Cédric Wermuths Ode an die SVP

Freitag, 9. April 2010. Ein wahrlich historisches Datum. In der Arena diskutiert man darüber, weshalb die SP stetig Wähler verliert und die traditionellen Mitteparteien quasi in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Ganz nach dem Motto der Sendung „Alle gegen die SVP“ warf der Schwellen-Ruedi (Ruedi Aeschbacher), Nationalrat der EVP, der Volkspartei Populismus vor und nur deshalb konnte sie ihre Wählerstärke behalten und weiter ausbauen. Ich, aber auch der wie immer viel zu viel quasselnde Moderator Reto Brennwald, trauten unseren Ohren nicht. Cédric Wermuth verteidigte die SVP in Punkto Populismus und anerkannte, dass diese Partei die Anliegen des Volkes oder eben der Basis kenne und darauf eingehe. Er gestand ein, dass dies seine Partei zu wenig, und speziell FDP und CVP dies seit Jahren eben überhaupt nicht mehr tun. Wahnsinn! Obwohl ich denke, dass man in diese Aussage nicht zu viel hineininterpretieren darf, macht sich doch etwas Hoffnung breit, dass eben diese „Einfach gegen die SVP“-Strategie der Mitte und der Linken während den letzten Jahren vielleicht doch etwas an Bedeutung verlieren könnte.

Während der ersten Hälfte der Sendung ging es bei allen Beteiligten bloss darum, aus Prinzip gegen die SVP zu schiessen. Besonders dumm stellte sich die Vertreterin der CVP, Brigitte Häberli, an. Während sie ständig allen Leuten ins Wort fiel (eine Abart, die ich parteiunabhängig einfach nur unglaublich verachte) ist sie tatsächlich noch der illusorisch realitätsfremden Ansicht, dass die Mitte, namentlich die CVP natürlich, die Hauptarbeit bei der Lösungssuche bei politischen Problemen leistet. Faktisch macht die CVP aber nichts anderes, als die beiden Pole zuerst gegeneinander prallen zu lassen und sich dann derjenigen Seite anschliesst, denen sie mehr Chancen bei den Abstimmungen zutraut. Am Schluss spielt sie sich dann ständig als grosse Abstimmungsgewinnerin auf … und verliert Wahl für Wahl. SVP-Präsident Toni Brunner konnte all diesen haltlosen Beschuldigungen von allen Seiten aber gekonnt Paroli bieten.

Interessanter als das allmählich ausgelutsche SVP-Bashing waren die Einwürfe des grünliberalen Martin Bäumle. Obwohl er eigentlich vom Links-Mitte-Rechts-Denken weg möchte, sieht er seine Partei doch eher in der Mitte angesiedelt. Die kleine grünliberale Fraktion ist auf die Hilfe anderer Parteien angewiesen, um ihre Anliegen durchzubringen. Bäumle kritisiert quer durchs Band sämtliche Parteien. Gleichzeitig aber sieht er quer duchs selbe Band Positives bei den Parteien. Das ist noch nichts Spezielles. Was ihn aber von einer CVP oder FDP abhebt: er steht dazu. Wie die Grünliberalen künftig politisieren, wie sie sich positionieren und wie sich die Partei entwickelt, darf durchaus mit Interesse beobachtet werden.

Doch zurück zum Wettkönig Wermuth. Ich kann nicht abstreiten, dass er für mich in der heutigen Arena einen guten Eindruck hinterlassen hat. Zwar hat er und vor allem seine Partei noch immer viele ziemlich abstruse Ideen, aber heute glaubte ich fast daran, dass man mit ihm sachpolitisch zusammenarbeiten könnte. Mal sehen …

4 Responses

  1. odin 11. April 2010 / 13:45

    Ich finde Ihre Analyse total daneben. Ich will Ihnen auch sagen weshalb. Fangen wir an mit Martin Bäumle. Dieser Politiker ist nicht so ehrlich wie Sie hier behaupten. Vor einem Jahr bekannte sich Martin Bäumle in der Arena dazu, den Ueli Maurer gewählt zu haben. Er habe dies zum Erhalt der Konkordanz gemacht. Im November dann wollte Bäumle kurzzeitig Zürcher Regierungsrat werden, obwohl die GLP nur 7,5 Wähleranteil im Kanton Zürich verbucht, konkordanzmäßig also der Anspruch nicht gegeben wäre. Dort das zu sagen und hier jenes ist nicht glaubwürdig. Die GLP ist ohnehin eine Mogelpackung, die das Rad nicht neu erfunden hat. Martin Bäumle gibt sich grün, liberal und wirtschaftsliberal. Das passt aber nie und nimmer zusammen. Sie können nicht für das Grüne höhere Benzinpreise fordern, wenn auf der anderen Seite das Transportgewerbe und das Gewerbe allgemein weiter belastet werden. Dann sind Sie zwar auf dem grünen Zweig, aber eben nicht wirtschaftsliberal.

