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Einsichtige SP?

Veröffentlicht in Politik von Alexander Limacher am 31. Aug. 2010

Da war ich wirklich positiv überrascht. Es gibt also doch noch vernünftige Sozis. Susanne Leutenegger-Oberholzer (SP) sagt: “Anstatt der FDP zum Nulltarif den zweiten Bundesratssitz zu schenken, sollte man der SVP den zweiten Sitz zugestehen”. Gemäss der Basler Nationalrätin dürfe man nicht nur die Ersatzwahlen 2010 im Auge haben, sondern im Sinne einer Strategie eben auch die Nationalrats- und damit verbunden die Gesamterneuerungswahlen des Bundesrates im Jahr 2011 im Fokus behalten. Leutenegger scheint eine Einzelkämpferin zu sein. Denn die Sozis haben die SVP explizit aus sämtlichen interparteilichen Gesprächen zur Bundesratswahl ausgeschlossen.

Zudem lässt sie verlauten, dass die Sozialdemokraten zur mathematischen Konkordanz stünden. Dies erstaunt insbesondere deshalb, weil genau diese SP den damaligen Bundesrat Blocher abgewählt hat, weil er zu einer inhaltlichen Konkordanz nicht befähigt sei. Aber gut, wir nehmen das zur Kenntnis: die inhaltliche Konkordanz ist gestorben.

Lustig ist aber auch Leuteneggers Beschreibung der Blocher-Abwahl. Es sei eine nötige und richtige Demütigung der SVP gewesen, weil die restlichen 6 Zwerge unfähig waren, den Milliardär einzubinden. Warum hat dann die SP nicht diese untauglichen Magistraten abgewählt? Statt dessen hat die SP Evelyne Widmer gewählt, welche heute nunmehr nicht mehr der SVP zuzurechnen sei. Das ist richtig und für diese Einsicht bedanke ich mich bei Susanne.

Und wie weiter jetzt? Leutenegger stellt folgende Regierungszusammensetzung anhand der aktuell gültigen Kräfteverhältnisse auf:

  • Mitte (FDP, CVP, BDP): 3 Sitze
  • Linke (SP, Grüne): 2 Sitze
  • Rechte (SVP): 2 Sitze

Soweit hat die Sozialdemokratin völlig recht. Doch weshalb sagt sie das? Selbstverständlich verfolgt sie einen Hintergedanken. Leutenegger-Oberholzer denkt, wenn die SVP ihren zweiten Regierungssitz endlich zurückbekomme, dann nähme sie der Volkspartei viel Wind für die kommenden Wahlen im 2011 aus den Segeln. Sie meint, man führe jetzt bloss ein Wahltheater auf, um mit der magistralen Untervertretung auf Stimmenfang zu gehen.

Nun gut, wohl an Freunde. Die SVP kandidiert am 22. September für den Bundesratssitz der Liberalen, wird dabei vom Klassenfeind sekundiert und zieht mit einer weiteren Persönlichkeit in die Regierung ein. Die Genossen werden sich aber mächtig wundern, wenn die SVP den Wahlkampf mit vielen anderen Themen als die jahrelange Unterbesetzung bestreiten und weiter an Wählergunst zulegen wird.

Und jetzt das Micheline auch, bitte

Veröffentlicht in Politik von Alexander Limacher am 7. Aug. 2010

Es hat ja gut angefangen, als sich Moritz endlich dazu aufraffen konnte, seinen längst überfälligen Abgang bekannt zu stottern. Nicht überraschend saldierte dann auch einige Wochen später der Oberbuchhalter Merz sein Konto. Ein guter Entscheid.

Natürlich, Hans Rudolf Merz war streitbar. Insbesondere sein Wirken als Bundespräsident war schwach. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber seinen Hauptjob, nämlich den des Finanzministers, erledigte er als einziger in ganz Europa souverän. Trotzdem ist sein Rücktritt die einzig richtige Entscheidung.

Es wäre deshalb wirklich schön, wenn das Frau Calmy-Rey auch endlich begreifen würde. C’est temps du partir, madame. Die beiden anderen Gentlemen haben Ihnen den letzten Pfad vorgetrampelt, Sie brauchen jetzt bloss noch drauf zu latschen! Das wäre Ihre erste gute Tat als Bundesrätin.

