Ja zu Managed Care

Am 17. Juni 2012 stimmen wir unter anderem über die gesundheitspolitische Vorlage Managed Care ab. Das Ding war eine echte Zangengeburt. Das zeigt sich auch auf den Internetseiten der Pro– und Contra-Komittees. Auf beiden Seiten sind Vertreter aller Parteien eingetragen.

Ich muss zugeben, Gesundheitspolitik hat mich bislang wenig bis gar nicht interessiert. In letzter Zeit konnte man sich aber dem Thema Managed Care kaum entziehen. Die diversen Diskussionen zum Thema hatten aus meiner Perspektive einen gemeinsamen Nenner: weder die Argumente der Befürworter noch die der Gegner vermochten wirklich zu überzeugen. Ich vermute, das liegt an der Komplexität der Materie. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, das Ganze pragmatisch zu betrachten und entsprechend pragmatisch ist meine Argumentation.

Nehmen wir mal den Punkt der freien Arztwahl. Ich bin es gewohnt, meinen Hausarzt aufzusuchen, wenn mich ein Bobo plagt. Er ist mein Vertrauensarzt. Bislang bin ich noch nie direkt zu einem HNO-Spezialisten, einem Orthopäden oder einem Dermatologen gerannt. Immer zuerst zum Hausarzt. Der hat mich dann jeweils weitergeleitet. Mein Hausarzt hat direkt mit dem Spezi Kontakt aufgenommen, ihm die Sachlage erklärt und mir einen sofortigen Termin beschafft. Das ist doch im Prinzip «Managed Care», oder? Den Hausarzt kann ich auch bei Managed Care noch selber wählen, genau wie zum Beispiel die Frauen ihren Gynäkologen.

Weiter gibt es da den Punkt der verbesserten Qualität. Mit Managed Care habe ich jederzeit Zugang zu einem Arzt. Wenn sich meine Ärzte kennen und sich regelmässig austauschen, hat das nur Vorteile für mich. Die Qualität der medizinischen Versorgung wird verbessert. In diesem Punkt sind sich alle einig. Somit wieder ein Punkt für Managed Care.

Als letztes seien hier noch die Kosten erwähnt. Wir alle wissen, dass die Gesundheitskosten stetig steigen und wir jährlich immer mehr Prämien bezahlen müssen. Die Befürworter sagen, mit Managed Care würden die Kosten im Gesundheitswesen sinken, weil Doppelspurigkeiten (Mehrfachuntersuchungen) wegfallen und Synergien genutzt werden können. Das tönt an sich gut, nur der Glaube daran fällt mir schwer. Ich bin der Meinung, dass unser Gesundheitswesen durch Managed Care nicht günstiger wird. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass der Anstieg der Kosten etwas gedämpft werden könnte. Somit zumindest nochmals ein halber Punkt für Managed Care.

Ich sehe in Managed Care zumindest nichts grundlegend falsches. Solange mich bis zur Stimmabgabe niemand mehr umstimmt, werde ich der Vorlage zustimmen.

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