Der Burka-Irrtum

Im Zusammenhang mit der Minarett-Initiative habe ich einige Diskussionen geführt. Oft kam man dabei auch auf das Thema Burka zu sprechen. Damals, wie auch heute sagen viele Leute, in der Schweiz gäbe es ja gar niemanden, der eine Burka trägt. Dem habe ich bislang immer entgegnet, dass ich vergangenen Sommer in Interlaken sehr viele Burkas gesehen habe und einige Tage später auch in Lausanne, wo sie kurz nach dem Eindunkeln „aus allen Löchern gekrochen“ kamen – diesen Eindruck hatte ich jedenfalls, denn plötzlich wimmelte es von solchen Schattengestalten. Kürzlich dann noch die Geschichte im Blick mit derjenigen, die in der Burka Auto fuhr … Doch das war ein Irrtum. Weder die Autofahrerin noch all die dunklen Geister die ich in Lausanne sah, waren Burka-Trägerinnen.

Diesbezüglich mal ein kleiner Vergleich:

Das, was ich gesehen habe, waren Niqabs in Lausanne und Tschadors in Interlaken (Nachmittags, bei über 30 Grad nota bene). Bei dem Niqab geht es wie bei der Burka um die komplette Gesichtsverhüllung, wobei für die Augen ein kleiner Schlitz freigelassen wird. Der Tschador kann das Gesicht freilassen, oder es zum Teil bedecken. Die Burka lässt noch nicht einmal den Blick auf die Augen frei, da der Sichtschlitz mit Stoff bedekt ist.

Mittlerweile wird der Begriff Burka als Synonym für wohl all diese Ganz- und Halbvermummungen verwendet. Sagt mir also jemand, er habe in der Schweiz noch nie eine Burka gesehen, so werde ich ihm künftig glauben. Was ich aber nicht glauben kann, dass man noch nie eine praktisch vollverschleierte Frau gesehen hat.

Es ist also grundsätzlich völlig egal, ob jemand eine Burka, ein Niqab oder was auch immer trägt. Entscheidend dabei ist, dass das Gesicht klar zu erkennen ist. Eine Minimalforderung, die in der Schweiz durchsetzbar sein dürfte, ohne dass sich wieder irgend eine Religion ans Bein gepinkelt fühlt.

4 Responses

  1. Tom 19. Mai 2010 / 14:47

    Das ist richtig; ich empfinde es auch als ziemlich egal, welcher Typ von Burka das nun genau ist. Ich empfinde nämlich alle diese Varianten als Unhöflichkeit den Mitmenschen gegenüber.

    Ausserdem: in einigen Ländern laufen Frauen Gefahr, beim vorzeigen von zu viel Haut gesteinigt zu werden. Bei uns denken ein paar Sinnsucher, das sei Livestyle und kleiden sich freiwillig so. Irgendwie peinlich.

  2. Tika, Simeone, Dzijan 5. Dezember 2013 / 14:22

    Guten Tag

    Wir sind im 3. Lehrjahr und machen eine Vertiefungsarbeit über die Burka, Burka – Verbot.

    Wir hätten da verschiedene Fragen um ein Interview herzustellen. Ich schicke Ihnen mal die Fragen die Für Burkaverbot sind und die Gegen Burkaverbot sind.

    Falls sie uns weiterhelfen könnten, wären wir sehr dankbar.

    Fragen:

    Für Burkaverbot:
    – Warum sind Sie gegen die Verschleierung? Stört Sie diese?
    – Wieso soll die Burka in der gesamten Schweiz verboten werden? Hat diese eine negative Auswirkung auf unsere Gesellschaft?
    Wenn Ja, Wie würden Sie diese begründen?
    – Würde so eine Abstimmung wie im Tessin vor dem Bund kommen. Was denken sie würde diese angenommen werden?
    – Wie würde die Gesellschaft reagieren würde so ein Verbot eingesetzt werden?
    – Die Schweiz ist ein Land mit Religionsfreiheit wieso sollte so ein Gesetz trotzdem die Initiative ergreifen?

