Sind unsere Lehrer Weicheier?

Die Diskussionen über die misslungene Bildungspolitik mit ihren gescheiterten Reformen der letzten Jahre reisst nicht ab – und das aus gutem Grund. Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung ist sich einig: es muss etwas geschehen – so gehts nicht weiter. Schlagworte wie Wohlfühlschule, Kuschelpädagogik, antiautoritäre Erziehung machen die Runde. In den Volksschulen wimmelt es von Schulpsychologen, jährlich werden immer mehr Kidz „abgeklärt“ … und die Jugendgewalt nimmt zu.

Dabei erstaunt es mich doch immer wieder, wieviele Lehrer die wirkliche Problematik mit den ganzen Reformen sehen, wieviele sich wieder eine etwas konservativere Schule wünschen. Wieviele Lehrer wieder Lehrer sein möchten und nicht nur die auf Kohlenstoff basierende Erfassungseinheit für bildungsmonitorische Statistiken und Wesensbeurteilungen für den Schulpsychologischen Dienst, während sie lektionsweise von Klasse zu Klasse hetzen um den Stoff an die Schüler abzugeben, weil der wichtige persönliche Kontakt zu den Kindern zusammen mit dem klassischen Klassenlehrer flöten ging. Aus meinen Gesprächen mit Lehrpersonen kann ich eine grosse Unzufriedenheit herauslesen.

Doch warum tut sich nichts? Warum stehen die Lehrer nicht endlich auf die Hinterbeine und machen ihrem Ärger Luft, gehen an die Öffentlichkeit, setzen sich gegen die noch immer grassierende Reformitis zur Wehr und opponieren gegen die ihnen bestens bekannten Sesselpädagogen? Sind unsere Lehrer alles Weicheier? Oder haben sie sich selber und ihren Berufsstand bereits aufgegeben und resigniert? Das wäre der Untergang des Schweizerischen Bildungssystem, auf das wir lange Jahre sehr stolz sein durften.

Doch Halt, es gibt sie noch, die Lehrer, die sagen, was sie wirklich denken. Man lese die folgenden Texte:

Warum ich nicht mehr Lehrer bin 
(Artikel aus „Das Magazin“)

Erziehung durch Vorbild – Text gefunden auf winkelried.info
(Peter Keller, Landrat Hergiswil NW, Mittelschullehrer)

Zugegeben, die Liste ist etwas spärlich. Zugegeben, ich hab auch nicht sonderlich lange auf dem Internet nach weiteren Texten gesucht. Zugegeben, ich wusste auch nicht so recht, was ich google für Stichwörter geben sollte. Aber vielleicht gibt es auch einfach keine weiteren kritischen Beurteilungen der Lage von Lehrern … Doch in einem bin ich mir sicher:

Würden sich endlich mehr Lehrer öffentlich äussern, käme etwas mehr Schwung in die Geschichte. Auf die Politiker alleine kann man sich nicht verlassen. Deshalb bitte ich alle Lehrer: rottet Euch zusammen und tut endlich was! Bildung ist zu wichtig, als dass man sie einfach vor sich hin siechen lassen darf. Aber es braucht Euren Effort! Zeigt, dass ich meine Frage mit Nein beantworten kann.

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