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Political Correctness: «Asylant»

Von Alexander Limacher | 25.Juli 2012

In der Rassismus- und Nazi-Debatte des Sommers 2012, angezettelt durch selbsternannte Internet-Moralisten und freischaffende «Ich-Schreib-Jetzt-Einfach-Was-Journalistinnen», bemerkte ich diese mir bislang noch nicht aufgefallene Abneigung dem Begriff «Asylant» gegenüber.

Da schreibt zum Beispiel einer auf seinem Blog:

Ausserdem schockiert es mich einigermassen, dass selbst Schriftsteller nicht mehr über rechte Kampfbegriffe wie «Asylant» stolpern.

Oder der selbe Autor, diesmal auf  Twitter:

Wahrnehmung läuft auch über Sprache. Wie sollte sich die ändern, wenn selbst Medien abwertende Begriffe wie “Asylant” verwenden?

Oder auf dem Blog eines Anderen:

(…) wobei meinstens das sprachliche Unding “Asylant” zur Verwendung kommt (…)

Es war mir bislang nie bewusst, dass es sich dabei um einen «Kampfbegriff» handelt. Im Gegenteil. Ich bin mit diesem Begriff aufgewachsen. Schon seit ich weiss, was Asylsuchende sind, haben ich und mein Umfeld diese Menschen allgemein verbindlich als «Asylanten» bezeichnet. Wir sahen weder damals noch heute ein Problem bei dieser Wortwahl.

Etwas überrascht ob dieser Empörung konsultierte ich Wikipedia – und tatsächlich:

Der Begriff Asylant wird von einigen Leuten abgelehnt, da sie ihn für abwertend halten.

Nun gut, etwas abzulehnen ist Jedem sein gutes Recht. Dann hab ich kurz Google bemüht und fand allerlei Content, der mir erklärt, wie böse der Begriff ist.

Zum Beispiel die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus führt einen Glossar und umschreibt das ominöse Kampfwort (auszugsweise zitiert) so:

Von Anfang an waren es rechtsstehende und fremdenfeindliche Organisationen und Personen, die das Wort benutzten.
(…)
Das Wort wurde stets mit einer deutlichen Abwehrhaltung gegen Flüchtlinge und Asylbewerber gebraucht.
(…)
Ein respektvoller Kontext – etwa «hochbegabte Asylantin» oder «liebenswürdiger Asylant» – kommt kaum je vor und wirkt wenn schon eher ironisch.

Irene Brickner vom österreichischen Standard versucht uns auf ihrem Blog erfolglos zu erklären, was den Begriff «Asylant» zu einer Beleidigung macht:

Bei den “Asylanten” sucht die österreichische Sprache nicht nach Anschluss ans Moderne, im Gegenteil. Hier ist sie mittendrin, liegt nah am Puls der Zeit, drückt ihn aus: in aller Abfälligkeit, die durch die Verballhornung eines aus dem Asylrecht übernommenen Fachworts – Asylwerber – erzielt werden kann: Der “Asylant” und sein weibliches Pendant, die “Asylantin” gehen leicht, volksnah und abschätzig über die Lippen.
(…)
Auf alle Fälle verheißt dieser Begriff – und somit die Person, die so bezeichnet wird – nichts Gutes.
Nun meinen viele Menschen – auch Gutwillige, nicht “Asylanten”-feindliche – dass man sich über solche sprachlichen Kinkerlitzchen nicht weiter aufregen sollte. Auch gegen Asylwerber könne man hetzen, also gehe es um die Absicht, nicht um die Wortwahl. Sie irren, denn der Ausdruck “Asylant” transportiert die beleidigende Absicht schon mit.

Spätestens nach diesen Zeilen war mir bewusst: diese vom Thema ablenkende Empörung ist nichts anderes als eine weitere Sinnlosigkeit in der Absicht Gewisser, den Menschen vorzuschreiben, wie sie sich auszudrücken haben. Diese Kreise versuchen nichts anderes, als allen ihre eigene Ideologie aufzudrängen und wer sich nicht daran hält, der verhält sich dann eben politisch unkorrekt, diffamierend, ausgrenzend oder sogar rassistisch und menschenunwürdig.

Nun, Frau Brickner hat immerhin eines richtig erfasst. Das Wort «Asylant» spricht sich nun mal einfacher aus als «Asylbewerber» oder «Asylsuchender». Und das ist auch der Grund, weshalb diese Ausdrucksweise verwendet wird. Es ist schlicht und ergreifend einfacher. Der Mensch mag keine komplizierten Zungenbrecher und langatmige Formulierungshülsen in der Alltagssprache. Deshalb sagen wir häufig «Kindsgi» statt «Kindergarten». Wir ersetzen «Kantonsschule» durch «Kanti», «Nationalmannschaft» durch «Nati» und «Personenwagen» durch «Auto». Im Sinne dieser Simplifizierungen haben wir halt auch «Asylbewerber» durch «Asylant» ersetzt. «Asylant» drängte sich auf, weil eventuelle Begriffsschöpfungen wie «Asyli» oder «Asyler» einfach scheisse klingen.