    Die GLP ist für mich dann auch nicht bürgerlich, sondern so ähnlich wie die CVP, sich immer opportunistisch auf die Erfolgsseite zu richten. Verena Diener ist für mich bei der GLP der Inbegriff vom wischi-waschi. Solche Leute mag ich nicht. Man gewinnt zwar so leichter die Wahlen, eine wahre Alternative mit eigenem Profil hat man so aber nicht.

    Was ist schon daran wenn Wermuth das gute Gespür der SVP hervorhebt?? Der Juso gibt hiermit doch nur das zu, was sich nicht länger verleugnen lässt. Und was heisst hier einen “ guten Eindruck hinterlasen “ ? Ist das Ihr ernst ? Wermuth und die SP mit ihren neuen Positionspapier bringen hier kommunistische Lösungsansätze. Das diese nichts bringen wissen wir doch unterdessen. Auch dort wo die Kommunisten eine zweite Chance bekommen ( z.B in Venezuela, Bolivien und Simbabwe) werden die Leute nicht gleichmässig reicher. Anstatt das alle sich im Reichtum angleichen, werden alle gleich arm. Unser System ist trotz einiger Mängel nachweislich noch immer eines der besten. Die Mängel gilt es aber zu korrigieren. Den Kommunismus muss man deshalb aber nicht einführen in der Wirtschaftsordnung. Damit haben wir nicht weniger Korruption und nicht weniger Missbräuche, nur die Fassade ist etwas anderst. Eigenverantwortung wird so überall in solchen Systemen und der Planwirtschaft beseitigt, dass Individuum soll nichts mehr zählen, der Staat übernimmt alle Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft, auch das Denken. Den Genossen in den Werken und Kolchosen wurde auch immer gesagt, dass diese mitbestimmen und mitgestalten dürften. Im Kommunismus war das dann aber real nicht möglich, oder die Genossen verstanden nichts von Ökonomie. Mit falschem Plansoll und falschen Prioritäten ging dann der Staat bachab. Wermuth ist eine Spinner aus der Linksextremen Ecke, der gefährliche Positionen vertritt und der Demokratie schadet.

    Ich finde es von CVP und FDP schon ziemlich Anmlassend zu sagen, die goldene “ Mitte “ bringe gute Lösungsansätze zu den Polen. So wie diese die Minderinitiative mit ihren Vorstellungen und direktem gegenvorschlag verwässert haben ist das bestimmt keine gute Sache. In den letzten 20 Jahren haben die CVP und die FDP nun überhaupt keine brauchbaren Vorschläge zum Ausländerproblem gebracht. Wie auch in andern Sachfragen dies der Fall war. Entweder gingen die Zentristen mit den Linken ist Bett, der dann war es ein unbrauchbares wischi-waschi. Darum auch der Niedergang von FDP und CVP.

  2. Alexander Limacher 11. April 2010 / 21:33

    Fangen wir an mit Martin Bäumle. Dieser Politiker ist nicht so ehrlich wie Sie hier behaupten.

    Wo behaupte ich denn, dass er ehrlich ist? Ich habe nur erwähnt, dass er im Gegensatz zu FDP und CVP dazu steht, mal mit der einen und mal mit der anderen Partei zusammenzuspannen. Man erinnere sich nur mal an den lächerlichen Auftritt von Darbellay in einer Arena vor Jahren, in welcher er demonstrativ sein Pültchen weg von den Linken zu den Rechten verschob um damit zu zeigen, dass die CVP bürgerlich sei, obwohl sie ständig mit der SP ins Bett geht. Das ist der Unterschied zu den Grünliberalen. Bäumle hat nicht behauptet, er sei bürgerlich. Er sagt auch nicht, er sei links.

    Was ist schon daran wenn Wermuth das gute Gespür der SVP hervorhebt??

    Ich fand’s erstaundlich. Denn im Normalfall hat die SP nur das Ziel, alles, aber auch absolut alles, was von der SVP kommt, in Grund und Boden zu stampfen.

    Und was heisst hier einen ” guten Eindruck hinterlasen ” ? Ist das Ihr ernst ?

