Frühfamilienförderung statt HarmoS

Was haben uns in der ganzen Diskussion über HarmoS die Befürworter vorgejammert, wie wichtig die frühkindliche Bildung sei. Jetzt werden von Bildungsfachleuten plötzlich ganz andere Töne gespukt. Wenn man von Frühförderung spreche, sei damit nicht zwingend Schule gemeint.

Familie ist wichtigster Einflussfaktor

Der Kinderpsychologe und Professor an der interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik sagt ganz klar, dass es egal sei, ob die Kinder mit vier oder fünf Jahren in die Schule oder den Kindergarten gehen. Viel entscheidender ist, wie die Eltern auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Sämtliche Studien beweisen, dass die Familie und das direkte soziale Umfeld der Kleinkinder der wichtigste Einflussfaktor für die Entwicklung darstellt.

Anregungen schaffen, Neugierde stillen

Alle Kinder, welche in ihren ersten Jahren auf Gottes Erde wenig Anregung erhalten oder häufig vor den Fernseher gesetzt werden, haben schlechte Karten in der Schule. Auch Isolation, zum Beispiel wenn alleine im Zimmer gespielt wird, wirkt sich negativ aus. Solche Kinder verfügen über einen geringeren Wortschatz, schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen und oft sind sie auch motorisch weniger fit als ihre gleichaltrigen Kameraden.

Was also ist zu tun? Mit vier oder noch früher in den Kindergarten oder die Basisstufe? Nein! Zwar lernen Kinder von Kindern und es ist wichtig, dass unsere Setzlinge schon in frühen Jahren regelmässigen Kontakt mit anderen Kindern (gleichaltrig und älter) haben. Kinder lernen dass, was sie im Augenblick gerade interessiert. Deshalb bringt es absolut nichts, einige Stunden pro Woche mit den Krümeln in Turnstunden zu gehen oder gar zu versuchen, ihnen das 1×1 beizubringen. Drei- oder Vierjährige lernen nicht in Lektionen.

Die Eltern sind verantwortlich

Nach wie vor sind die Eltern – und nur die Eltern – für die frühkindliche Entwicklung und Förderung ihrer Kinder verantwortlich. Mit den Kindern muss man kommunizieren, ihnen Geschichten vorlesen, sich mit ihnen unterhalten. Jedoch nicht einfach nur während den spärlichen Minuten beim gemeinsamen Abendessen, sondern jeden Tag über längere Zeit. Auch der natürlichen Neugierde der Sprösslinge müssen die Eltern Rechnung tragen und es ihnen ermöglichen, die „Welt zu entdecken“. Die Eltern müssen ihre Kinder beobachten, was sie für Entdeckungen machen. Eltern müssen natürlich eingreiffen, wenn scherwiegende Konsequenzen (schlimmer Verletzungen, etc.) drohen, aber sie sollen den Kindern auch die Möglichkeit geben, unangenehme Erfahrungen zu sammeln. Dies soll nicht nur im Haus oder in der Wohnung geschehen. Es ist ebenso wichtig, dass die Kinder ihren Bewegungsdrang im Freien ausüben dürfen – dann und wann auch unbeobachtet von den Eltern.

Die Eltern müssen die Verantwortung für ihre Kinder wahrnemen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Der Fernseher ist kein Babysitter und HarmoS wird da auch keine sinnvolle Abhilfe schaffen. Die Eltern sind und bleiben letztendlich verantwortlich auch alleine verantwortlich. Helfen kann da nur die Wirtschaft. Sie müssen es den jungen Familien mit flexiblen Arbeitszeiten, Home-Working oder anderen Massnahmen ermöglichen, dass die Eltern ihrer Verantwortung gerecht werden können. Am Schluss wird es nämlich wiederum die schweizer Wirtschaft sein, welche von den Kindern aus „Frühfamilienförderung“ und verantwortungsvoller Erziehung profitieren können. Staatskinder, wie es HarmoS will, können solchen Kindern nicht das Wasser reichen.

Quelle: Tagesanzeiger

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