Hocken auch im Parlament nur Feiglinge?

Die Standesinitiative des Kantons Schwyz, welche den Rückzug des seit 17 Jahren in Brüssel liegenden EU-Beitrittsgesuches fordert, wurde auch im Nationalrat mit 108 zu 57 Stimmen abgelehnt. Die Initiativ-Gegner waren sich immerhin darüber einig, dass das Gesuch wirkungslos sei. Ein Rückzug würde aber das ohnehin schon gespannte Verhältnis mit der EU zusätzlich belasten und deshalb solle man das Gesuch lieber dort behalten.

Alles Feiglinge im Parlament?

Das Volk sich 2001 klar gegen Beitrittsverhandlungen ausgesprochen. Ein Rückzug des Gesuches wäre immerhin ein Zeichen für einen Nicht-Beitritt der Schweiz und würde klare Verhältnisse diesbezüglich schaffen. Doch der Kuschel-Virus des Bundesrates hat leider bereits einen Grossteil des Parlamentes angesteckt. Man darf davon ausgehen, dass nach so langer Zeit kaum mehr ein EU-Politiker ernsthaft an einen Beitritt der Schweiz glaubt. Wozu also das Gesuch weiterhin bei der EU belassen? Man übt sich wieder einmal darin, den Volkswillen mit Füssen zu treten.

Vielleicht waren aber auch ökologische und finanzielle Gründe für die Ablehnung der Initiative massgebend und man überlegte sich: soll doch die EU ihr Altpapier selber entsorgen …

Es ist ja aber wirklich jämmerlich, wie kleinlaut sich die Schweizer Politik in solchen Fragen gibt und mit wie wenig Rückgrat sie gegenüber anderen Ländern umgeht – dies obwohl sich sogar direkte Nachbarn in einer noch nie dagewesenen Unflätigkeit unserem Land gegenüber verhalten haben. Gerade vom Nationalrat muss man erwarten dürfen, dass er sich für seine Nation einsetzt und zu seinem Land steht – ansonsten muss man sich ernsthaft überlegen, diesem Rat eine andere Bezeichnung zu geben.

Indigo-Kinder – die Propheten der Neuen Zeit

Wie war das noch? Die Eltern müssen wieder besser zu ihren Kindern schauen, damit sie nicht in Versuchung kommen, Blödsin anzustellen. In den Schulen muss wieder mehr Disziplin und Ordnung her, damit die Kidz eine klare Struktur haben und lernen können. Den Jungen muss aufgezeigt werden, dass Autoritäten zu akzeptieren sind, gewisse Regeln gelten und man nicht den ganzen Tag lang machen kann, worauf man grad Lust hat.

Alles falsch!

Und wie war das noch mit der gutgläubigen Reformstrategien? Leicht verhaltensaufällige Schüler sind sofort zur Abklärung schicken und im bedarfs- oder zweifelsfall mit Ritalin zu behandeln. Zusätzlich sind sie auch auf ihre psychomotorischen Fähigkeiten hin zu untersuchen und speziellen Therapien zu unterziehen.

Alles falsch!

Alle diese Kinder sind nur aus unserer beschränkten Sicht der Dinge verhaltensauffällig. In Wirklichkeit handelt es sich um Indigo-Kinder. Beinahe ausserirdische Wesen, welche uns normalen Erdenbürgern in sämtlichen Bereichen komplett überlegen sind.

Indigo-Kinder nennt man so, weil sie unter der Strahlung der „Neuen Zeit“ zur Welt gekommen sind. Diese Strahlung soll tief-blau (Indigo eben) sein. Dabei dachte ich, die neuzeitlichen Kidz seien alle unter der nuklearen Strahlung (könnte die leuchtgründe Phase sein …) geboren worden. Die Bläulinge wissen ganz genau, was ihre Mission auf Erden ist und sie werden uns prophetenhaft bei der Transformation in die Neue Zeit behilflich sein. Man hat festgelegt, dass zwischen 1975 und 1995 Geborene zu dieser vollkommenen „Rasse“ gehören. Was für ein Glück, ich existiere seit 1976. Nun gut, „blau“ bin ich auch dann und wann, aber ob das wirklich mit irgend einer spirituellen Strahlung zusammenhängt …?

Hier einige Merkmale von „uns“ Indigos:

Sie kommen mit einem Gefühl der Erhabenheit zur Welt
Mir wird manchmal Arroganz vorgeworfen. Endlich habe ich das passende und alles erklärende Gegenargument gefunden.

Sie haben Schwierigkeiten mit absoluten Autoritäten
Eltern, Lehrer, Polizei … wenn man mit solchen Institutionen nicht zurecht kommt, hat das eine tiefgründige Bedeutung und darf auf keinen Fall unterbunden werden.

Sie machen keine Dinge, die ihnen sinnlos oder unverständlich erscheinen.
Das „Freie-Wille-Prinzip“ in Vollendung.

