Polemik um E-Voting

Stimmberechtigte Auslandschweizer verschiedener Schweizer Kantone haben die Möglichkeit, ihre Stimme über E-Voting elektronisch via Internet abzugeben. Dabei ist es bei der Abstimmung vom 11. März zu einer klitzekleinen Panne gekommen. Eine Person konnte ihre Stimme zweimal abgeben. Man lese: Eine Person. Gemäss Medienmitteilung der Bundeskanzlei hat das System den Vorfall entdeckt, gemeldet und die doppelte Stimme wurde wieder entfernt. Ganz im Sinne eines funktionierenden Monitorings.

Die Piratenpartei sieht durch diesen Vorfall die Schweizer Demokratie gefährdet und fordert ein Ende der Experimente, wie sie auf ihrem Webauftritt schreiben. Man spricht von «grossen Schwachstellen» und von «einer Manipulation des Abstimmungsergebnisses» und verlangt die Veröffentlichung des Quellcodes auf dem Internet zu Analysezwecken. Während ich eine gewisse Empörung über eine Panne beim E-Voting nachvollziehen kann, entbehrt die Forderung nach öffentlicher Publikation der Sourcen doch jeder Realität und Vernunft. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass eine Applikation sicherer gestaltet werden kann, indem man deren Programm-Code öffentlich bekannt gibt.

Es ist gewiss eine Tatsache, dass E-Voting noch in den Kinderschuhen steckt und noch nicht alles perfekt läuft. Deshalb ist es aus meiner Sicht sinnvoll, die Software vorab bei den Stimmen der Auslandschweizer unter realen Bedingungen auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen. Fehler werden erkannt und können behoben werden, Sicherheitslücken können gestopft werden und die Qualität der Software wird verbessert. Und dann gibt es da noch die andere Gewissheit: «Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit!» Auch nicht bei der ordentlichen Stimmabgabe an der Urne im Urnenbüro.

Ich bin für E-Voting. Nicht nur für Auslandschweizer, sondern für alle. Denn ich bin überzeugt, dass durch E-Voting die Stimmbeteiligung erhöht werden kann und das wiederum erhöht die demokratische Legitimation eines Abstimmungsergebnisses. Selbstverständlich ist dem Sicherheitsaspekt die benötigte Aufmerksamkeit zu widmen, keine Frage. Professionalität statt Polemik!

6 Responses

  1. kim88 15. März 2012 / 11:25

    Salü Limi

    Cooler Artikel. E-Voting bin ich auch dafür so schnell wie möglich für so viele wie möglich! Ein Monitoren das funktioniert konnte man ja am Beispiel dieser einen Person sehen.

    Nun zur Offenlegung des Codes. Ich unterstütze dieses Vorgehen. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie viel Erfahrung du mit Freier Software oder min. OpenSource Projekte hast, und wie sehr du dich auskennst. Aber OpenSource konnte schon mehr als genug eine erhebliche Sicherheit unter Beweis stellen. Ein gutes Beispiel hierfür dürfte z.b. auch deine Blog Software „WordPress“ sein, oder die Browser Firefox und Google.

    Nach dem Prinzip mehr Augen sehen mehr als wenige. Ausserdem hat man durch OpenSource die Kontrolle, das eine gefundene Sicherheitslücke auch wirklich geschlossen wird – also auch ein Controlling System. Ich bin absolut kein Freund der Piratenpartei, aber unterstütze den Vorschlag für die Offenlegung der Sourcen.

    kim88

  2. Alexander Limacher 15. März 2012 / 12:19

    Mein lieber Kim, OpenSource ist eine feine Sache für Spielzeug wie WordPress oder ähnliches. Aber ganz sicher nicht für Systeme, welche hochsensible Daten zu verarbeiten haben.

  3. kim88 15. März 2012 / 15:06

    Das ist einfach Unsinn um einige Beispiele zu nennen:

    Aus der CH:
    Das höchste Gericht der Schweiz, das Bundesgericht in Lausanne, stellt seine Rechner bis 2011 vollständig auf Linux um. Bereits seit 2001 wird mit StarOffice, Evolution und Firefox gearbeitet. Die Wirtschaftlichkeit des Migrationsprojekts wurde 2008 durch ein Audit von KPMG nachgewiesen. 18 % der EDV-Kosten konnten eingespart werden. Dies entspricht 1,8 Millionen Schweizerfranken pro Jahr

    US Verteidigungsministerium:
    Red Hat Enterprise Linux ist beim Verteidigungsministerium der USA als Standardplattform für serverbasierte Anwendungen, Webdienste, Datenbanken, Netzwerksicherheit und Ähnliches ausgewählt worden. RHEL wird in der US-Armee an zahlreichen Stellen eingesetzt. Das Pentagon ist inzwischen der größte Kunde der Firma Red Hat.

    Ich finde zurzeit gerade keine Referenz dafür, bin aber sicher gelesen zu haben, dass die Bärse in London ebenfalls ihre Software auf freie Software umstellt / oder schon umgestellt hat.

    OpenSuurce ist sicher! Bzw. 100% sicher ist keine Software, aber OpenSource Software ist min. so sicher wie Closed Source Software.

    Jemand der behauptet OSS sei nur für Spielzeug 😉 der hat sorry für die direkte Unterstellung absolut keine Ahnung von der Materie 😉 lass dir das von einem langjährigem freiwilligen OSS Entwickler sagen 😉

  4. Alexander Limacher 15. März 2012 / 16:14

    Jemand der behauptet OSS sei nur für Spielzeug

    wer sagt das?

    Ich habe nichts gegen OpenSource. Aber eine Applikation zur elektronischen Stimmabgabe möchte ich nicht via OpenSource entwickelt haben. Damit meine ich nur die einzelne Applikation. Ausserdem möchte ich einen direkten klaren Ansprechpartner, der im Bedarfsfall auch zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn was schief läuft.

  5. kim88 15. März 2012 / 16:55

    >>Mein lieber Kim, OpenSource ist eine feine Sache für Spielzeug wie WordPress

    Du sagst das :D. Ausserdem OpenSource Entwicklung funktioniert auch mit direktem Ansprechpartner. Androide bei Google. Im Bereich der Pentagon Lösung z.B. ist RedHat Ansprechpartner, etc.

    Aber eigtl. eine unwichtige Diskussion, wichtig ist das E-Voting im allgemeinem vorwärts kommt.

  6. Alexander Limacher 16. März 2012 / 07:17

    Aber eigtl. eine unwichtige Diskussion, wichtig ist das E-Voting im allgemeinem vorwärts kommt.

    Richtig. Geben wir den Verantwortlichen also die Zeit, um das System zu perfektionieren. Auf Fehler aufmwerksam machen, ist ebenfalls erlaubt.

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