oder ob man die Wehrpflicht abschaffen solle. Aber darüber, was die Armee überhaupt zu tun hat, spricht niemand.

Auftrag definieren

Es ist Aufgabe der Politik, zu definieren, was der Auftrag der Armee ist. So, wie die Diskussionen aktuell laufen, scheint das nämlich alles andere als klar zu sein. Wenn also der Auftraggeber schon nicht genau weiss, was die Armee tun soll, wie soll es dann der Auftragnehmer und vor allem der einfache Soldat wissen?

Auf diesem Blog habe ich schon mehrmals die Grundsatzdiskussion gefordert. Als erstes muss das Parlament den Auftrag der Armee neu definieren oder den bestehenden bestätigen. Dann muss die Armeeführung die Armee so dimensionieren, dass der Auftrag erfüllt werden kann. Darunter steht dann eine doppelt unterstrichene Zahl, über diese dann wiederum die Politik streiten kann. Unter Umständen muss der Auftrag halt abgeändert werden, wenn für eine Mehrheit die doppelt unterstrichene Zahl zu hoch ausfällt – wobei auch das Volk bei dieser Frage nicht ausser Acht gelassen werden darf.

Auf jeden Fall ist es ein absoluter Blödsinn, mehr als 4 Milliarden für etwas auszugeben, von dem niemand weiss, wofür es da ist.

Das reine Miliz-System hat ausgedient

Die aktuelle Truppenbefragung fördert noch eine andere, nicht minder wichtige Tatsache zu Tage. Nur rund 40 % der befragten Soldaten können aus dem Militärdienst irgend einen Nutzen für das Zivilleben ziehen und bloss 42 % geben an, dass ihr Arbeitgeber Verständnis für den Dienst am Vaterland aufbringen. Und lediglich knappe 30 % würden ihren Bekannten raten, eine militärische Weiterbildung anzustreben. Der Rückhalt der Armee in der Gesellschaft hat also merklich abgenommen. Aber genau dieser Rückhalt ist der Grundpfeiler eines reinen Miliz-Systems. Ohne diesen kann eine Miliz-Armee nicht funktionieren. Und deshalb schlage ich vor, die Armee einer Teilprofessionalisierung zu unterziehen.

Aber als erstes muss der Auftrag der Armee definiert werden.

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