Wir haben doch den Sündenbock für Ghaddafi

Warum suchen wir noch den Schuldigen, welcher die Polizeifotos an die Presse weitergeleitet hat? Diese Suche hat sowieso keinen Sinn, da der Name innert nützlicher Zeit sowieso nicht bekannt wird. Aber es gibt da jemand anderen, dem man Muammar zum Frass vorwerfen kann.

Im Club vom 15. Juni 2010 verteidigte der Chefredaktor der „Tribune de Genève“ Pierre Ruetschi die Publikation der Polizeifotos von Hannibal Ghaddafi (Quadhafi, Gaddaffi, al-Dingsbums … irgendwie weiss niemand so genau, wie man den Namen dieses Knallkopfes richtig schreibt). Die Argumentation Ruetschis war an Blödheit kaum mehr zu übertreffen. Die Fotos hätten einen grossen Informationsgehalt besessen um die Demütigungen von Hannibal, den verkopften Hausangestelten, des Bundespräsidenten, etc. zu verstehen und darzustellen. Zudem, so der Chef-Schreiberling aus Genf, wollte man mit den Bildern das Gerücht entkräften, Hannibal sei von den Polizeikräften misshandelt und gehauen worden. Weiter versuchte er den Abdruck der Bildchen noch mit beinahe poetischen Aspekten zu beleuchten und zu rechtfertigen. Was für eine Quetschbirne!

Stellt die Suche nach dem grossen Unbekannten ein und werft Ruetschi dem Wüstenhammel zum Frass vor. Damit ist die Sache geritzt und ein dummdämlicher Qualitätsjournalist wird für einmal die Folgen seines unqualifizierten Tuns erfahren.

7 Responses

  1. odin 16. Juni 2010 / 19:07

    Alexander Limacher bekundete vorhin ein Lob für meine Ansichten. Anscheinend hat er aber nicht genau gelesen was ich geschrieben habe. Seine Lobhuldigungen können dann nicht mit den oberen Textpassagen übereinstimmen. Ich finde es nämlich nicht in Ordnung das man so über Herrn Ruetschi und seine Zeitung herzieht! Es kann doch nicht angehen, dass Politiker andauernd widerrechtlich Gesetze verletzten, wie bei den 4500 UBS Kundendaten, oder dem Ausplaudern von Sitzungsgeheimnissen. Diese Leute werden einfach nie belangt, während bei den Polizeifotos wieder ein Kleiner gehängt wird. Diese Doppelmoral stinkt mir bis zum Himmel.

    Entweder gilt das Gesetz für alle Leute in diesem Land, oder dann stellen wir das Verfahren gegen die Tribune de Genève ein. Die Polizeifotos sind ein Klecks gegen diese Gesetzesbrüche. Zudem wird auch jede andere prominente Person, für die die Unschuldsvermutung gilt, vor einem Gerichtsgebäude gnadenlos von den Medien gefilmt und geknipst. Hier würde aber auch niemand die Medien anklagen wegen der Verletzung seiner Privatsphäre. Besser sollte man MCR und Merz dem Wüstendespoten zum Frass vorwerfen.

    Im weiteren dürfte wohl ohnehin ein Polizist der Hauptschuldige sein in dieser ganzen Fotogeschichte. Dazu darf man nur begrenzt gegen die Zeitung ermitteln

    Bundesverfassung, Art. 17 Medienfreiheit, Absatz 3
    Das Redaktionsgeheimnis ist gewährleistet.

  2. Alexander Limacher 17. Juni 2010 / 09:39

    Seine Lobhuldigungen (…)

    nana, wir wollen mal nicht übertreiben …

    Ich finde es nämlich nicht in Ordnung das man so über Herrn Ruetschi und seine Zeitung herzieht! Es kann doch nicht angehen, dass Politiker andauernd widerrechtlich Gesetze verletzten, wie bei den 4500 UBS Kundendaten, oder dem Ausplaudern von Sitzungsgeheimnissen.

    ich dagegen finde es nicht in ordnung, dass ruetschi im club solchen bockmist vom stapel lässt. die veröffentlichung der bilder hatten direkte negative auswirkungen auf ramdani, göldi und die verhandlungen. ein stets immer alles besser wissender qualitätsjourni hätte dies voraussehen müssen. ein anderes westschweizer blatt, welches die bilder ebenfalls zugespielt bekommen hatte, verzichtete auf deren publikation. dass die zeitung ihren informanten nicht preisgibt, ist klar. dafür gibts – wie du richtig anmerkst – die einte passage in der bundesverfassung. doch das entschuldigt nicht das verhalten vom chefredaktor, das entschuldigt nicht seine windigen ausreden. eine rechtliche schuld bei der publikation der polizeifotos könnte man der zeitung wahrscheinlich sowieso nachweisen. die moralische schuld wiegt für mich hier aber grösser. und genau deshalb muss ruetschi die konsequenzen tragen.

    der vergleich übrigens zwischen dem fall libyen und dem ubs-staatsvertrag hinkt übrigens. diese zwei geschäfte haben nichts miteinander zu tun. und wenn ich deine logik richtig interpretiere, dürften also die bürger solange auch gesetzesübertretungen begehen, solange der hinterste und letzte politiker das nicht mehr tut. ‚tschuldige, aber …

  3. odin 17. Juni 2010 / 18:18

    In der Schweiz gibt es eben sehr viele Dinge von den Medien die direkten negativen Einfluss auf Personen, Abstimmungen und Verhandlungen bewirken. So gesehen müssten wir nach Ihrer Logik die meisten Medien stark zensieren oder verbieten. Aber ausgerechnet bei diesem Despotenensöhnchen bellen die Hunde am lautesten. Das ist total verlogen. Da wüsste ich gewichtigere Dinge von den Medien zu kritisieren die moralisch nicht in Ordnung sind. Medienfreiheit und Demokratie unterstehen nicht nach den Befindlichkeiten von Schurkenstaaten. Ansonsten können wir gleich aufhören mit unserer Freiheit und Demokratie. Die Pressefreiheit ist dann auch noch in der Bundesverfassung verankert. Zum Glück!

