Mit dem Original gegen Abzocker

Am 3. März 2013 stimmen wir unter anderem auch darüber ab, ob wir der Abzockerei ein Ende setzen wollen oder nicht – und vor allem, in welchem Ausmass. Zur Auswahl stehen die von Ständerat Thomas Minder lancierte Abzockerinitiative und der daraus entstandene indirekte Gegenvorschlag des Parlamentes.

Dem einfachen Bürger bringts nix

Soviel vorweg: Ob wir nun dem einen oder anderen den Vorzug geben, spielt im Prinzip letztlich keine besondere Rolle. Denn für den einfachen, normalen Bürger, der einer geregelten Arbeit nachgeht und gerade so viel verdient, dass er mehr oder weniger sorgenfrei leben kann, bringt weder die Minder-Initiative noch der Gegenvorschlag irgend etwas. Der normale Bürger hat auch nach einer Annahme keinen Rappen mehr im Portemonnaie. Der Kleine kann lediglich den geschniegelten Pinggeln in den Teppichetagen der Grossunternehmen den Stinkefinger entgegenstrecken und sagen: «Ätsch!».

Im Prinzip sind wir uns einig

Im Grundsatz wollen beide Vorschläge das selbe. Und das Volk will das auch. Wir, das Volk, verstehen nicht, dass ein Top-Manager jährlich über 10 Millionen Franken Lohn von einem Unternehmen erhält, welches gleichzeitig hunderte Stellen streicht, weil Ende Geschäftsjahr nur 400 statt 600 Millionen Franken Reingewinn erwirtschaftet wurden. Und wir verstehen auch nicht, was dieser Top-Manager so wahnwitziges zu leisten vermag, dass eine solch absurd hohe Gehaltszahlung gerechtfertigt wäre. Und wir verstehen schon gar nicht, dass ein Manager, nachdem er das Unternehmen in die Scheisse geritten hat, noch zig Millionen Abgangsentschädigung in den Arsch geschoben kriegt, bloss weil (oder damit) er seinen Sessel räumt.

Absurde Argumente

Obwohl sich die ganze Nation im Grundsatz einig ist, wird um diese Frage ein Riesenhype veranstaltet. Ich teile die Ansicht von Christoph Blocher, dass die Abzocker-Vorlage die unwichtigste Vorlage vom 3. März ist. Ich teile auch seine Meinung, dass der von der Initiative geforderte Zwang zu elektronischen Abstimmungen bei Aktionärsversammlungen ein «unhaltbarer Mist» sei. Aber: Mir ist doch scheiss egal, ob ein börsenkotiertes Unternehmen ein paar Skype-Leitungen schalten muss, damit auch ein Aktionär aus Guligulistan an der Abstimmung teilnehmen und sich an der Versammlung zu Wort melden kann, ohne physisch vor Ort zu sein. Am schlimmsten jedoch finde ich das Argument, der Gegenvorschlag könne, weil er bereits auf Gesetzesstufe ausgearbeitet sei, sofort in Kraft treten. Bei der Umsetzung der Initiative aber würden noch Jahre ins Land ziehen. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Bei der Umsetzung der Ausschaffungsinitiative drängen wir ja auch auf deren sofortige Umsetzung – zu Recht. Wir können doch nicht auf der einen Seite eine Umsetzungverzögerung anprangern und es auf der anderen Seite wieder als Argument gegen eine Volksinitiative aufführen. Das ist unglaubwürdig. Volksentscheide sind zu akzeptieren, so wie sie gefallen sind. Volksentscheide sind unverzüglich umzusetzen.

Ja zum Original

Ebenso unglaubwürdig ist es, wenn wir von der SVP zuerst Unterschriften für die Minder-Initiative sammeln und sie nachher wieder verwerfen, wenn sie zur Abstimmung kommt. Diesen politischen Slalom versteht niemand. Deshalb stimme ich für das Original von Thomas Minder.

4 Responses

  1. kim88 5. Februar 2013 / 17:05

    Schon lustig, ich dachte wenigstens hier sind wir mal einer Meinung. =) Ich werde bei der Abzockerinitiative leer einlegen ^^

  2. kim88 5. Februar 2013 / 19:27

    Ich folge der Empfehlung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Diese Initiative ist mehr schein als sein, weil sich eben für die Arbeitnehmer nichts ändert. Und daher lege ich leer ein, ob nun Aktionäre mehr Rechte haben oder nicht, für den normalen Büezer ändert sich nichts.

  3. Alexander Limacher 5. Februar 2013 / 21:03

    (…) ob nun Aktionäre mehr Rechte haben oder nicht, für den normalen Büezer ändert sich nichts.

    Zumindest in diesem Punkt sind wir uns einig.

Kommentar verfassen