Die Verwendung des Begriffes «Asylant» für die Bezeichnung eines asylsuchenden Menschen ist politisch wie auch gesellschaftlich absolut korrekt und hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert. Er ist nicht wertend.

Themen: Politik | 10 Kommentare »

10 Kommentare zu “Political Correctness: «Asylant»”

  1. Kim88 schreibt:
    25.07.2012 um 19:44

    Ich bin der Ansicht das man einzelne Begriffe nicht auf die Waage legen sollte. Rassismus erkannt man nicht zwingend an den Begriffen, sondern eher im Kontext.

    Als Beispiel: wenn meine Grossmutter von ihren Einkauf erzählt und sagt vor ihr an der kasse hat ein neger gewartet. Ist das nicht rassistisch.

    Wenn jemand hin steht und scheiss neger, etc rumbrüllt erkennt man den rassimus.

  2. Leander Gabathuler schreibt:
    26.07.2012 um 00:27

    Stimme dir absolut zu. Man kann es mir der politischen Korrektheit auch übertreiben. Ist in etwa das Selbe, wie wenn wir darüber diskutieren, ob wir nun “Zebrastreifen” oder “Fussgängerstreifen” sagen (eine Frau könnte sich durch den männlichen Begriff ja benachteiligt fühlen).

    Hingegen empfinde ich, anders als Kim88, den Begriff “Neger” als nicht höflich und verwende ihn selbst nie. In Amerika nennen sich die Schwarzen unter sich, als Sticherlei, oftmals selbst so (ähnlich wie “Bro”, “Yo, man”, etc. -> es ist einfach eine Ansprache “Hey nigga” zu sagen). Aus meiner Sicht aber auch hier: Machen wir es uns doch nicht unnötig kompliziert.

    Manchmal wird ja auch der Begriff “Schwarze(r)” als rassistisch bezeichnet. Wir wiederum haben ja auch keine Probleme damit, als “Weisse(r)” bezeichnet zu werden. Wir Europäer haben nun einfach eine hellere Haut, als Afrikaner. Völlig natürlich, also benennen wir uns doch auch so.

  3. Ugugu schreibt:
    26.07.2012 um 16:07

    Es ist doch nicht die Wortbildung allein, sondern der Wortgebrauch an sich, der “Asylant” negativ eingefärbt. Dass der Begriff vor allem von rechtsstehenden Parteien im fremdenfeindlichen Kontext geprägt wurde, darauf darf man doch noch hinweisen?

    Oft übrigens mit abwertendem Präfix wie “Schein-”, oder noch schlimmerem versehen. Daher ist der Begriff für mich nun mal verbraucht.

    Aber wenn du auf der Suche nach einem kurzen, knackigen Wort bist, warum nicht einfach den Zweisilber Flüchtling anstelle des komplexen Dreisilbers “Asylant”?

  4. Ralph schreibt:
    26.07.2012 um 17:07

    Wortbedeutungen unterliegen in der Geschichte immer auch Änderungen. Was früher neutral war (z.B. das Wort “Weib”), ist heute negativ belastet. Auch der Begriff “Fundamentalist” war beim Aufkommen dieses Wortes positiv verwendet. Heute ist es umgekehrt.

    In der schweiz. Politik wird das Wort “Asylant” immer öfters negativ benutzt und zudem ausgrenzend auf eine Gruppe von Menschen angewendet. Wenn ein Begriff hauptsächlich negativ belastet ist, sollte dieser nicht mehr benutzt werden, wenn ein neutrales Gespräch versucht wird. Andere Worte sind angebracht, wie z.B. Asylsuchende. Das ist keine Wortklauberei, sondern es ist wichtig, Worte zu finden, die nicht automatisch und zum Vornherein andere Menschen positiv oder negativ qualifizieren.

  5. Alexander Limacher schreibt:
    27.07.2012 um 09:40

    @Ralph

    Wenn ein Begriff hauptsächlich negativ belastet ist, sollte dieser nicht mehr benutzt werden

    Es ist ja so, dass der Begriff in den Augen von “Linken” negativ belastet sind. Einem Asylbewerber dürfte es wohl ziemlich egal sein, ob er “Asylbewerber” oder “Asylant” genannt wird.

    @ugugu

    Dass der Begriff vor allem von rechtsstehenden Parteien im fremdenfeindlichen Kontext geprägt wurde, darauf darf man doch noch hinweisen?