    Und mit dem richtigen Hinweis von Ihnen auf das Redeaktionsgeheimnis ist der Fall rechtlich nur schwer zu ahnden.

    Beim Zeitpunkt der Fotoveröffentlichung war der Fall ohnehin hoffnungslos verloren. MCR und Merz haben dann wohl mehr mit dummen Aussagen und dummen Grimassen das ganze weiter verschachert.

    Ich habe nicht gesagt das der Fall Libyen und die UBS etwas mit einander zu tun haben. In beiden Fällen wurde aber offensichtlich Schweizer Recht missachtet: Bei der Zuspielung der Polizeifotos an die Medien auf der einen Seite, der widerrechtlichen Überweisung von 4500 UBS-Kundendaten an die USA anderseits. Dann die ständigen Amtsgeheimnisverletzungen der Politiker in Bern. In beiden Fällen verletzten unsere Politiker also die eigene Gesetzgebung ( über die Motive müssen wir nun nicht mehr streiten). Das gleiche Politikermilieu macht sich dann stark für diesen Pseudovertrag mit Libyen und eben dieser Strafverfolgung wegen den veröffentlichten Polizeifotos. Das ist absolut verlogen und völliger Verhältnisblödsinn. Die ständigen Indiskretionen in Bern und Gesetzesverletzungen wiegen weitaus schwerer als diese Polizeifotos. Ein Normalsterblicher würde dann wohl nur 10.000 statts 1,5 Millionen Franken Schmerzensgeld erhalten.

    Ruetschi sollte dann auch keine Konsequenzen ziehen, so lange die Pfeifenköpfe im Bundesrat das nicht machen!!

  4. Alexander Limacher 18. Juni 2010 / 09:04

    So gesehen müssten wir nach Ihrer Logik die meisten Medien stark zensieren oder verbieten.

    zum teil wäre das tatsächlich nicht falsch. der übereifer der medien betrifft aber recht selten ein persönliches schicksal eines menschen, welcher der willkür eines idioten ausgesetzt ist. man muss hier also differenzieren.

    Beim Zeitpunkt der Fotoveröffentlichung war der Fall ohnehin hoffnungslos verloren. MCR und Merz haben dann wohl mehr mit dummen Aussagen und dummen Grimassen das ganze weiter verschachert.

    … und wurde durch die veröffentlichung nochmals unnötig angeheizt. natürlich, die beiden bundesräte waren keine glanzlichter. doch sehen wir’s von einer anderen seite: würde einer der beiden wegen der libyen-affaire zurücktreten, wäre das wieder ein punkt für den lümmel aus der wüste. okay, würde calmy das kopftuch nehmen, könnte ich das noch verkraften – und man könnte sogar annehmen, dass sich muammar für die nicht interessiert.

  5. odin 20. Juni 2010 / 10:45

    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende: Sie zollen hier den beiden Bundesräten eine falsche Loyalität zu. Gaddafi hat schon längst den Triumph über uns den er wollte, die Schweiz das Gesicht total verloren. Ständig kommen neue Dummheiten von MCR und Merz ans Licht. Da spielt es wirklich keine Rolle mehr wenn diese beiden Versager sofort zurücktreten und in die Wüste geschickt werden.

    Seien Sie sich auch bewusst was es bedeuten würde, wenn nur schon ein Teil der Medien zensiert würde. Das wäre ein erheblicher Eingriff in die Pressefreiheit. So wie die Medien viele Dinge verbreiten die sie nicht publizieren dürften, so haben diese eben auch schon viele Dinge verbreitet die grosse Skandale aufgedeckt haben. Ohne die Enthüllungen wären viele Ungerechtigkeiten unentdeckt geblieben. Dessen müssen Sie sich bewusst sein. Mit einer Teilzensur würde man womöglich auch wieder Skandale unter dem Deckel behalten.

    Das dann die Medien gegenüber Personen nur selten Übereifer an den Tag legen stimmt natürlich auch nicht. Das wäre dann das andere Extrem. Über Peter Regli, Christoph Blocher oder Thomas Borer wurde auch gröbste Unwahrheiten von den Medien verbreitet, die maßgebenden Einfluss auf deren Karriere und die politische Macht verursachten.

  6. odin 20. Juni 2010 / 11:46

    P.S. Nicht zu vergessen was Lügengeschichten der Medien schon auf Firmen und Börsenkurse negatives bewirkten…

  7. Alexander Limacher 21. Juni 2010 / 08:57

    Seien Sie sich auch bewusst was es bedeuten würde, wenn nur schon ein Teil der Medien zensiert würde. Das wäre ein erheblicher Eingriff in die Pressefreiheit.

    ich ziehe meine bemerkungen zum thema zensur zurück. ich hab mich da in etwas verrant, was nicht richtig ist. zensur ist keine lösung, schon gar nicht in einer modernen demokratie wie bei uns. nein, ich will keine zensur. aber ich verlange mehr weitsicht von den medien.

    Über Peter Regli, Christoph Blocher oder Thomas Borer wurde auch gröbste Unwahrheiten von den Medien verbreitet, die maßgebenden Einfluss auf deren Karriere und die politische Macht verursachten.

    die wurden aber nicht von einem kameltreiber festgehalten oder waren an leib und leben bedroht. DAS ist der unterschied.

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