Bussen für Eltern

Am 2. Februar gab der Regierungsrat von Basel-Stadt in einer Pressemitteilung bekannt, dass er mittels einer Schulgesetzänderung die Pflichten für Eltern schulpflichtiger Kinder regeln will. So will man die Eltern in die Pflicht nehmen, ein zum Lernen günstiges Umfeld für ihre Kinder zu schaffen. Insbesondere haben die Eltern künftig dafür zu Sorgen, dass ihre Sprösslinge den Unterricht ausgeruht und mit einem Frühstück versorgt besuchen. Zudem werden die Erziehungsberechtigten angehalten, die von den Schulbehörden einberufenen Elterngesprächen und Veranstaltungen zu besuchen und dafür zu sorgen, dass sich ihre Setzlinge an die Weisungen und Regeln der Schule halten. Bei wiederholtem Missachten können Eltern von der Schulbehörde oder dem Erziehungsdepartement zu Geldbussen bis zu 1’000 Franken verdonnert werden.

Denkt man über diese Massnahme nach, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Ist unsere Gesellschaft wirklich schon so weit? Müssen wir die Eltern jetzt mit Bussgeldregelungen dazu zwingen, die Aufsichts- und Fürsorgepflicht für ihre Kinder zu übernehmen? Oder ist ein versuchter Angriff nach vorne einer Regierung, die eingesehen hat, dass die Weichspühl-Pädagogik der letzten Jahre nur ein Schuss in den Misthaufen war und sämtliche experimentellen Bildungsreformen an den Volksschulen gescheitert sind? Wenn das „Freie-Wille-Prinzip“ nicht mehr funktioniert, dann wird der Spiess umgedreht und es folgt Repression.

So blödsinnig die Idee des baselstädtischen Regierungsrates auf den ersten Blick auch sein mag, ist es bei näherem Hinsehen ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Was nutzen uns Heerscharen von Schulpsychologen und Logophädietherapeuten, wenn sich die Schüler halb verhungert und übernächtigt in der Schulbank räkeln? Was nutzen uns die bestens ausgebildeten Lehrkräfte, wenn die Kinder nicht aufnahmefähig sind? Was nützt uns HarmoS, wenn die elterliche Fürsorge und die Vermittlung von Grundwerten durch die Nahestehendsten der Kinder fehlt? Gar nichts. Deshalb müsste genau das in den restlichen 25 Kantonen ebenfalls umgesetzt werden. Schluss mit dem Teacher-Bashing, Ende mit Schülerverhätschelung, jetzt kommen die Verantwortlichen an die Kasse!

Und zu guter Letzt noch dies: Hundehalter müssen Kurse besuchen, um sich überhaupt ein Flohtaxi zulegen zu dürfen. Sind diese Kläffer mehr Wert als unsere Kinder?

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