Das Geräusch

Veröffentlicht in Blödsinn,Freie Texte von Alexander Limacher am 27. Jul. 2010

Auf keinseitigen Wunsch versuche ich mal zu erklären, wie man dieses von allen geliebte Geräusch, dem Ruf eines süssen Katzenbüsis ähnlich, erzeugen kann. Mit entsprechender Routine ist es jedoch auch möglich, völlig andere Tonvarianten erklingen zu lassen.

Das Geräusch basiert auf der mit geringem Druck entweichenden Luft, welche zuvor zwischen dem vorderen rechten oder linken Teil des Oberkiefers und der Lippe gesammelt wurde. Es ist der Teil des Mundes, wo sich manchmal Essensreste hinverpissen und man die dann mit der Zunge so rauslallen muss. Ist die Luft mal da, muss sie natürlich mit einer geringfügigen lippen- und wangenmuskulären Spannung auch dort gehalten werden. Man muss sich aber bewusst sein: Bis das mal funktioniert, sind entbehrungsreiche Wochen harten Trainings nötig. Doch wer den Erfolg sucht und will, wird diese Tortur überstehen. Der Fortschritt lässt sich auch gut vor dem Spiegel im Badezimmer überprüfen. Wenn sich da im Gesicht eine kleine Wölbung bildet, wie sie auch oft kurz nach einer dentaltechnischen Entfernung eines Seitenhauers zu beobachten ist, und man dabei recht blöd aus der Wäsche guckt, hat’s hingehauen.

Nun muss man diese gestaute Luft kontrolliert entweichen lassen. Man erreicht dies, indem man die vorher angesprochene Muskelspannung ganz filigran wieder entspannt. Um ein Gefühl für die Entspannungsrate zu entwickeln, kann man sich auch ganz leicht mit der Hand auf die Luftwölbung tippen. Wenn dabei ein Geräusch ähnlich einer lesbischen Kampfhenne mit Stimmbruch beim Eierlegen entsteht, befindet man sich auf dem richtigen Weg. Mit der Zeit wird man nicht mehr auf die Hilfe körpereigenen Extremitäten angewiesen sein. Aber machen wir uns nichts vor: es folgen weitere qualvolle Wochen des Übens …

Das Geräusch an sich kann jetzt ganz einfach durch diverse Parameter beeinflusst werden. Während dem Ablass können wir die Stellung der Lippen oder der Zunge (oder beidem) verändern, den Mund geschlossen halten, leicht oder stärker öffnen und schon erklingen die unterschiedlichsten Variationen. Diese reichen dann eben vom lieblichen Schmusebüsi bis hin zum Furz eines bekifften Eichhörnchens während dem Geschlechtsverkehr. Man darf sich nun sein Lieblingsgeräusch aussuchen und es am besten bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Mitmenschen präsentieren. Wichtig ist nur eines: bei der korrekten Ausführung entweicht Luft, nichts anderes. Es ist unanständig, sein Gegenüber oder Nebenan mit flüssigem, weniger flüssigem oder gar festem Irgendwas aus unserer Mundhöhle zu beschenken.

Wohl an, frohes geräuschen …

Was für eine Ausländerpolitik wollen wir?

Veröffentlicht in Ausländer,Politik von Alexander Limacher am 27. Jul. 2010

Die einen wollen zu allen lieb und nett sein, die anderen möchten am liebsten gar nicht darüber diskutieren müssen. Die SVP will es jetzt genau wissen und fragt die Bevölkerung. Auf http://www.volksbefragung.ch kann man online einen Fragebogen zum Thema Asyl- und Ausländerpolitik ausfüllen.

Der Fragebogen behandelt die von der SVP bekannten Positionen. Mit dieser Umfrage kann die Volkspartei eruieren, in welchem Ausmass ihre Statements vom Volk getragen werden oder ob sie eventuell gar völlig am Volkswillen vorbeipolitisieren.

Eine gute Idee, finde ich.

Wer will denn jetzt noch in die EU?