    Ja natürlich ist das mein Ernst, sonst hätt‘ ich’s ja nicht geschrieben. Im Gegensatz zu anderen Auftritten von Wermuth hat er sich in besagter Arena für einmal einigermassen reif aufgeführt. Ausserdem, so mein persönlicher Eindruck, hatte Toni richtig Spass, mit ihm zu debattieren. Selbstverständlich blieben die üblichen Seitenhiebe der Pole gegeneinander nicht aus. Aber es herrschte eine angenehme Streitkultur zwischen den beiden und nicht bloss das „aus Prinzip aufeinander eindreschen“, wie das passiert, wenn andere wirre Exponenten der SP dastehen. Ob das nur das eine Mal so war oder ob sich da eine gewisse Wandlung abzeichnet, wird sich zeigen.

    Wermuth und die SP mit ihren neuen Positionspapier bringen hier kommunistische Lösungsansätze.

    Ja logisch, oder hast Du erwartet, die SP als Partei würde plötzlich vernünftig? Abgesehen davon muss man wissen, wer dieses ach so neue Parteiprogramm verfasst hat. Niemand anderes als Hansjörg Fehr. Er hat während seiner Präsidialzeit das SVP-Bashing überhaupt erfunden. Und selbstredend habe ich nicht Wermuth’s Positionen oder Ansichten als „guten Eindruck“ gewertet, sondern die Art, wie er an der Diskussion teilnahm. Ein erheblicher Unterschied, wie ich meine. Manchmal muss man das eine oder andere halt mehrmals lesen, um es zu verstehen …

  3. odin 11. April 2010 / 22:48

    [ Bäumle hat nicht behauptet, er sei bürgerlich. Er sagt auch nicht, er sei links.]

    Bäumle bleibt aber verlogen. Konkordanz zu predigen und sich selber nicht daran halten ist nicht glaubwürdig. Die Widersprüche der GLP zwischen grün und liberal bleiben für mich bestehen. Diese Partei hat das Rad ( der Mitte) nicht neu erfunden.

    Bedenklich wenn Wermuth bei Ihnen einen guten Eindruck gemacht hat. Ich meine, was nützt es wenn jemand in der Arena anständig zur Konkurrenz ist, aber eine politische Stossrichtung vorgibt, die höchst bedenklich ist ?? Kaspar Villiger war bei seinem Auftritt neulich in der Arena vom Auftreten her auch sehr nett und höflich zu jeder Person, aber vernichtend in seinen Inhalten und Beschönigungen. Bei mir kommt es auf den Inhalt drauf an und nicht ob zwei sich mögen oder nicht. Natürlich ist es schön wenn man auch lachen und scherzen kann. Man sollte das aber nicht überbewerten.

    Ich habe heute die Samstagsrundschau von Radio DRS gehört. Das was Fehr sagte hat schon viel mit Planwirtschaft und Enteignung zu tun. Er streitet das aber ab, was ich als sehr lächerlich empfinde. Vieles von dem tönt nämlich schon noch so, als würden die DDR, die UDSSR, die Kolchosen und das wirtschaftliche Plansoll der KPDSU weiterhin bestehen.

  4. Alexander Limacher 12. April 2010 / 09:40

    Bäumle bleibt aber verlogen. Konkordanz zu predigen und sich selber nicht daran halten ist nicht glaubwürdig. Die Widersprüche der GLP zwischen grün und liberal bleiben für mich bestehen. Diese Partei hat das Rad ( der Mitte) nicht neu erfunden.

    Tja, es tut mir leid, wenn meine „Analyse“ nicht vollständig ist. Ich habe mich bei meinen Äusserungen auf die Arena-Sendung bezogen. Und in dieser Sendung fand ich die Voten von Martin Bäumle gut.

    Bedenklich wenn Wermuth bei Ihnen einen guten Eindruck gemacht hat. Ich meine, was nützt es wenn jemand in der Arena anständig zur Konkurrenz ist, aber eine politische Stossrichtung vorgibt, die höchst bedenklich ist ??

    Ein gewisser Anstand und der nötige Respekt voreinander ist Voraussetzung dafür, dass man vernünftig und lösungsorientiert diskutieren kann. Keift man sich nämlich bloss immer an, steht der Fokus auf dem Angriff und nicht auf der Sache. Folglich ist die Diskussion für’n Arsch.
    Die politische Position und die Ansichten von Wermuth und seiner SP habe ich übrigens gar nicht kommentiert. Nochmals: ich hatte einen guten Eindruck von Wermuth bezüglich der Art und Weise, wie er an der Diskussion teilnahm.

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