GSoA will die Wehrpflicht abschaffen

Nachdem die SVP im Kleinen mit dem AAD10 beginnen wollte, fühlt sich die GSoA nun offenbar genötigt und nimmt die gesamte Wehrpflicht auf’s Korn. In ihrer Initiative fordern sie die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in der Schweiz. Es soll niemand mehr gezwungen werden, Dienst in der Armee zu leisten. Die Schweiz verfüge mit einer Stärke von 200’000 Mann über die grösste Armee in Europa – im Verhältnis zur Bevölkerungzahl natürlich. Diese Armee ist mit jährlich rund 4.5 Milliarden teuer und nur für unsinnige Einsätze wie Schwingfesten, Gewerbeausstellungen oder Skirennen einsetzbar, argumentiert die GSoA.

Das Milizsystem hat ausgedient

Natürlich kann man der GSoA unterstellen, dass die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht lediglich ein Zwischenziel zur Abschaffung der gesamten Armee darstellt. Tatsächlich würde die Annahme der Initiative durch das Volk diesen Wunsch beflügeln und bestärken. Jedoch erachte ich es als grundfalsch und sicherheits- sowie sozialpolitisch fatal, die Armee aufzulösen, hängen an der Armee doch auch zahlreiche Jobs. Allerdings bin ich auch der Überzeugung, dass das Modell der Miliz-Armee ausgedient hat. Eine Miliz-Armee ist auf entsprechenden Rückhalt in der Gesellschaft und insbesondere der Wirtschaft angewiesen. Dieser Support hat in den letzten Jahren jedoch markant abgenommen. Aber auch die Bedrohungslage ist nicht mehr die selbe wie vor 20 oder 30 Jahren. Es stellt sich für mich durchaus die Frage, ob in der Zeit von asymmetrischen Gefahren eine Armee aus „Laien“ überhaupt tauglich ist. Ich meine nein.

Berufsarmee zu teuer

Um gegen die aktuellen Bedrohungen einigermassen wirksam vorgehen zu können, braucht es hervorragend ausgebildete und ausgerüstete Truppen. Prädestiniert dafür wäre natürlich die Polizei. Doch deren Ressourcen sind bereits jetzt beschränkt und aufgrund der zu Recht hohen Anforderungsprofile wächst der Nachwuchs auch nicht auf Bäumen. Doch für alle polizeilichen Aufgaben braucht es nicht Personal vom Profil eines Polizisten. Genau hier käme die Berufsarmee zum Einsatz. Die Berufsarmee wäre auf jeden Fall besser ausgebildet als die jetztige Armee, könnte differenzierte zeitlich sowie räumlich begrenzte Aufgaben übernehmen und die Polizei wirksam entlasten. Nicht so wie die Nachtwächterjobs vor den Botschaften, wo die Soldaten bei Gefahr die Polizei rufen muss. Wenn dann diese Berufsarmee gleich viel oder etwas mehr als die heutige Miliz-Armee kosten würde, so wäre dieses Geld wenigstens sinnvoller investiert als jetzt.

Rekrutierungspflicht

Man kann über das Militär denken, was man will. Man kann es verfluchen oder lieben. In einem Punkt bin ich mir aber sicher. Die paar Wochen Rekrutenschule tun jedem jungen Mann gut. Natürlich wird man nicht „zum Mann“ gemacht in der RS. Aber nebst dem so verteufelten Kriegshandwerk lernen die Rekruten auch persönliches, für ihre Sozialkompetenz wichtige Dinge in der RS. In der RS herrscht eine andere Kameradschaft als bzw. im Fussballverein. In der RS muss man seine persönlichen Probleme lösen und kann nicht einfach davon rennen, weil man die Konfrontation scheut. Man lernt, mit anderen, erst völlig fremden Menschen umzugehen, man lernt Verantwortung für sich uns eine Kameraden zu übernehmen. Und man ist geführt – man wird nicht sich selbst überlassen. Die RS hat durchaus viele positive Aspekte neben dem militärischen Drill. Deshalb würde ich für alle tauglichen jungen Männer die RS-Pflicht beibehalten. Nach erfolgter Ausbildung könnte noch immer entschieden werden, ob sie zurück in die Privatwirtschaft möchten oder sich für ein paar Jahre für den Militärdienst verpflichten. Selbstredend müssten Mechanismen gefunden werden, die dafür sorgen, dass die Armee stets über genügend personelle Ressourcen verfügt, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Der Auftrag der Armee muss endlich auf’s politische Parkett!

Womit wir bei einem anderen wichtigen Thema wären. Grundlage für jede Armee ist deren Auftrag. Nur wenn der Auftrag bekannt ist, kann die Armee dimensioniert werden. Wollen wir eine Landesverteidigung im herkömmlichen Sinn, werden wir wohl nicht um die herkömmliche Miliz-Armee inklusive allgemeiner Wehrpflicht umhinkommen. Können wir den Auftrag der Armee aber aktualisiert auf die neuen Bedrohungslagen umformulieren, werden wir erkennen, dass wir tatsächlich kein Massenheer benötigen sondern gut ausgebildete Kräfte, welche schnell und gezielt handeln können. Bevor also grundsätzlich an den Strukturen der Armee herumgebastelt wird, muss zuerst der Auftrag diskutiert werden. Es müssen Fragen wie „Was wollen wir für eine Sicherheit in unserem Land?“ und „Was ist uns diese Sicherheit wert?“ diskutiert und beantwortet werden.

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