    Gegen Burkaverbot:
    – Im Tessin wurde das Burka-Verbot angenommen, finden sie diese Abstimmung korrekt?
    – Die Schweiz ist ein Land mit Religionsfreiheit, sollte man sich in der Schweiz trotzdem anpassen, wenn es um Religion und Kultur geht?
    – Was denken Sie? Wieso wurde für so ein Verbot im Tessin abgestimmt? Hat die Burka eine negative Auswirkung auf unsere Gesellschaft?
    – Würde so eine Abstimmung wie im Tessin vor dem Bund kommen. Was denken Sie würde diese angenommen werden?
    Wenn Ja, Wie würden Sie diese begründen?
    – Warum sind Sie gegen das Burka Verbot?

    Auch wenn sie uns nicht weiterhelfen könnten, wären wir froh eine Email zurück zu bekommen.

    Freundlicher Gruss

    Klasse Fachfrau Gesundheit des Kanton Luzern

  3. Alexander Limacher 10. Dezember 2013 / 08:10

    Warum sind Sie gegen die Verschleierung? Stört Sie diese?

    In der Schweiz sind wir es gewohnt, die Gesichter der Menschen zu sehen. Dies ermöglicht eine non-verbale Kommunikation. Wenn das Gesicht verschleiert ist, ist das nicht möglich. Wenn wir uns mit jemandem unterhalten, sehen wir einander an. Schaut der eine dabei ständig weg, empfinden wir das als negativ. Dasselbe ist es, wenn wir uns mit einer verschleierten Person unterhalten.

    Wieso soll die Burka in der gesamten Schweiz verboten werden? Hat diese eine negative Auswirkung auf unsere Gesellschaft?

    Es geht nicht primär um ein Verbot der Burka, es geht nicht um das Verbot eines bestimmten Kleidungsstücks. Der Kernpunkt liegt in einem Vermummungs-Verbot – also ein Verbot, sich im normalen Alltag das Gesicht zu verhüllen. Die Bezeichnung «Burka-Verbot» ist eigentlich nicht korrekt.

    Wie bei der ersten Frage schon erwähnt. Wir sind es gewohnt, das Gesicht der Menschen zu sehen. Ein verhülltes Gesicht bereitet uns Unbehagen. Weiter kann es ein Sicherheitsrisiko sein. Betritt jemand in einem Ganzkörperschleier zum Beispiel eine Bank, könnte unter dem Stoff grad so gut ein bewaffneter Mann stecken, der einen Überfall verüben will. In vielen Tankstellen, als anderes Beispiel, stehen Schilder an der Tür, welche die Töff-Fahrer auffordern, den Shop nur ohne aufgesetzten Helm zu betreten.

    Würde so eine Abstimmung wie im Tessin vor dem Bund kommen. Was denken sie würde diese angenommen werden?

    Womöglich. Ich kann nicht in die Zukunft schauen.

    Wie würde die Gesellschaft reagieren würde so ein Verbot eingesetzt werden?

    Die einen fänden es gut, die anderen schlecht.

    Die Schweiz ist ein Land mit Religionsfreiheit wieso sollte so ein Gesetz trotzdem die Initiative ergreifen?

    Das Tragen einer Burka oder eines Körperschleiers hat nichts mit irgend einer Religion zu tun. Das Tragen der Burka oder einer anderen Variante ist im Koran zum Beispiel nicht vorgeschrieben. Ein allfälliges Verbot ritzt die Religionsfreiheit in keiner Weise.

    Im Tessin wurde das Burka-Verbot angenommen, finden sie diese Abstimmung korrekt?

    Im Tessin hat das Volk über diese Frage befunden. Es gehört sich nicht, Entscheide des Souveräns in Frage zu stellen. Das Volk hat das letzte Wort und das ist zu akzeptieren.

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