Nein zum Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung

Ausgehend von der inzwischen zurückgezogenen Volksinitiative «Jugend und Musik» hat der Bundesrat einen Gegenvorschlag erlassen, der die Förderung von Musikausbildung in der Verfassung verankern wird. Dazu soll der Artikel 67 folgendermassen erweitert werden:

Art. 67a (neu) Musikalische Bildung

1 Bund und Kantone fördern die musikalische Bildung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen.

2 Sie setzen sich im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen ein. Erreichen die Kantone auf dem Koordinationsweg keine Harmonisierung der Ziele des Musikunterrichts an Schulen, so erlässt der Bund die notwendigen Vorschriften.

3 Der Bund legt unter Mitwirkung der Kantone Grundsätze fest für den Zugang der Jugend zum Musizieren und die Förderung musikalisch Begabter.

Gibt’s schon

Kurz in die Verfassung gelugt und den folgenden Artikel entdeckt:

Art. 69 Kultur

1 Für den Bereich der Kultur sind die Kantone zuständig.

2 Der Bund kann kulturelle Bestrebungen von gesamtschweizerischem Interesse unterstützen sowie Kunst und Musik, insbesondere im Bereich der Ausbildung, fördern.

3 Er nimmt bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die kulturelle und die sprachliche Vielfalt des Landes.

Die Bundesverfassung sieht somit bereits vor, dass der Bund Musik im Rahmen der Ausbildung fördert. Weshalb in einem anderen Artikel der Verfassung die selbe Forderung, jedoch explizit für die Jugend, erneut gestellt werden muss, ist mir schleierhaft.

Üben kann nicht per Gesetz verordnet werden

Musik ist eine tolle Sache. Musik machen ist noch viel toller. Doch manchmal scheiterts an den kleinen Dingen des Lebens. Wie viele Kidz begeben sich schon heute in den Musikunterricht um ein Instrument zu erlernen, fassen es dann aber nach ein paar Jahren schon nie mehr an? Die nötige Motivation und insbesondere die nötige Ausdauer zum Üben kann man nicht per Gesetz verordnen. Ein zusätzlicher Verfassungsartikel wird da überhaupt nichts daran ändern. Massgeblich für den musikalischen Erfolg eines begabten Individuum ist die eigene Motivation und das entsprechende Umfeld. Nicht ein Gesetz. Und schon gar nicht in der Verfassung.

Weil der geforderte Gesetzestext nicht in die Bundesverfassung gehört, weil bereits eine entsprechende verfassungskonform grob gehaltene Regelung in der Verfassung steht und weil das neue Gesetz überhaupt nichts bringt sondern lediglich Kosten verursacht, lehne ich den Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung ab.

3 Responses

  1. Benjamin Wolf 5. September 2012 / 18:11

    Lieber Herr Limacher

    Ihr Blogeintrag ist fast die einzige Veröffentlichung von Argumenten gegen diese Initiative im Internet.

    Ihnen ist aber offensichtlich der wesentliche Punkt der Initiative entgangen: Im bisherigen Text steht, „Der Bund kann kulturelle Bestrebungen … unterstützen ….“ Mit der neuen Initiative werden aber die Kantone dazu verpflichtet, Jugendmusik zu unterstützen. Damit wird erreicht, dass junge Leute in allen Kantonen einen zugang zur musikalischen Erziehung erhalten. Die bisherige Verfassung verpflichtet die Kantone nicht dazu, denn ob Musik Teil der Kulturförderung sein soll bleibt bisher offen.

    Warum die Jugend besonders genannt werden muss, kann ich Ihnen erklären: Nie wieder in ihrem Leben sind Menschen fähig, ein Instrument (oder Gesang) so gut zu erlernen, wie wenn sie es in ihren Jugendjahren beginnen. Oder haben Sie mal einen guten Pianisten getroffen, der nach dem 20. Lebensjahr angefangen hat zu üben? Vermutlich nicht.

    Mit freundlichen Grüssen aus Zürich,
    Benjamin Wolf

  2. Alexander Limacher 6. September 2012 / 07:44

    Hallo Herr Wolf

    Die bestehende Formulierung in der Verfassung ist absolut genügend. Mir ist jedenfalls kein Kanton bekannt, in welchem keine musikalische Ausbildung für Jugendliche vorgesehen ist, auch wenn dafür keine explizite Verpflichtung gegeben ist.

    Selbstverständlich lernt man ein Instrument besser, wenn man jung ist. Doch dafür extra einen neuen Verfassungsartikel zu erstellen, obwohl schon einer da ist, ist sinnlos. Zudem macht ein Verfassungsartikel keinen einzigen Jüngling zu einem besseren Musiker, wenn er sich nicht selber motiviert, täglich zu üben und seine Fertigkeiten stets zu verbessern. Es ist schliesslich niemandem geholfen, wenn man jemandem zuerst zwei, drei Jahre lang den Gitarren-Unterricht subventioniert, die Klampfe dann aber für immer und ewig im Estrich verschwindet und nie mehr benutzt wird. Dies geschieht bereits heute und kein Gesetz der Welt wird daran etwas ändern.

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