Veröffentlicht in Europa,Politik von Alexander Limacher am 20. Jul. 2010

Ja, wer? Die Union steht da ohne Kohle, die Mitgliedsstaaten drohen zu verlumpen, die EU-Bürgerinnen und Bürger werden mit immer mehr Steuern ausgeblutet und die Währung ist bald weniger wert als das Papier, auf dem es gedruckt wird. Und da gibt es aller ernstes Leute, die meinen, da müsse die Schweiz auch mitmachen?!

Zum Beispiel die Zukunftsvisionäre der Avenir Suisse, diesem Denk-Becken nach angelsächsischem Vorbild. Durch ihre Publikation “Souveränität im Härtetest” sprechen sie sich unter anderem dafür aus, dass man, um die Souveränität der Schweiz zu sichern, eben diesem sozialistischen Machwerk namens Europäische Union beitreten soll. Natürlich wäre es doof, müsste man den stabilen Schweizer Franken durch eine Absturzwährung ersetzen. Aber wer nur im Grossen denkt, für den sind ja auch geltende Verträge nicht so wichtig und so kann ein Think-Tanker getrost über den Lissaboner Vertrag hinwegsehen und verkünden: “Dann machen wir einfach ohne den Euro mit”.

Ins selbe Horn blasen auch die Träumer von der SP. Auch für die EU-Turbos ist es offensichtlich irrelevant, dass alle neuen Mitglieder zwingend den Euro übernehmen müssen. Mario Fehr, SP Nationalrat ZH, sagt gegenüber dem Online-Tagi: “Ich trete dafür ein, dass wir den Franken behalten. Und ich bin überzeugt, dass wir dies auch durchsetzen können.” Schon komisch. Sonst vernimmt man doch von dieser Seite immer bloss kritische und verachtende Stimmen zum Thema “Sonderfall Schweiz”.

Tja, hätten wir halt früher beitreten sollen, weil dann hätte man ja mitreden können. Blödsinn! Bestimmend in der EU sind Deutschland und Frankreich, dann vielleicht noch die Briten und die Italiener. Nachher kommt lange nichts mehr. Irgendwo im unbedeutenden Nirvana des europäischen Verwaltungsmolochs findet man dann die Schweiz. Ganz versteckt, kaum wahrnehmbar. Und so würde man dann auch mitreden. Reden ja, nur gehört wird man nicht. Schöne Mitbestimmung das.

Ausserdem ist die EU völlig inkompatibel mit dem direktdemokratischen politischen System der Schweiz. In der Eidgenossenschaft bestimmt nicht einfach ein Parlament über die Geschicke der Nation und über die Köpfe der Bevölkerung hinweg. Nein, hier bestimmt das Volk, der Souverän. Aber in einem zentralistisch-sozialistischen Machtgefüge hat Volkssouveränität nichts zu suchen. Da braucht man seine Bürgerinnen und Bürger nur zum malochen und Steuern abdrücken. In allen anderen Fragen ist das Volk nur lästiger Ballast. Das ist die Denkweise derer, die mit wehenden Fahnen in den europäischen Abgrund rennen wollen. Wohlwissend, dass für sie selber ein rettender Strohhalm vorhanden ist. Aber für uns? Fehlanzeige.

Und was ist eigentlich mit den Kohäsions-Geldern, die wir 2006 gespendet haben? Wo sind jetzt die versprochenen Aufträge für unsere Wirtschaft, die man uns von linker Seite versprochen hat? Bis jetzt sind noch keine Aufträge eingegangen. Nichts. 1 Milliarde futsch. Einfach ins Leere verbuttert. Doch das seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) wiegelt ab. Man läge im Zeitplan. Es bedürfe halt umfangreicher Abklärungen, die Jahre andauern. Jaja. Diese Abklärungen dauern genau so lange, bis die Moneten aufgebraucht sind. Das Ende ist übrigens schon abzusehen, denn bereits spricht die Politik über neue Kohäsions-Almosen an die EU.

Ich kann es nicht oft genug wiederholen. Sie ist gescheitert, die EU. Kein klar denkender Mensch kann da wirklich noch mitmachen wollen!

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