Sie reagieren nicht auf Disziplinierungsversuche von Erwachsenen, die auf der Erzeugung von Schuldgefühlen basieren.
Das erklärt auch, weshalb viele der heutigen Teenies vollkommen respekt- und aufmerksamlos durch die Gegend torkeln.

Sie zeigen Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
ADHS – was ich kürzlich durch meine prämienneutrale Selbstdiagnose bei mir einwandfrei festgestellt habe – gilt ab sofort nicht mehr als „Krankheit“ sondern als Beweis der Erhabenheit und darf nicht mehr therapiert werden.

Sie sind hypersensibel gegenüber chemischen Stoffen, beispielsweise in der Nahrung
Aha, die Vollkommenen sind also doch nicht so vollkommen … „Schmäderfräsig“ war ich schon immer und ich wusste auch schon immer, was mir schmekt und was nicht. Beides sind zudem auch klare Indizien für Indigo-Kinder. Manchmal scheine es, als ernähren sie sich von Luft (was meine schlanke Figur erklärt).

Wenn wir uns jetzt also an eine neue Schul- und Familienreform machen, müssen wir unbedingt dem Indigo-Phänomen Rechnung tragen und erneut alle Erkenntnisse über den Haufen werfen. Autoritäten sind abzuschaffen und alle Kidz sollen machen, was sie wollen, während sich Non-Indigos bedingungslos zu unterwerfen haben. Denn nur so können sie uns in die „Neue Zeit“ führen.

Was für ein Blödsinn!

Mehr Infos dazu gibts übrigens auf http://www.indigo-kinder.ch. Ist wirklich eine sehr amüsante Seite.

Sind unsere Lehrer Weicheier?

Die Diskussionen über die misslungene Bildungspolitik mit ihren gescheiterten Reformen der letzten Jahre reisst nicht ab – und das aus gutem Grund. Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung ist sich einig: es muss etwas geschehen – so gehts nicht weiter. Schlagworte wie Wohlfühlschule, Kuschelpädagogik, antiautoritäre Erziehung machen die Runde. In den Volksschulen wimmelt es von Schulpsychologen, jährlich werden immer mehr Kidz „abgeklärt“ … und die Jugendgewalt nimmt zu.

Dabei erstaunt es mich doch immer wieder, wieviele Lehrer die wirkliche Problematik mit den ganzen Reformen sehen, wieviele sich wieder eine etwas konservativere Schule wünschen. Wieviele Lehrer wieder Lehrer sein möchten und nicht nur die auf Kohlenstoff basierende Erfassungseinheit für bildungsmonitorische Statistiken und Wesensbeurteilungen für den Schulpsychologischen Dienst, während sie lektionsweise von Klasse zu Klasse hetzen um den Stoff an die Schüler abzugeben, weil der wichtige persönliche Kontakt zu den Kindern zusammen mit dem klassischen Klassenlehrer flöten ging. Aus meinen Gesprächen mit Lehrpersonen kann ich eine grosse Unzufriedenheit herauslesen.

Doch warum tut sich nichts? Warum stehen die Lehrer nicht endlich auf die Hinterbeine und machen ihrem Ärger Luft, gehen an die Öffentlichkeit, setzen sich gegen die noch immer grassierende Reformitis zur Wehr und opponieren gegen die ihnen bestens bekannten Sesselpädagogen? Sind unsere Lehrer alles Weicheier? Oder haben sie sich selber und ihren Berufsstand bereits aufgegeben und resigniert? Das wäre der Untergang des Schweizerischen Bildungssystem, auf das wir lange Jahre sehr stolz sein durften.

Doch Halt, es gibt sie noch, die Lehrer, die sagen, was sie wirklich denken. Man lese die folgenden Texte:

Warum ich nicht mehr Lehrer bin 
(Artikel aus „Das Magazin“)

Erziehung durch Vorbild – Text gefunden auf winkelried.info
(Peter Keller, Landrat Hergiswil NW, Mittelschullehrer)

Zugegeben, die Liste ist etwas spärlich. Zugegeben, ich hab auch nicht sonderlich lange auf dem Internet nach weiteren Texten gesucht. Zugegeben, ich wusste auch nicht so recht, was ich google für Stichwörter geben sollte. Aber vielleicht gibt es auch einfach keine weiteren kritischen Beurteilungen der Lage von Lehrern … Doch in einem bin ich mir sicher:

Würden sich endlich mehr Lehrer öffentlich äussern, käme etwas mehr Schwung in die Geschichte. Auf die Politiker alleine kann man sich nicht verlassen. Deshalb bitte ich alle Lehrer: rottet Euch zusammen und tut endlich was! Bildung ist zu wichtig, als dass man sie einfach vor sich hin siechen lassen darf. Aber es braucht Euren Effort! Zeigt, dass ich meine Frage mit Nein beantworten kann.