Ja zur Mundart im Kindergarten

Im Kanton Luzern werden wir vermutlich noch im Jahr 2013 darüber abstimmen, ob die Kidz im Kindergarten künftig wieder Mundart sprechen dürfen, oder nicht. Die entsprechende Volksinitiative der Jungen SVP des Kantons Luzern «Für Mundart im Kindergarten» wurde im Herbst 2011 eingereicht.

Natürlich wird auch heute nicht bloss Standardsprache im Kindergarten gesprochen. Doch die hochdeutsche Sprache überwiegt. Der «Unterricht» im Chindsgi soll nämlich seit dem Schuljahr 2006/07 per Direktive zu zwei Dritteln in Hochdeutsch gehalten werden. Zwar werden den Lehrpersonen «gewisse Freiheiten» eingeräumt, wie der Luzerner Regierungsrat in seiner ablehnenden Botschaft zur Initiative mitteilt. Aber deshalb wird trotzdem zu viel Hochdeutsch gesprochen.

Es braucht keine Anregung

Bildungsbürokraten nennen dies «Anregung und Förderung der Kinder zum Gebrauch der Standardsprache». Laut Hans-Rudolf Schärer, Rektor der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) Luzern, sagt im einem Interview auf Zentralplus, dass Kindergartenkinder sowieso, zum Beispiel in Rollenspielen, spontan auf Hochdeutsch wechseln. Wozu also dann noch zusätzliche Anregung? Die Kinder kommen bereits ohne Anregung und schon vor ihrem Eintritt in den Kindergarten in Kontakt mit Standardsprache. Es ist also überhaupt nicht nötig, dies zusätzlich «anzuregen».

Nutzen nicht nachgewiesen

Die Hauptaufgabe der Kindergarten-Stufe ist, die Kinder langsam und spielerisch auf die Schule vorzubereiten und nicht, mit allerlei linguistischem Firlefanz Verwirrung zu stiften. Im Kindergarten soll zu zwei Dritteln Standardsprache gesprochen werden, dann, in der Primarstufe, wird Hochdeutsch zur ausschliesslichen Unterrichtssprache und schliesslich quälen wir unsere Kinder auch noch mit Frühenglisch oder Frühfranzösisch. Und unter dem Strich wundern wir uns aber darüber, dass die Kidz über eine völlig ungenügende Sprachkompetenz in Französisch oder Englisch verfügen und später nicht einmal ein gescheites Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle auf Deutsch aufsetzen können. Ein wirklicher Nutzen von Hochdeutsch im Kindergarten ist nicht nachgewiesen. Statt dessen verleiten wir unseren Nachwuchs zu grässlichen Formulierungen wie «Ech go met em Fahrrad is Chrankehuus» oder «Mer send am Morge früeh go angle».

Andere Ziele im Vordergrund

Griffige Argumente, die für die Verwendung von Hochdeutsch im Kindergarten sprechen, gibt es nicht. Vielmehr stehen andere Motivationen im Vordergrund, wie Schärer selber zu verstehen gibt: «Es ist sicher so, dass es viele fremdsprachige Kinder gibt, die besser Hochdeutsch als Mundart verstehen.» Die Sprache ist für eine erfolgreiche Integration ein zentraler Punkt. Wenn wir also ausländische Kinder integrieren wollen, dann sollten wir das mit Mundart tun. Denn in der Hauptsache differenzieren wir uns mit der Sprache – mit der Umgangssprache. Und das ist in der Schweiz nun mal die Mundart.

Das gilt auch für die Lehrpersonen. Schärer: «Ein weiterer Aspekt ist, dass es doch relativ viel Lehrpersonal gibt, deren Muttersprache nicht Schweizerdeutsch ist. Was würde eine Annahme der Initiative für diese Personen bedeuten? Müssten sie einen schweizerdeutschen Sprachkurs absolvieren? Das macht einfach keinen Sinn.» Das ist eine bodenlose Frechheit! Unseren Kindern muten wir ein wahnwitziges Sprachwirrwar zu, aber dass sich Lehrpersonal mit der Umgangssprache in ihrem Arbeitgeberland auseinandersetzen, ist sinnlos. Diese Aussage lässt mich an der fachlichen sowie persönlichen Qualifikation von Hans-Rudolf Schärer als Rektor einer Pädagogischen Hochschule massiv zweifeln. Wer solche Sätze von sich gibt, verfügt nicht über die Kompetenz, eine Institution zu leiten, welche für die Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer verantwortlich ist.

Gegenvorschlag ist kein Gegenvorschlag

Obwohl es also keine schulischen Argumente für die Verwendung von Hochdeutsch im Kindergarten gibt, spricht sich die Luzerner Regierung gegen die Initiative aus und befürwortet statt dessen einen Gegenvorschlag. Der Regierungsrat schlägt vor, Mundart und Standardsprache zu gleichen Teilen «zu fördern». Das widerspricht dem Anliegen der Initianten allerdings komplett. Der Gegenvorschlag ist kein Gegenvorschlag, sondern nur ein unbefriedigender Versuch eines faulen Kompromisses.

1 Response

  1. swissness 31. Januar 2013 / 12:19

    In diesem Punkt spielt für mich die Ideologie keine grosse Rolle. Ich sage einfach nur: Lasst die Kinder im Kindergarten noch Kinder sein! Diese haben in der Schule noch genug zu lernen und sollten sich zuerst mal in Mundart verständigen können. Aber selbst hier gibt es grösste Probleme, schon nur wegen den Ausländerkindern. Dann noch zusätzlich mit Hochdeutsch im Kindergarten aufzukreuzen, ist zu viel des Guten. Im diesem Alter sprechen die Kinder nämlich eher Mundart untereinander und weniger Hochdeutsch.

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