    Ja, das darf man. Es ist für mich dann nur die Frage, mit welcher Penetranz diese Hinweisungen, oder eben Zurechtweisungen stattfinden.

    @Leander

    Ist in etwa das Selbe, wie wenn wir darüber diskutieren, ob wir nun “Zebrastreifen” oder “Fussgängerstreifen” sagen (eine Frau könnte sich durch den männlichen Begriff ja benachteiligt fühlen).

    In der Stadt Bern wurde doch genau das mal angeregt?

    @kim

    Ich bin der Ansicht das man einzelne Begriffe nicht auf die Waage legen sollte. Rassismus erkannt man nicht zwingend an den Begriffen, sondern eher im Kontext.

    Genau. Die Begriffswahl ist weniger entscheidend als der Inhalt, in dem der Begriff zur Verwendung kommt.

    Die ganze Diskussion, ob man jetzt “Asylant” sagen darf oder nicht, lenkt nur vom eigentlichen Thema ab und ist deshalb von Grund auf sinnlos. Die eigentliche Frage lautet nämlich: Wie lösen wir die Probleme in unseren Asylprozessen und unserer Asylpolitik? Konzentrieren wir uns in der Debatte also darauf und lassen die subjektiven Wahrnehmungen von Begriffen weg.

    Nur dieses noch: ich lasse mir nicht den Mund verbieten.

  6. David schreibt:
    27.07.2012 um 10:46

    Alex, du willst ja sowieso keine Hochachtung gegenüber Asylsuchenden ausdrücken, oder? Dann macht es natürlich auch keinen Sinn, sich um eine entsprechende Ausdrucksweise zu bemühen. Benutz doch einfach weiterhin “Asylant”, dann erkennt man deine Geringschätzung diesen Menschen gegenüber auch gleich. Das ist mir lieber als eine geheuchelte Verwendung von “Asylsuchende”.

  7. Alexander Limacher schreibt:
    27.07.2012 um 13:04

    @David

    Benutz doch einfach weiterhin “Asylant”, dann erkennt man deine Geringschätzung diesen Menschen gegenüber auch gleich.

    Das ist eine billige und ignorante Unterstellung! Ich habe geschrieben, dass der Begriff “Asylant” nicht wertend zu verstehen ist.

  8. David schreibt:
    28.07.2012 um 16:00

    Es gibt keine wertfreie Sprache. Nach deiner Argumentation könnte ich auch das Wort “Neger” gebrauchen und deklarieren, es sei nicht wertend zu verstehen. Als Sprecher/Schreiber muss man berücksichtigen, wie ein Wort von den Empfängern aufgenommen wird. Wenn es dir egal ist, dass es von den Empfängern mit einer negativen Konnotation aufgenommen wird, kannst du “Asylant” weiterhin gebrauchen. Wenn du verhindern willst, dass es von den Empfängern mit einer negativen Konnotation aufgenommen wird, empfiehlt sich das Wort “Asylsuchender”.
    Und der Gebrauch des einen oder anderen Wortes verrät natürlich etwas über deine Absichten, ob du nun willst oder nicht.

  9. Alexander Limacher schreibt:
    30.07.2012 um 07:50

    @David
    Schau: wenn ich mich negativ äussern will, kann ich das genau so gut mit dem Begriff “Asylsuchender” so wie ich mich auch positiv unter Verwendung von “Asylant” äussern kann. Diese negative Konnotation ist nur eine subjektive Wahrnemung von Dir und somit auch grundsätzlich Dein Problem. Und wie hier auch schon von anderen Kommentatoren erläutert, wird die Absicht des Schreibenden nicht aus der Verwendung eines bestimmten Begriffes deutlich, sondern auf Grund des Gesamtkontextes.

    Ich lasse mir jedenfalls nicht den Mund verbieten und irgendwelche Neigungen unterstellen.

  10. Urs schreibt:
    01.01.2013 um 04:41

    Politisch korrekt ist ja nur, wer auch immer betont, wie verfolgt diese Menschen sind. Dass 99,5 der Gesuche als unbegründet abgelehnt werden, darf man nicht sagen.

    Und schon gar nicht, dass die Mehrheit kriminell ist. Auch dann nicht, wenn es reine Statistik ist.

    Denn dann kann man selbst dann als Weisser als Rassist abgestempelt werden, wenn man mit einer Schwarzafrikanerin verheiratet ist. Glauben Sie nicht?

    Hier, bitte: http://tagblatt24.ch/schweiz-chef-des-bundesamtes-fur-migration-kritisiert-asylpraxis-bei-nigerianischen-asylbewerbern-die-meisten-sind-kriminell-ist-er-jetzt-ein-rassist/

    Der Mann wurde kurze Zeit später von Sommaruga entlassen. Unüberwindbare Differenzen…

Kommentare

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