Zebrastreifenunfälle – Qualitätsjournalismus ist gefragt

Im Zusammenhang mit den von den Qualitätsmedien enorm dramatisierten Unfällen an Zebrastreifen wird fehlende Aufmerksamkeit seitens der Autofahrer als Grund dafür angeführt. Gewiss, jeder Verletzte oder gar Tote wegen einem Verkehrsunfall ist einer zuviel, gar keine Frage. Doch die Schuld nur einseitig auf die Autofahrer schieben zu wollen, ist dann doch zu billig.

Ich habe zu einer Zeit meinen Führerschein gemacht, als die Regelung, dass Fussgänger auf Zebrastreifen Vortritt haben, gerade eingeführt wurde, nämlich anno 1994. Für mich als Neulenker war das damals kein Problem. Ich wurde ja aufgrund der Aktualität diesbezüglich geschult. Weil die Situation zu dieser Zeit auch für die Fussgänger neu war, waren beide Seiten entsprechend aufmerksam.

Im Verlauf der Zeit kamen mir dann und wann Zweifel an besagter Regel auf. Als Autofahrer nämlich dann, wenn die Absicht des Passanten nicht klar erkennbar ist. Will er jetzt die Strasse überqueren oder nicht? Auffällig waren auch ältere Fussgänger, welche die Autos sogar wild gestikulierend zur Weiterfahrt aufgefordert haben – auch wenn sie bereits still standen. Es herrschte eine gewisse Konfusion. Die guten Absichten der Senioren, die Autofahrer nicht zu bemühen, in Ehren, aber Vorschrift ist nunmal Vorschrift. Aber ausser ein paar strapazierte Autofahrer-Nerven schien das nicht sonderlich dramatisch.

Seit einiger Zeit aber ist festzustellen, dass sich die Fussgänger immer unaufmerksamer im Strassenverkehr bewegen. Offenbar wähnen sie sich in einer trügerischen Sicherheit. Die Strasse wird überquert, ohne einen Blick nach rechts oder nach links zu werfen. Wozu auch, schliesslich hat man Vortritt und um die Sicherheit oder Einhaltung der Regeln soll sich gefälligst der Autolenker kümmern. Schliesslich sind ja die Autofahrer die Bösen.

Mir fällt dieses teilweise völlig orientierungslose Herumtorkeln im Strassenverkehr vor allem bei Teenies auf. Das Handy am Ohr, in der Handtasche kramend oder sowieso schon instabil unterwegs, weil sie noch nicht richtig laufen können mit Mammis Hochhackigen, kümmern sie sich ausschliesslich um sich selber und vergessen dabei, wo sie sind. Mitten auf einer Strasse!

Der Strassenverkehr ist eine hochdynamische Angelegenheit, welche sich schlicht und einfach nicht durch und durch reglementieren lässt. Da müssen manchmal Entscheidungen in Sekundenbruchteilen gefällt werden. Um den Strassenverkehr sicherer zu machen, ist die Aufmerksamkeit aller Beteiligter nötig. Zu viel Reglementierung führt lediglich dazu, dass sich die eine oder andere Gruppe in einer falschen Sicherheit zu befinden glaubt.

Und was tun unsere Qualitätsjournalisten? Sie machen es sich denkbar einfach und pflastern nun jeden Zwischenfall an einem Zebrastreifen auf die Titelseite. Wie wäre es dagegen zur Abwechslung mal mit wirklichem Qualitätsjournalismus? Wie wäre es mit etwas qualitativer Aufklärung? Qualifizierte Fragen gäbe es genug:

  • Muss ich als Fussgänger auch auf die Autos achten?
  • Muss ich mit dem Auto einen Velofahrer den Vortritt gewähren, wenn er über einen Zebrastreifen fahren will?
  • Welche Spur befahre ich vor dem Kreisel, wenn ich die erste, zweite, oder dritte Kreiselausfahrt benutzen will?
  • Wer hat Vortritt innerhalb des Kreisels?
  • Darf ich als Fussgänger auch auf die Autobahn, wenn ich Turnschuhe trage und dort eine Vignette angeklebt habe?
  • Gelten für Fahrräder die selben Verkehrsregeln wie für Autos?

Können die Qualitätsmedien qualifizierte Antworten liefern sowie ihre Pflicht wahrnehmen und die Leser informieren statt nur aufzustacheln?

2 Responses

  1. Wortlieb 29. Dezember 2011 / 06:22

    Politisch möchte ich mich hier gar nicht äussern. Wer aber von „Qualitätsjournalismus“ spricht, der sollte zumindest im Titel und der Überschrift des Blogs eine korrekte Grammatik aufweisen…

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