Teilprofessionalisierung statt Aufhebung der Wehrpflicht

Ich gehöre nicht zu den eisernen Befürwortern unserer Armee. In verschiedenen Artikeln auf diesem Blog habe ich mich zur Armee kritisch, ja gar spöttisch geäussert. Es gibt genügend Gründe dafür. Aber dennoch erachte ich die von der GSoA eingereichte Volksinitiative zur Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht für den falschen Weg, denn sie ist trügerisch.

Freiwillig geht niemand hin

Die Initiative fordert, dass künftig der Militärdienst sowie der zivile Ersatzdienst freiwillig werden sollen. Durch die grosse Beliebtheit dieses Zivildienstes standen zum Beispiel Altersheimen immer personelle Ressourcen zur Verfügung. Wenn auch der Zivildienst freiwillig wird, wer geht dann noch in ein Altersheim und hilft mit? Diese Institutionen werden gezwungen, den Ausfall anderweitig für viel Geld zu kompensieren, was zur weiteren Erhöhung der Gesundheits- und Pflegekosten führt. Das kann nicht das Ziel sein.

Aber auch die Armee wird durch die Freiwilligkeit nicht besser. Nicht jeder, der Militärdienst leisten möchte, ist dafür geeignet. Zudem hat die Armee einen Auftrag, den sie zu Erfüllen hat. Was macht die Armee, wenn für die Erfüllung dieses Auftrages 80’000 Mann notwendig wären, sich aber nur 27’358 Freiwillige dafür finden? Und kann man eine Miliz-Armee überhaupt auf freiwilliger Basis realisieren?

Komplett falsche Diskussion

Aktuell läuft bezüglich Armee auch politisch alles falsch. Man diskutiert über die Abschaffung der Wehrpflicht, über die Anzahl Soldaten, das Budget und über Kampfflugzeuge. Aber die wichtigste Frage, die grundsätzlichste Frage stellt sich niemand: was ist der Auftrag der Armee? Das ist die erste und zentralste Frage, die geklärt werden muss. Stattdessen betreibt man in Bundesbern Pflästerlipolitik und übt sich im Grabenkampf auf Nebenkriegsplätzen. Nur wenn der konkrete Auftrag klar ist, kann die Armee dimensioniert werden. Nur wenn der Auftrag klar ist, wird ersichtlich, was für die Erfüllung des Auftrages an Personal, Material und somit an Kosten notwendig ist.

Ich fordere deshalb die Politik auf, endlich die zentrale Frage zu stellen und vor allem auch zu beantworten!

Teilprofessionalisierung als neues Modell

Vor knapp zwei Jahren habe ich meine Gedanken zu einem neuen Armeemodell für die Schweiz aufgeschrieben. Es ist nur eine Idee, nicht ausgereift. Jedoch bin ich der Überzeugung, dass es mehr als eine Überlegung wert wäre, diesen Ansatz weiter zu verfolgen.

Zusammengefasst schlage ich vor, dass sämtliche Kampfeinheiten nur noch aus Berufssoldaten bestehen. Die Miliz dagegen betreibt die rückwärtigen Dienste in Form von Wiederholungskursen, die allesamt zur Unterstützung der professionellen Einheiten durchgeführt werden.

Dadurch wird niemand gezwungen, Dienst an der Waffe zu leisten, wenn er das nicht will. Dadurch gibt es keine sinnlosen WK’s mehr. Dadurch kann man den Militärdienst nicht mehr als „Bundesferien“ bezeichnen. Dadurch kann die Armee zivile Behörden auch in heikleren Situationen unterstützen, weil die Profis besser ausgebildet sind.

3 Responses

  1. Schneider Alex 7. Januar 2012 / 06:15

    Freiwilligenarmee statt Wehrpflicht!

    Die Alternative „Freiwilligenarmee“, nicht Berufsarmee, ist prüfenswert. Die Freiwilligenarmee könnte für spezifische Berufsausbildungen genutzt und so für viele Junge attraktiv gemacht werden. Was könnte mit den heutigen Armeemitteln damit erreicht werden?

  2. Ary 7. Januar 2012 / 10:32

    Was könnte mit den heutigen Armeemitteln damit erreicht werden?

    Das ist doch schon der komplett falsche Ansatz.
    Zuerst muss definiert werden was die Armee denn können soll, was sie tun muss, was ihr Auftrag ist. Und zwar nicht von einem Gremium von Stabsoffizieren, sondern im politischen Diskurs.

    Danach kann man dann über finanzielle Mittel, benötigtes Material und Form der Armee diskutieren. Wenn man dann feststellt dass die Armee mit dem gewünschten Auftrag mehr kosten würde als es dem Volk wert ist, dann muss der Auftrag wieder angepasst werden, ebenfalls im politischen Diskurs. Das ist der Auftrag der Politik!

    Diese Salami-Taktik, dass man mal etwas Geld spricht und dann über den Daumen gepeilt versucht die resultierende Leisutngsfähigkeit unter dem „Auftrag der Armee“ zu subsumieren ist absolut dilletantisch.

    Betreffend Teilprofessionalisierung, da bin ich ebenfalls absolut Alex‘ Meinung, aufgrund persönlicher Erfahrungen.

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