Informatiker sind auch nur Menschen

Immer wieder erlebe ich, dass mich irgend jemand aus meinem direkten oder weiterreichenden Kollegenkreis auf irgend ein nulpiges Computer-Problem anspricht. Es fängt jedesmal auf die selbe Art an: „Du bist doch ein Computer-Experte …“ oder „Du kennst Dich doch mit PC’s aus …“. Schon wenn ich nur diese paar Worte an mich gerichtet höre, könnte ich schreien.

Ja, ich kenne mich mit Computern aus. Ich weiss, wo wie ich meine Kiste am Morgen in Gang bringe. Ich weiss auch, wo ich eine CD reinschieben muss und ich habe relativ viel Übung im Umgang mit meinem Mail-Programm. Das selbe übrigens kann jede einigermassen gut ausgebildete Sekretärin ebenfalls. Im Übrigen weiss ich auch, wie ich mein Auto am Morgen starte um überhaupt dahin zu kommen, wo mein PC sehnsüchtig auf mich wartet. Und ja, ich bin tatsächlich ein Informatiker.

Doch scheint es im allgemeinen Glauben zu sein, dass sich jeder sogenannte Informatiker mit sämtliche Facetten dieser digitalen Wundermaschine auskennt. Komplett! Natürlich weiss ich sofort nach drei kurzen erklärenden Sätzen, wo mein Gegenüber denn jetzt genau mit einem Problem zu kämpfen hat. Ich bin mir jederzeit voll besusst, mit welchem Programm er arbeitet und welche Schritte er zuvor unternommen hat, um sein Problem überhaupt kennen zu lernen. Informatiker kennen sich ja nicht nur mit Computern aus, sondern sie haben auch die Macht des „Hellsehens“ in sich.

Natürlich ist das nicht so und versucht man das seinem Gesprächspartner zu erklären, blickt man entweder in ein unheimlich trauriges und enttäuschtes Gesicht oder man wird als inkompetent verhöhnt. Für den Laien scheint es nicht nachvollziehbar zu sein, dass man halt eben nicht alles wissen kann, wenn man über Computer Bescheid weiss.

In meinem Fall ist das so: ich arbeite den ganzen Tag mit diesen Geräten und es macht mir Spass. Ja wirklich. Nur weiss man ja aus seiner guten Erziehung, dass jeder Spass mal ein Ende hat. Bei mir trifft das oftmals dann zu, sobald ich das Büro verlasse. Dann hab ich Feierabend und will mich nicht noch weiter mit Computern beschäftigen, weil ich vielleicht einen wirklich schlechten Tag hinter mich gebracht habe und mich die Computer nur genervt haben. In so einem Moment habe ich dann doch ziemlich wenig Verständis für das Problem meines Kollegen mit seinem ADSL-Router. Will ich dann die Erklärung abgeben, dass ich mich mit der Installation von Breitband Internetanschlüssen nicht auskenne, schwappt mir eine Welle von Unverständnis entgegen, da ich doch das zu Können habe. Dass ich bei der Installation von meinem Internet-Zugang wie ein Dilletant in den Handbüchern blättern musste, vermeide ich in dieser Situation aus Selbstschutz jeweils zu erwähnen.

Noch brenzliger wird die Situation, wenn man einer Person tatsächlich mal bei einem Problem zur Hand ging. Die wird zur Klette! Bringst du nicht mehr los. Gestern war’s der Monitor, heute klappert die Tastatur und morgen soll ich ein neues CD-Laufwerk einbauen – ich mit meinen zwei linken Händen. Na das wird lustig. Manchmal können bei solchen Aktionen mehrere Stunden verstreichen. Zeit, die man sich danach in den Allerwertesten schieben kann. Denn schliesslich ist es ja ein Kollegialdienst – will heissen: umsonst! Müsste man einen der hundert PC-Doktoren aus den Gelben Seiten bemühen, wird das natürlich knapp für’s Budget.

Liebe Welt, Informatiker sind auch nur Menschen. Die wollen auch einmal von ihrem Beruf abschalten und an etwas anderes denken. Informatiker sind nur noch in den seltensten Fällen schneebleiche Kellerasseln mit zentimeterdicken Hornbrillen und abgelatschten Turnschuhen. Informatiker haben auch ein Leben neben dem Computer. Bitte denkt daran.

2 Responses

  1. Leonore Häfliger 23. Mai 2007 / 10:39

    Ou Mann, diese armen Informatiker. Zum Glück sind diese Typen meist Leute, die in ihrer Freizeit niemals freiwillig einen Computer anfassen würden und auch immer wieder versuchen, das Gespräch auf andere Themen als PC’s zu lenken. Nie käme es ihnen in den Sinn, andere Leute auch nur im entferntesten mit detaillierten Informationen über irgendwelche neuen Programme oder Computersysteme zu belästigen – zu gross ist doch die Gefahr an die Arbeit erinnert, oder auch noch von Kollegen zur Mithilfe angefragt zu werden.
    Also liebe Welt…bitte fragt nie mehr einen Informatiker in eurem Bekanntenkreis um Rat bei Problemen mit eurem Computer – nein – bittet ihn doch lieber eure Hausarbeit zu übernehmen, schliesslich hat er die Ablenkung von seinem Beruf bitter nötig! 😛

  2. Alexander Limacher 23. Mai 2007 / 14:19

    Ja doch, das sind die jungen, unerfahrernen Anfänger in unserem Beruf … 😉

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